Apples Highlights der ersten 50 Jahre, Teil 1: 1977 bis 1985
Happy Birthday, Apple! Und alles Gute für die nächsten 50 Jahre und darüber hinaus. Wir kommen am heutigen Tag nicht umhin, auf die bewegte Geschichte des Unternehmens zurückzublicken. Leider können wir nur einzelne Highlights (und auch so manches Lowlight) herauspicken. Unser Rückblick in vier Teilen (drei weitere folgen noch im Lauf des Tages) erhebt gewiss keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
1976: Diese Gründung war kein Scherz – aber eine mit Raffinesse
Apple wird also am heutigen 1. April 2026 50 Jahre alt und die Scherzkekse bei der Macwelt haben schon seit Monaten gegrübelt, wie der obligatorische Aprilscherz der Redaktion an jenem Tag mit der Gründung des heutigen Weltkonzerns zusammenpassen könnte, ohne den Akt selbst nachträglich als Aprilscherz dastehen zu lassen.
Denn was sich beim ersten Lesen anhört wie ein Witz, war gar keiner: Kommt ein 21-jähriger kalifornischer Hippie und Studienabbrecher zu einem etwas älteren, gut situierten Geschäftsmann und fragt ihn, ob er mit ihm und einem anderen Hippie eine Computerfirma gründen will. Er brauche ihn an sich nur für eine Unterschrift, damit der andere Hippie, der noch woanders eine Festanstellung hat, seinen Job hinschmeißt und mit ihm ein Unternehmen gründet, dessen Namen er von der Plattenfirma britischer Hippies geklaut hat.
Aber fast genau so war es: Hippie 1 (Steve Jobs) löcherte seinen Freund, den Hippie 2 namens Steve Wozniak, er möge doch mal das Design, das er im Homebrew Computer Club vorgestellt hat, mit ihm zusammen kommerziell verwerten. Einen Namen für das Unternehmen habe er schon: Inspiriert von seiner Aussteigertätigkeit auf einer von Hippies betriebenen Apfelfarm in Oregon und Apple Ltd., der Plattenfirma der Beatles, müsse man das Projekt „Apple“ nennen.
Und als sich Steve Wozniak unter Verweis auf seine gut bezahlte Tätigkeit bei Atari, für die Jobs auch schon mal gewerkelt hatte, der Idee verweigerte, kam Jobs mit Ronald G. Wayne vorbei, fast 42 Jahre alt, aber in Geschäftsdingen erfahren. Man kannte sich von Atari, was Wozniak offenbar überzeugte, dass die Sache mit Apple doch etwas Ernstes sein könnte.
Die beiden Steves mit dem Apple I
Apple
Wayne verblieb nur elf Tage im Unternehmen und ging dann wieder zu Atari zurück, er hatte seine Schuldigkeit getan. 800 US-Dollar zahlten die beiden verbliebenen Gründer an ihren dritten Mann. Ein Drittel Apples wäre heute etwa 1,3 Billionen US-Dollar wert, aber das nur nebenbei.
Wayne hinterließ aber nicht nur eine Legende zur Gründung, sondern auch eine weitere – das erste Logo. Das war noch sehr verspielt und ohne großen Wiedererkennungswert und zeigte wie auf einem Holzschnitt Isaac Newton unter einem Apfelbaum sitzen, auf eine andere Legende anspielend.
Apple / Ronald G. Wayne
Immerhin hat Ronald G. Wayne offenbar gewusst, dass die Geschichte mit dem auf den Kopf des Gelehrten fallenden Apfel Humbug ist, und auf dem von ihm gestalteten ersten Apple-Logo darauf verzichtet, einen fallenden Apfel zu zeichnen. Die Wahrheit ist viel prosaischer: Isaac Newton kam offenbar beim Betrachten eines vom Baum fallenden Apfels die Idee, dass die Kraft, die ihn zu Erde fallen lässt, auch die gleiche ist, welche die Planeten auf ihren Bahnen hält – die Gravitation.
Dank der von ihm erfundenen Infinitesimalrechnung konnte er belegen, dass sich die von Kepler empirisch erfassten Gesetze der Planetenbahnen aus dem Newton’schen Gravitationsgesetz herleiten lassen. Das gilt näherungsweise immer noch, für den fallenden Apfel etwa. Nur bei höheren Geschwindigkeiten oder Massen geht nichts ohne Einsteins relativistische Präzisierungen. Würde man die nicht berücksichtigen, würde beispielsweise GPS nicht funktionieren. Aber das ist eine andere Geschichte.
1977: Der erste richtige Apple-Computer ist – beige
Mehr als ein paar Spotlights können wir, wie eingangs erwähnt, in unserer kurzen Geschichte der Apple-Geschichte nicht setzen.
Betrachten wir also nur kurz das erste Jahr Apples – nur ein paar Tage nach Gründung des Unternehmens stellten die beiden Steves ihr erstes Produkt vor – den Apple I.
Das Technikgenie Steve Wozniak hatte sein Konzept eines persönlichen Computers derart auf wenige Bauteile und Lötstellen reduzieren können, sodass ihm und den ersten Mitstreitern der jungen Firma der Zusammenbau der Rechner im Schlafzimmer von Steve Jobs’ Eltern relativ flott von der Hand ging. Das Marketinggenie Steve Jobs hatte schon die ersten 200 Rechner verkauft, bevor Wozniak den Lötkolben in die Hand genommen hatte, und auch gleich einen Verkaufspreis genannt: 666,66 US-Dollar.
Dabei hatte der Apple I weder eine Tastatur, noch einen Monitor, ja nicht einmal ein Gehäuse. Es war im Wesentlichen eine Platine, an die man eine Tastatur anschließen konnte und die Text auf einem herkömmlichen Fernsehapparat ausgab. Einige Käufer der ersten Stunde hatten Gehäuse aus Holz gebaut – derartige Maschinen sieht man auch heute noch ab und an bei Auktionen für unheimlich viel Geld den Besitzer wechseln.
Und das soll ein Apple-Computer sein?
Charitybuzz
In der Jetztzeit fragt Apple immer wieder verzweifelt die Kundschaft, ob sie jetzt das iPad für einen richtigen Computer hält oder ob der Computerbegriff heutzutage ein ganz anderer ist, war die Antwort in den Jahren 1976/77 eine weit klarere: „Ja, natürlich ist der Apple I ein Computer. Für den benötigt Ihr keine Maschinenhalle, stellt ihn einfach auf den Wohnzimmertisch. Ach, erst mit einem Gehäuse, Tastatur und Bildschirm ist das für euch ein richtiger Computer? Bitte – könnt Ihr haben.“
Mag der Apple I ein fragwürdiger Beweis dafür sein, dass Apple in seinem ersten Jahr eine Bastelstube war, stellt der Apple II ab dem Jahr 1977 klar: Es handelt sich hier um eine ernst zu nehmende Firma, die richtige Computer baut.
Da gab es beispielsweise das neue Logo mit hohem Wiedererkennungswert, den angebissenen Apfel in sechs Regenbogenfarben. Und natürlich ein Gehäuse – von denen bei der Vorstellung des Apple II auf der Westcoast Computer Fair die meisten leer geblieben waren, weil die junge Firma mit der Produktion nicht hinterherkam. Dieses Gehäuse hatte eine Besonderheit, wie sich erst 21 Jahre später erwies. Denn es war in einem Farbton gehalten, den Apple seit dem Jahr 1998 strikt ablehnt: Beige.
Sieht schon eher wie ein richtiger Computer aus: Apple II von 1977RR Auction
Damit war Apple Pionier, andere Kisten der Zeit waren meistens grau oder schwarz. Es hat aber eine gewisse Ironie, dass Apple mit dem Slogan „Sorry, no Beige“ mit dem iMac im Jahr 1998 sich von der Farbe distanzierte, die seither eigentlich alle Konkurrenten des Unternehmens aus dem Silicon Valley als Gehäusefarbe nutzten.
Es war aber vermutlich nicht das Gehäuse allein, das den Apple II zu einem durchschlagenden Erfolg werden ließ. In Varianten produzierte Apple seinen Kassenschlager sogar bis in das Jahr 1993. Mit einer aufwendigen Medienkampagne beruhigte Apples Marketing nach Erscheinen des Mac die Kundschaft, dass es den „Apple II forever“ geben werde. Immerhin für die Ewigkeit von neun Jahren.
1983: LISA lässt sich nicht lange leugnen
Machen wir nun einen kleinen Sprung vom Jahr 1977 in das Jahr 1983. Wobei wir hier beinahe fahrlässig einen verdammt guten Teil der Apple-Geschichte überspringen, denn der Apple II erwies sich als enormer Erfolg, der Apple derart starkes Wachstum bescherte, sodass das Unternehmen am 12. Dezember 1980 an die Börse ging – und die Hippies von einst samt ihrer ersten Mitstreiter plötzlich zu Millionären wurden.
Wer sich jedoch auf dem Erfolg ausruht, wird sehr bald untergehen. Also suchte Apple schon damals nach dem „nächsten großen Ding“.
Dieses meinte eine Abordnung Apples, zu der auch Steve Jobs gehörte, bei einem Besuch im Forschungszentrum des Herstellers Xerox in Palo Alto gefunden zu haben, dem Palo Alto Research Center oder kurz PARC.
Was die Besucher aus der Nachbarschaft des Silicon Valley dort aber zu sehen bekamen, fanden sie offenbar so beeindruckend, dass sie sich davon … inspirieren ließen. Von Diebstahl kann man nicht reden, wenngleich sich Bill Gates Jahre später rechtfertigte: Wenn Apple schon den Fernseher aus dem PARC klaute, könnte er ja wohl noch die Stereoanlage mitnehmen.
Die Computerrevolution, die Apple in Folge der Inspiration in Gang setzen sollte und die Microsoft noch gewaltig weiterdrehte, war etwas, das man auch heute noch grafische Benutzeroberfläche nennt.
Man muss das der heutigen Nutzerschaft beinahe erklären, dass auf einem Bildschirm herumwischen und tippen damals eine sehr ferne Vision war. Angeblich war aber Steve Jobs schon Ende der Siebziger davon überzeugt, dass man einen Computer nicht nur hochheben können müsste, sondern auch die Software zum Anfassen sein sollte.
Apple II, seine Nachfolger, der 1981 erschienene IBM-PC und an sich alle Computer der Zeit konnte man nur mit Befehlen steuern, die man in eine Eingabezeile eintippte. Heute stellt man sich vor, Siri würde das für einen erledigen, wenn man ihr nur sagt, was sie machen soll, aber im Vergleich zu den damaligen Computern ist selbst die tumbe Siri ein Ausbund an Intelligenz. Denn die Befehle zur Steuerung von Apple II und Konsorten musste man alle richtig eingeben, sonst verstand der Rechner noch weniger als Siri heute. Und scheute sich auch nicht davor, unsinnigen Befehlen der Art -rm . zu gehorchen.
Sieht beinahe wie ein Mac aus, war aber keiner.RR Auction
Das Konzept, das den Mac groß machen sollte: ein „Schreibtisch“ im Hintergrund, Festplatten als „Schränke“, Ordner für Dateien, die man mit der Maus munter von hier nach da ziehen konnte, das war so revolutionär neu, dass Xerox nichts damit anfangen konnte. Aber eben ein kleines Startup aus Cupertino und später ein erst mal nicht wesentlich größeres Unternehmen aus der Nähe von Seattle.
Apple benötigte aber für diese Revolution zwei Versuche, beinahe so wie bei Apple I und Apple II. Der erste hörte auf den Projektnamen Lisa – und auch wenn Steve Jobs es lange nicht zugeben wollte, der Rechner war nach seiner unehelichen Tochter Lisa Brennan-Jobs benannt.
Aber irgendwie blieb der Name hängen – Steve Jobs war aber vor der Veröffentlichung der Lisa im Januar 1983 aus dem Projektteam geflogen und hatte sich einem anderen zugewandt, über das wir gleich noch mal ausführlicher sprechen.
Auf die Frage „Heißt die LISA nach Lisa Brennan-Jobs?“ antwortete Apple stets: „Nein, nein, das ist ein Akronym und steht für Local Integrated Software Architecture.“ Eh klar, oder?
Wer einen derartigen Schaden hat, braucht auf den Spott nicht lange zu warten, der stellte sich flott ein. LISA stünde für „Let’s Invent Some Acronym“, verbreiteten Scherzvögel.
Übrigens: In der Werbekampagne für die LISA spaziert ein Büroarbeiter offenbar an einem Wochenendtag mit seinem Hund mal eben ins Office, um ein paar liegen gebliebene Aufgaben sehr schnell mit zu erledigen, kann man so nebenbei ja machen, wenn man auf der Gassirunde ohnehin schon in der Nähe ist. Der Name des damals noch unbekannten Schauspielers: Kevin Costner.
1984: Echt super, die Schüssel
Apple und der Superbowl, eine lange Geschichte. Im Februar diente das Unternehmen aus Cupertino zum dritten Mal als Sponsor der Halbzeitshow, der Latino-Star Bad Bunny zeigte dabei, dass in den USA nicht nur Englisch gesprochen wird – es handelt sich vermutlich um ein Einwanderungsland. Aber das nur nebenbei.
Wer sich für Football – die Variante mit dem Ei – nicht so interessiert, schaut dennoch jedes Jahr fasziniert die Halbzeitshow oder wenigstens die in den zahlreichen Unterbrechungen gesendeten Werbespots.
In der Zeit, in der zwischen dem zweiten und dem dritten Viertel des Gekickes, Gewerfes und Gerennes allenfalls Marching-Bands über den Kunstrasen stolzierten und keine nationalen oder gar internationalen Superstars auftraten, war nicht nur der Sport wichtiger, sondern auch die Werbespots.
Heute stellt sich Apple gerne auf den Standpunkt „We don’t talk about future products“. Im Jahr 1984 taten sie das sehr wohl, zeigten das für zwei Tage später avisierte Produkt in dem legendären 60-Sekünder, in dem eine Hammerwerferin ihr Sportgerät direkt auf den Bildschirm schleudert, auf dem Big Brother zu sehen ist, nicht einmal. Der dystopische Spot endete lediglich mit den Worten: „Apple stellt am 24. Januar den Macintosh vor. Damit 1984 nicht wird wie ‚1984‘.“
Standbild aus dem legendären Spot.
Apple
Big Brother war als Personifizierung von IBM gut zu erkennen, die grau uniformierten Zuhörer seiner Rede als Nutzer von Großcomputern vor ihren Terminals. Und jetzt kommt Apple mit dem ersten echten persönlichen Computer namens Macintosh. Wobei schon Apple I und II persönliche Computer waren und IBM seinen PC auch gleich so nannte. Aber der Mac brachte die Sache eben auf ein gänzlich neues Niveau, wie sich zeigen würde.
Beinahe wäre der Spot nicht ausgestrahlt worden, der Aufsichtsrat Apples war beim Screening entsetzt. Aber schlau wie er nun einmal war, hatte Steve Jobs den Regisseur Ridley Scott einen 60-Sekünder drehen lassen. Der ließ sich nicht mehr so leicht ein paar Tage vor der Ausstrahlung ändern. Die Sendezeit war schon bezahlt.
In einer Sache hatte Steve Jobs aber seinen Willen nicht bekommen. Denn der ursprünglich von Jeff Raskin konzipierte Rechner hätte nach Wünschen des Apple-Gründers „Bicycle“ heißen sollen. Die Maschine sei wie ein Fahrrad für den Geist, wo andere Leute noch zu Fuß gehen, lautete die Idee dahinter.
Raskin, der von seiner Vision des 500-Dollar-Rechners abkommen musste, weil Jobs immer mehr von den besten Komponenten und Funktionen gewünscht hatte und der Mac schließlich gut 2.500 US-Dollar kostete, blieb wenigstens im Namensstreit Sieger. Sonst säßen wir heute vor unserem Bike und Sie würden vielleicht die Bikewelt lesen und sich wundern, warum wir nicht über Ketten, Schaltungen und Rahmen schreiben.
Das erste Hallo des freundichen Computers.Computer History Museum
Wer weiß, vielleicht hatte Steve Jobs beim Namen Bicycle auch jene legendäre Fahrradfahrt des LSD-Erfinders Albert Hoffmann im Hinterkopf, während Jeff Raskin lieber einen nüchternen Namen wählte, der auch ohne Trip scheinbar Unmögliches verspricht.
Raskin fügte bewusst in den Namen der seltenen Apfelsorte McIntosh noch ein a mit ein, weil er wohl nicht zu Unrecht Markenstreitigkeiten befürchtete, mit der Firma McIntosh, die schon damals hochwertige Stereoanlagen herstellte und das auch noch heute macht.
1985: Einer kommt, ein anderer geht
„Wollen Sie den Rest Ihres Lebens Zuckerwasser verkaufen, oder wollen Sie die Chance ergreifen und die Welt verändern?“, hat Steve Jobs der Legende nach den Pepsi-Manager John Sculley gefragt, als dieser zögerte, den angebotenen Posten als Apple-CEO anzunehmen. Die Werbung war letztlich erfolgreich, sollte aber für den Apple-Gründer zu einer schmerzhaften Zeit im Exil führen, aus der er jedoch einen Game-Changer mitbringen sollte.
So weit sind wir aber in der Apple-Geschichte noch nicht, sehen wir uns erst das Jahr 1985 an, das für Apple gar nicht gut anfangen sollte, wie schon 1984, nach dem vielversprechenden Start weniger gut endete.
Die beiden Steves mit John Sculey in ihrer Mitte
Apple file photo
Denn die Verkaufszahlen des Mac waren deutlich unter der Erwartung geblieben. Anders als zu Beginn der iPhone-Ära, als Apple schier das ganze Unternehmen auf den Erfolg des neuen Smartphones verwettete, hatte Apple in den Achtzigern noch einen gewaltigen Umsatzbringer in den Regalen, den Apple II. Nur kurze Zeit nach der Premiere des Mac hatte Apple zu einem Event unter dem Motto „Apple II Forever“ eingeladen, um die bestehende Kundschaft und Interessenten zu beruhigen: Man werde am Apple II festhalten. Das tat Apple auch bis 1993, in der Computerära eine Ewigkeit.
John Sculley war im April 1983 zu Apple gekommen, gewissermaßen, um als Erwachsener auf den Kindergarten aufzupassen, als der das junge Unternehmen damals noch vielen erschien. Eine seiner besten Ideen, die er für seinen vorigen Arbeitgeber hatte, versuchte Sculley bei Apple zu adaptieren, mit mäßigem Erfolg.
Was bei „Mach’ den Pepsi-Test“ noch funktioniert hat, war mit „Testdrive your Mac“ ein ziemlicher Fehlschlag. Das Angebot an Interessierte: „Leihen Sie sich doch einen Mac über das Wochenende aus, wie Sie auch den Wagen ihrer Träume ausprobieren können.“ Sculley hatte die Rechnung ohne die Händler gemacht, die gar nicht davon begeistert waren, gerade am Wochenende nichts verkaufen zu können, weil die verfügbaren Geräte ausgeliehen waren, die sie am Montag dann in einem Zustand zurückbekamen, den man nur noch als „gebraucht“ bezeichnen kann. Ein Mac ist kein Zuckerwasser, nicht einmal ein Porsche.
Das Jahr 1985 hatte mit dem davor aber immerhin eine Gemeinsamkeit: Apple ließ einen Regisseur namens Scott einen Werbespot für den Superbowl drehen. Nur handelte es sich nicht um Ridley, sondern um Tony. Besonders fantasievoll war diese zweite Werbung auch nicht: Dieses Mal liefen die mit Augenbinden versehenen tumben Großcomputernutzer im Gänsemarsch wie Lemminge auf eine Klippe zu, bis einer von ihnen die Augen öffnete und sah, dass es eine Alternative gab: das Mac-Office.
Problem dabei: Das gab es nicht. Zumindest bislang nicht. Apple wollte damit mehr ein Konzept als ein Produkt bewerben, ein Protokoll zum Austausch von Daten am Arbeitsplatz. Und einen schicken Drucker, der aber auch noch lange nicht fertig war.
Ein Nachfolger des Mac, gewissermaßen ein Mac II, war dagegen nicht in Sicht.
Apple, der Shooting-Star der Jahre 1976 bis 1984, taumelte dem Abgrund entgegen. Verantwortlich gemacht hat der neue CEO John Sculley dafür in erster Linie den Mann, der ihn ins Unternehmen geholt hatte: Steve Jobs. Erst verbannte Sculley den Gründer auf den Posten des Chairman und in ein abgelegenes Gebäude auf dem Campus und ekelte ihn schließlich raus – im September 1985 verließ Jobs zusammen mit einigen Getreuen die von ihm mitbegründete Firma. Um seine Neugründung NeXT Computer zu finanzieren, verkaufte er alle Apple-Aktien, bis auf eine. Jobs wollte sich die Option offenhalten, Unternehmensversammlungen Apples zu besuchen.
Discussion in the ATmosphere