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Apples Highlights der ersten 50 Jahre, Teil 3: 2002 bis 2011

Macwelt – News, Tipps und Tests von Apple-Experten [Unofficial] April 5, 2026
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Der dritte Teil unseres kurzen Abrisses der Apple-Geschichte der vergangenen 50 Jahre bringt das wohl größte Highlight bisher. Und auch die traurigste Wendung. Nach dem ersten Teil, in dem wir die Jahre 1976 bis 1985 uns zum Thema machten, sahen wir uns auch die Jahre bis einschließlich 2001 schon an.

2002: Die Krise nach 9/11 und des Power PC

Nach dem 11. September 2001 war die Welt nicht mehr dieselbe, auch nicht für Apple. Für den iPod hätte es einen günstigeren Start geben können, aber für wen und was galt das nach 9/11 nicht?

Immerhin fiel in Deutschland schon wenige Wochen nach seiner Vorstellung der Preis des iPod um gut die Hälfte, von etwa 1.000 Mark auf rund 500 Euro – kleiner Scherz am Rande. Aber im Ernst hatte der iPod anfangs Schwierigkeiten als Nischenprodukt. Apple habe zwar bei der Entwicklung schon Windows und USB-C im Sinne gehabt, was aber nicht immer in Steve Jobs’ Sinne gewesen sei, hieß es in der Retrospektive. Wer’s glaubt …

Um den iPod auf Windows-PCs zu bringen, musste Apple erst einmal iTunes für das konkurrierende System entwickeln. Steve Jobs lobte das Ergebnis als „beste Software, die je für Windows programmiert wurde“. Na, dann wollen wir die anderen gar nicht sehen.

Der iPod war in den Jahren 2001/2002 aber noch weit davon entfernt, zu einem Kassenschlager zu werden. Das Hauptprodukt Apples war nach wie vor der Mac, mit dem das Unternehmen in jenen Jahren schwer zu kämpfen hatte.

Schon im September 2000 musste Apple wegen schlechter Performance im Markt eine Gewinnwarnung ausgeben, der Aktienkurs sank von heute auf morgen um die Hälfte – und ausdrücklich nicht wegen der Euro-Einführung. Die verständliche Kaufzurückhaltung nach 9/11 führte zu einer zweiten Gewinnwarnung im Frühjahr 2002, mit etwas weniger dramatischen Folgen für das Unternehmen.

Zu Beginn des Jahres 2002 hatte Apple bereits das Zeitalter des Flachbildschirms auch auf dem Desktop eingeläutet. Der iMac G4 sah ganz anders aus, als die Leute ihn erwartet haben und wie er sich auch heute noch präsentiert. Aber ein aufgestelltes Notebook mit all der benötigten Hardware hinter dem Screen wollte Apple damals noch nicht bauen. Jony Ive hatte vom Chef persönlich die Aufgabe gestellt bekommen, jede Komponente sich selbst treu sein zu lassen. So wurde der Sockel eine Halbkugel mit Hauptplatine, Festplatte und optischem Laufwerk, der 15-Zoll-Monitor hing an einem beweglichen Arm.

Die Krönung des iMac G4 ist das Modell mit großem 20-Zoll-Display. Es folgt Ende 2003 und bietet 1,25 GHz Taktfrequenz. Ende 2003 erhalten alle iMacs USB-2.0-Anschlüsse.

Apple

Die Schneegöttin oder Schreibtischlampe machte nachhaltig Eindruck – und so mancher Fan von damals träumt heute von einer Art Neuauflage, Apples Homepad könnte 2026 so ähnlich aussehen.

Weniger Eindruck machten aber die Power Macs aus dieser Zeit. Auf Hochleistung getrimmt verbrauchten sie aber verdammt viel Energie, die Abwärme mussten laute Lüfter aus dem schicken Gehäuse blasen, die manchmal den Lärm von Staubsaugern erreichten. Erst mit dem G5, den wieder IBM für Apple fertigte, und zwar exklusiv, wurde die Situation besser.

Nur nicht für Macbook und iBook, die im Jahr 2003 ihre Farben verloren und nur noch in Schwarz und Weiß daher kamen. Denn IBM konnte keinen stromsparenden G5 für Laptops entwickeln.

Der Power Mac G5 hat gewisse Ähnlichkeit mit dem letzten seiner Art, dem Mac Pro M2 Ultra.RR Auctions

So kündigte Apple auf der WWDC 2005 das Undenkbare an, das zuvor in der Gerüchteküche waberte: Ja, man werde die Plattform wechseln, weg vom PowerPC, hin zu Intel. Deren Chips seien in der Lage, die geforderte Leistungsfähigkeit pro aufgenommener elektrischer Leistung zu bieten: „Performance per Watt“. Die Hölle schien zuzufrieren, aber eines der Probleme bei der Entwicklung von Mac-OS X war, dass NeXTStep ursprünglich auf der x86-Architektur lief. Das wurde Teil der Lösung: Apple hatte schlauerweise in all den letzten Jahren des PowerPC den x86-Kernel weiterentwickelt, sodass der Umstieg vom PowerPC auf den Intel-Mac geradezu ein Klacks war.

2007: Verwetten wir einfach mal die Firma

Der Wechsel zu Intel, der mit einem modifizierten iMac im Januar 2006 bei der Kundschaft ankam, verschaffte Apple mal wieder Luft. Das wichtigste Produkt hatte man auch gleich neu gestaltet, auf das veraltete Powerbook folgte ebenso Anfang ein neugestaltetes und leistungsstarkes Macbook Pro, zwei Jahre danach definierte Apple mit dem Macbook Air die Einsteigerklasse für Notebooks komplett neu. Der Power Mac sah als Mac Pro erst einmal genau so aus, nur konnte er wesentlich anspruchsvollere Anwendungen ausführen, ohne zu heiß zu werden. All quiet on the Mac-Front, sozusagen.

Dann kann man sich mal der Zukunft zuwenden, zumal der iPod über alle Maßen wuchs und Apple aus seiner Nische herauskatapultierte. Sogar ein Halo-Effekt wurde ihm seinerzeit zugeschrieben, manche iPod-Käufer waren erstaunt, dass Apple auch Computer baute, und bezogen in ihre nächste Kaufentscheidung Macbook und iMac mit ein. Für diese Kundschaft war besonders der Mac Mini ab 2005 – zunächst noch mit PowerPC – ein Angebot: Maus, Tastatur und Monitor müsse man selbst mitbringen, respektive die Windows-Peripherie weiter verwenden, bekommt damit aber für 500 US-Dollar endlich das Mac-Gefühl auf den Schreibtisch.

Apple wäre aber nicht Apple, wenn es sich in der Gegenwart ausruhte und aufhörte, an Morgen zu denken. Vielleicht hatte der Frenemy aus Redmond, Bill Gates, doch recht, als er Anfang der 2000er-Jahre einen Tablet-Computer vorstellte und behauptete, in zehn Jahren würden alle Computer so aussehen. Mit einem hatte er sicher nicht recht: Windows (und auch Mac-OS X) waren gewiss nicht dafür gebaut, mit einem Stift oder gleich mit einem Finger bedient zu werden.

Das muss besser gehen, dachte man sich in Cupertino, und machte sich an die Entwicklung eines flachen Computers, den man mit der erst kürzlich aufgegriffenen Multi-Touch-Technologie bedienen würde.

Wenn die Geschichte nicht stimmt, sondern nur erfunden ist, dann ist sie gut erfunden: Steve Jobs soll nach der Demonstration der ersten Prototypen angeordnet haben: Lasst uns ein Telefon daraus machen.

iPod Nano der fünften Generation

valeriiaarnaud / shutterstock.com

Hatte Apple nicht sogar schon ein Gerät im Haus, auf dem man aufbauen könnte? iPod-Nutzer hatten immer wieder zwei Wünsche geäußert: ein integriertes Radio und die Verbindung von iPod mit ihrem Handy. Der iPod Nano der vierten Generation kam dem Wunsch nach einem UKW-Empfänger nach, das funktionierte auch einigermaßen, mit den Kabeln des Kopfhörers als Empfänger.

Aber was Motorola mit Apples Segen produzierte, sprach dem Gedanken, iPod mit Handy zu vereinen, Hohn: Das Motorola Rokr konnte nichts richtig gut, die Musik-Funktion war gar auf 100 Tracks beschränkt. Der klassische iPod hatte seine Kapazität derweil auf 80 GB und 10.000 Songs ausgeweitet.

Also wettete Apple ab etwa 2005 alles auf ein neues Produkt, das drei Geräte in einem sein würde: einen iPod mit Breitbild-Touchscreen. Ein Telefon. Und ein bahnbrechendes Internetgerät: das iPhone.

Steve Jobs stellt 2007 das erste iPhone vor

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Intern war das Projekt anfangs so geheim, dass sich manche Hardware- und Softwareentwickler wunderten, wohin die Kollegen, mit denen man eben noch zusammengearbeitet hatte, nach der schweigsam verbrachten Mittagspause denn verschwanden. Warum in manchen Büros und Laboren frühmorgens schon das Licht brannte und spätabends immer noch. Und warum die Abstände zwischen neuen Versionen von Mac-OS X immer größer wurden.

Währenddessen arbeiteten im Wesentlichen zwei Gruppen am Musik-Telefon mit Internetbrowser und Kamera: Eine von Tony Fadell geleitete versuchte, dem iPod das Telefonieren, Fotografieren und Surfen beizubringen, das Team von Scott Forstall hingegen setzte auf den Kern von Mac-OS X Multi-Touch, was sich als der bessere Ansatz erwies.

Dennoch war nach einer selten stressigen Advents- und Weihnachtszeit das iPhone am 9. Januar 2007 alles andere als ausgereift, als Steve Jobs es unter großem Jubel auf der Bühne der Macworld Expo in San Francisco um 9.41 Uhr Ortszeit aus der Hosentasche zog. Bis zuletzt gab es starke Zweifel daran, ob die vorgesehenen Demonstrationen der Funktionen und Apps wie Fotos, iTunes, Safari, Telefon und Video denn auch funktionieren würden. Drei halbwegs funktionstüchtige Geräte standen schließlich bereit – und erledigten ihren Job mit Jobs.

“Slide to unlock” auf dem Original iPhone von 2007

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Ein halbes Jahr müsse man noch warten, bis man es für rund 500 US-Dollar (ohne Subvention von Mobilfunkprovidern) würde kaufen können – eine zu kurze Zeit für die Konkurrenz, um wie 15 Jahre zuvor dem Newton rechtzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Innerhalb von 74 Tagen nach dem Verkaufsstart in den USA am 29. Juni 2007 hatte Apple die erste Million Geräte verkauft. Im Jahr 2025 waren es weltweit wieder um die 200 Millionen iPhones, die Apple an die Kundschaft brachte, also fast eine Million pro Werktag. Die Wette mit dem Einsatz der kompletten Firma hat Apple eindrucksvoll gewonnen.

Apple setzte beim iPhone zunächst auf exklusive Mobilfunkpartner. Mithilfe von AT&T Wireless (vormals Cingular) hatte man die „Visual Mailbox“ auf das iPhone gebracht, 2007 etwas völlig Neues. Samsung lieferte den Chip und scheute sich wenig später wie Google nicht, das iPhone „sklavisch“ zu kopieren, wie Steve Jobs den Partnern vorwarf.

Google, das anfangs die nativen Apps für Video (Youtube) und Navigation (Maps) auf das iPhone gebracht hatte, durfte fünf Jahre später keine Apps mehr auf das iPhone vorinstallieren lassen, Google-CEO Eric Schmidt war da schon nicht mehr Mitglied des Apple-Aufsichtsrates. Verständlich, aber was Apple zunächst mit seinen eigenen Maps anstellte, kostet Scott Forstall letztlich den Job. Und zu Beginn des Jahres 2026 hat Apple angekündigt, fortan wieder mit Google zu kooperieren, weil man Siri nicht mehr allein hinbekommt.

2010: So soll ein Tablet aussehen, Herr Ballmer!

Wie schon im Hinblick auf den iPod und die Öffnung hin zu Windows via USB war angeblich beim iPhone die Öffnung zu externen Entwicklern von Anfang an geplant. Im März 2008 schien es aber so, als wäre Apple dazu gezwungen. Denn jeder wollte mit seinen Anwendungen auf das iPhone, und da es gar nicht mal so schwer zu knacken war (Jailbreak), poppten alternative Bezugsquellen für Apps ebenso schnell auf wie die oben erwähnten „sklavischen Kopien“ aus Korea und China.

So „erfand“ Apple den App Store: Mit einem vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Developer Kit ließen sich Apps für das iPhone programmieren, bei Apple einreichen, im App Store kaufen oder gratis beziehen und über iTunes per Kabel auf das iPhone spielen. Dafür verlangte Apple 30 Prozent der mit diesen Anwendungen erzielten Umsätze. Ein Bezahlsystem hatte Apple dank des 2003 gestarteten iTunes (Music) Store, der mittlerweile auch Filme verkaufte und Software für den iPod, bereits in iTunes integriert.

Heute steht Apples Ansatz, die volle Kontrolle über auf dem iPhone installierte Software zu behalten, in der Kritik, respektive ist von der EU verboten. Aber weder nutzt die Anwenderschaft alternative App Stores in nennenswerter Zahl, noch legen Entwickler besonders großen Wert darauf, auch außerhalb des App Stores ihre Produkte anzubieten, Großunternehmen wie Epic ausgenommen. So verkehrt scheint das Prinzip App Store nicht zu sein.

Das iPhone bekam schon nach einem Jahr einen „3G“ genannten Nachfolger, der eben nicht nur den App Store mitbrachte (den bekam das originale iPhone auch mit iPhone-OS 2), sondern zwei Chips, die anfangs wegen befürchteter Performance-Probleme fehlten: UMTS (3G) und GPS. Kaum zu glauben: Die ersten iPhones „navigierten“ anhand von Triangulation bekannter WLAN-Netze. Eine echte Routenplanung mit Abbiegehinweisen wäre damit kaum möglich gewesen.

iPhone 3GS

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Auf das 3G folgte ein verbessertes 3GS („S stands for speed“), und bevor Apple im Sommer 2010 das iPhone 4 in leicht veränderter Form (die es schon für einige Prototypen gegeben hatte) herausbrachte, kam das Unternehmen auf den ursprünglichen Plan und einen Tablet-Computer zurück.

Was aber genau soll das iPad sein? Vermutlich weiß das Apple heute immer noch nicht, obwohl sich das iPad in vier unterschiedliche Arten aufgespalten hat. Nur war eines klar: So lieblos, wie das mit Microsoft-Programmen gesteuerte Slate von HP, das Bill Gates’ Nachfolger als CEO des Softwareriesen, Steve Ballmer, Anfang Januar auf der CES in Las Vegas zeigte, würde Apple sein Tablet nicht behandeln. Ballmer wischte nur ein paar Mal unmotiviert auf dem Bildschirm herum, als hätte er nie zuvor ein Touch-Gerät in der Hand gehabt. Das kann sogar der Fall gewesen sein, denn 2007 tat der das iPhone noch als Rohrkrepierer ab: Niemand würde 500 Dollar für ein Telefon ausgeben. Aber schon damals war das iPhone weit mehr als nur ein Telefon.

Und das iPad war schon 2010 mehr als ein großes iPhone, das nicht telefonieren konnte, nicht einmal in der LTE-Version, die nur Daten mit dem mobilen Internet austauschte. Dafür liefen aber alle iPhone-Apps von Anfang an auch auf dem iPad, doppelt vergrößert und gar nicht schön anzuschauen. Gut, dass Entwickler sehr schnell für bewährte iPhone-Anwendungen iPad-Varianten brachten, die den großen Bildschirm richtig zu nutzen wussten.

Das originale iPad von 2010

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Was konnte also das iPad von 2010? Steve Jobs zeigte es, meist in einem bequemen Sessel sitzend, denn offiziell war er krankgeschrieben. Mails lesen und auf Glas tippen, Websites besuchen, die eigenen Fotos sichten, die man mit dem Mac oder PC synchronisiert hatte – es gab weder eine Kamera im ersten iPhone noch war iCloud an den Start gegangen, der Vorgänger Mobile Me funktionierte gar nicht gut.

Das iPad war vorwiegend für den Medienkonsum gedacht, weniger für die Produktion. Das sollte sich aber schon bald ändern, als Apple seine eigene iWork-Suite und weitere Programme auf das iPad brachte – und Entwickler ein reichhaltiges Ökosystem an Anwendungen schufen. So bekam das iPad seine Software also sowohl vom iPhone als auch vom Mac – mit iPadOS 26 ist das Tablet dem Laptop auch immer ähnlicher geworden. Dennoch besetzt es zu Recht eine lukrative Nische, Apples Umsätze mit iPad und Mac sind in der gleichen Größenordnung.

2011: Der lange Abschied des Steven P. Jobs

Steve Jobs ging es schon lange nicht gut. Die Öffentlichkeit hatte erst im Sommer 2004 erfahren, dass er sich einer Krebsoperation unterziehen müsste; eine Ad-hoc-Meldung an die Börse hatte Apple unterlassen. Jobs wusste von seinem Pankreas-Karzinom schon seit 2003. Da es sich aber um eine seltene Variante handelte und der Inselzellentumor bei einer Routineuntersuchung frühzeitig entdeckt worden war, standen die Chancen relativ gut, fünf Jahre zu überleben, wenn er sich gleich operieren ließe.

Es waren dann acht Jahre und auf eine Operation verzichtete Steve Jobs ein Jahr lang. Zunächst versuchte er es mit Verdrängung und dann mit frutarischer Diät, bis er sich endlich doch unters Messer legte. Dabei fanden die Chirurgen bereits erste Metastasen auf der Leber.

Was an sich ein Todesurteil mit recht kurzer Frist bis zur Vollstreckung ist, überlebte Steve Jobs aber wundersamerweise bei anscheinend bester Gesundheit. Im Sommer 2005 hielt er vor dem Abschlussjahrgang der Stanford University eine mitreißende Rede, in der er nicht nur sein Überleben thematisierte, sondern dem Tod den Schrecken zu nehmen versuchte: Das Alte müsse irgendwann gehen, um dem Neuen Platz zu machen.

Steve Jobs im Sommer 2005 in Stanford.

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Im Laufe des Jahres 2008 magerte Jobs aber immer mehr ab, sodass Apple im Oktober am Ende der Vorstellung neuer Macbooks zwar eine Fragerunde zuließ, aber zum Gesundheitszustand Jobs’ nur lapidar einen Blutdruck von 110 zu 70 mitteilte und sich Nachfragen verbat. Dabei war der Apple-CEO zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Suche nach einer Spenderleber.

Diese sollte er im Januar 2009 bekommen, die gesundheitliche Auszeit begründete Apple aber mit einer Stoffwechselstörung, deren Ursache nun gefunden sei und behandelt werde. Da war es wieder, das berühmte Reality-Distortion-Field: So kann man eine vom Krebs zerfressene Leber auch bezeichnen.

Im September 2009 war Jobs wieder zurück, bereits mit bei der Transplantation entdeckten Metastasen auf dem Bauchfell – und tat so, als würde er seinen Aufgaben wieder nachkommen wie bisher. Bis zur nächsten Auszeit, aus der er nur noch sporadisch wiederkehrte. Etwa zur Vorstellung des iPad im Januar 2010 oder des iPad 2 im März 2011. Zwei letzte Male zur WWDC im Juni 2011 und wenige Tage danach vor dem Stadtrat von Cupertino, dem Apple seine Pläne für den neuen Campus vorstellte, der heute Apple Park heißt.

Apple Park in Cupertino

Shutterstock.com / SnapASkyline

Am 24. August 2011 erklärte Steve Jobs offiziell seinen Rücktritt als CEO, er werde im Hintergrund aber weiter beratend tätig sein, Tim Cook übernahm das Tagesgeschäft.

Und demzufolge auch die Präsentation des iPhone 4s am 4. Oktober 2011, dessen wichtigstes Merkmal die digitale Sprachassistentin Siri war, damals revolutionär, heute weit hinter dem Wettbewerb. Steve Jobs war ein leerer Stuhl in der ersten Reihe des Auditoriums gewidmet, nur Optimisten hatten gehofft, er würde wenigstens per Video zugeschaltet werden.

Tags darauf starb der Apple-Gründer jedoch an seiner Krankheit. Am Morgen des 6. Oktober, als die Nachricht auch Europa erreicht hatte, mussten wir auf den einschlägigen Nachrichtenseiten gar nicht erst die Schlagzeile lesen. Schon als wir Steve Jobs’ Foto sahen, wussten wir, dass das Unvermeidliche eingetreten war.

Nicht wenige fürchteten, dass mit dem Nachfolger Tim Cook, dem Charisma fehle und der kein „Product Guy“ sei, auch für Apple bald das letzte Stündlein schlagen würde. Das Gegenteil ist richtig. Denn wie Steve Jobs selbst seinem Biografen diktierte, ist kein bestimmtes Produkt wie der Mac oder das iPhone seine beste Errungenschaft, sondern dass er Apple zu einer Firma gemacht habe, die Produkte wie Mac, iPhone und noch viel mehr erschaffen könne.

Tim Cook und der Schatten von Steve Jobs.

Apple / Fotomontage: Foundry

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