Apples Highlights der ersten 50 Jahre, Teil 4: 2012 bis heute
Im vierten Teil unseres Abrisses der Apple-Geschichte der vergangenen 50 Jahre schlagen wir den Bogen von Tim Cooks Antritt als CEO bis heute – und darüber hinaus. Nach dem ersten Teil, in dem wir die Jahre 1976 bis 1985 uns zum Thema machten, sahen wir uns zunächst die Jahre bis einschließlich 2001 an und betrachteten dann den Beginn der iPhone-Ära und Steve Jobs’ viel zu frühes Ableben.
2012: Die Evolution nach der Revolution
Wie oft kann man die Welt der Computer und der Telekommunikation komplett auf den Kopf stellen? Apple ist das öfter gelungen, mit dem Apple II, dem Mac und dem iPhone. Über iPad und Apple Watch können wir auch gerne noch weitersprechen, bei der Vision Pro wird man sehen müssen.
Aber nach der Revolution kommt die Evolution. Sowohl der Apple II als auch der Mac mussten sich weiterentwickeln, um am Markt bestehen zu können, die Konkurrenz schläft nicht. Das gilt noch mehr für das iPhone.
Mag sein, dass Apple auch und gerade mit mysteriösen Einladungen zu seinen Shows eine hohe Erwartung weckt, die stets enttäuscht wird, weil Cupertino schon wieder nicht das Rad neu erfunden hat und nicht einmal das iPhone. Aber wenn man das erste iPhone mit dem von heute vergleicht, erkennt man die Ähnlichkeiten beinahe nur noch am Apple-Logo auf der Rückseite.
Vom ersten iPhone bis zum iPhone 17 Pro Max und womöglich bald zum iPhone Fold verlief die Entwicklung meist kontinuierlich, selten in signifikanten Sprüngen.
Das iPhone 4 gab es auch in weiß, aber erst sehr viel später.
Apple/Petter Ahrnstedt
Das iPhone 4 mag als ein erster solcher Sprung erschienen sein, und in der Tat war das hochauflösende Retina-Display eine bedeutende Neuerung. Dabei war die eckigere Form schon in der Prototyp-Phase bei Apple bekannt. Nach drei mehr oder weniger identisch aussehenden Modellen war es mal Zeit für etwas Neues. Leider hatte Apple beim Antennendesign ein wenig geschlampt. Der Rahmen, der die beiden Glasseiten zusammenhielt, war erst mit dem iPhone 4S so konstruiert, dass man nicht mit einem Griff Telefonate versehentlich beenden konnte.
iPhone 5 und 5S hingegen wuchsen ein wenig in die Länge. Statt vier Reihen von Icons passten auf dem Homebildschirm nunmehr fünf, die Diagonale wuchs von 3,5 Zoll auf 4 Zoll. Mit dem 5S kamen ein Fingerabdrucksensor hinzu und die Möglichkeit, mit dem iPhone drahtlos zu bezahlen.
Der bis dato größte Erfolg waren dann iPhone 6 und iPhone 6S wegen zweier Maßnahmen, die Apple in Hinblick auf die Märkte in Asien traf. Mit dem iPhone 6(S) Plus sprach man Kunden an, die nach einem größeren Bildschirm verlangten, weil sie womöglich gar keinen anderen Computer besaßen. Die goldene Farbe, in der Generation 5 noch recht dezent eingesetzt, war dank des neuen Designs in Aluminium wesentlich präsenter und in Asien sehr beliebt. Mit dem Roségold des iPhone 6S hat Apple es aber womöglich leicht übertrieben.
Gold – always believe in your soul
Macwelt
Doch brachte auch in der Generation 6 die S-Version eine Korrektur des Vorjahresmodells, das sich in der Plus-Variante mit ein wenig Gewalt verbiegen ließ. Also setzte Apple auf ein stabileres Aluminium, heute beim noch dünneren iPhone Air gar auf Titan. Da biegt sich gar nichts mehr.
Und das iPhone 7 sollte mit mutigen Entscheidungen die Zukunft vorbereiten. Die Kopfhörerbuchse – Relikt einer Technik des 19. Jahrhunderts – entfiel, der Home-Button war eine Solid-State-Taste und nicht mehr selbst beweglich und das Plus-Modell bekam endlich eine zweite Kamera, für etwas Zoom.
Jedes Jahr das iPhone neu erfinden – das geht nicht. Aber wenn man nach drei, vier oder fünf Jahren ein neues Gerät kauft, kommt man aus dem Staunen schier nicht mehr heraus.
2015: Wie viel Uhr ist es?
So mancher Apple-Fan erinnert sich mit Schaudern an die Keynote vom 9. September 2014, die Apple unter das Motto „Wish we could say more“ gestellt hat. Das iPhone 6S (Plus) hat das 6er abgelöst, schön und gut. Aber mussten am Ende wirklich U2 live auftreten? Und am Ende hatte man auch noch deren neuestes Album ungefragt in die iTunes-Mediathek gestellt bekommen?
Apple sah sich geradezu einem Shitstorm ausgesetzt und hat seit der Zeit rund um seine Keynotes keine Musik von U2 oder Coldplay mehr laufen lassen. Den an sich klugen Mechanismus des iTunes Store, dass man Käufe ewig behält und versehentlich gelöschte Musik oder Filme sich einfach wieder neu laden kann, musste Apple ein wenig umprogrammieren, damit die Leute, die mit den irren Iren nichts anfangen können, diesen Kauf, den sie nie getätigt hatten, wieder aus ihrer Mediathek löschen und nicht nur ausblenden konnten.
Und dann beging Tim Cook noch vor dem Auftritt von Bono und Kollegen am Ende seiner Präsentation ein Sakrileg: Mit den Worten „One more thing …“ leitete er das Zeitalter der Apple Watch ein.
Die Uhr war schon eine Weile durch die Gerüchteküche kursiert und galt als erstes Tim-Cook-Produkt, obwohl Steve Jobs vermutlich die ersten Ideen dazu noch mitbekommen haben dürfte.
Apple Watch von 2015. Damals gab es noch eine Edition aus echtem Gold (hinten links) für 10.000 Euro aufwärts.
Apple
Was sollte die Apple Watch denn sein? Ein iPhone am Handgelenk, gar der Nachfolger des immer neue Höhen erreichenden Smartphones? Oder ein schickes Accessoire für an Technik interessierte und gerne auch wohlhabende Menschen? Ein teures Fitnessarmband?
Apple blieb im Herbst 2014 bewusst noch ein wenig vage, denn es gab im Unternehmen selbst noch Diskrepanzen dazu. Jony Ive, mittlerweile zum Ritter geschlagen (respektive der Vorstufe CBE) und bei Apple im Range des Chief Design Officer (CDO), war überzeugt, es könne gar nicht genug Bling-Bling geben. Deshalb gab es auch eine goldene Variante der Uhr. Also, aus echtem Gold. Zusammen mit einem hochwertigen Lederarmband samt Goldschnalle konnte die Edition 18.000 Euro kosten.
Die Show-Stars, die Apple mit der Uhr versorgte, und die wenigen Reichen, die das Ding kauften, hatten aber schnell ein schickes und teures Stück veraltete Technik am Handgelenk, denn austauschbar war (und ist) natürlich nichts an der Uhr – von den üblichen Akku- oder Glasreparaturen und den Armbändern abgesehen.
Stattdessen entwickelte sich die Apple Watch beinahe unerwartet zu einem unerlässlichen Gesundheitsgadget. Kaum war sie im Frühjahr 2015 in Varianten mit Aluminium-, Edelstahl- und dem erwähnten Goldrahmen auf den Markt gekommen, trudelten bei Apple, insbesondere bei Tim Cook, immer mehr Dankschreiben ein, wie die Apple Watch das Leben ihrer Nutzer bereichert oder gar gerettet hat. Angefangen mit Warnungen vor zu hohem oder zu niedrigem Puls, die zur Frühdiagnose ernsthafter Erkrankungen führten, oder Rettung in höchster Not, wenn man nicht mehr an das iPhone kam, aber mit der Uhr Hilfe herbei telefonieren konnte.
Gesünder leben mit der Apple Watch
blackzheep / shutterstock.com
Apple war nun klar, in welche Richtung die Apple Watch gehen sollte. Hinzu kamen über die Jahre hinweg ein Ein-Kanal-EKG, eine Sturzerkennung mit automatischem Notruf, eine nichtmedizinische Messung der Blutsauerstoffsättigung, eine qualitative Messung der Hauttemperatur und zuletzt eine solche des Blutdrucks, die vor Hypertonie zu warnen verspricht.
Dazu kommen eben all die Funktionen, die man vom iPhone auslagern kann oder die den Bildschirm erweitern: Benachrichtigungen vieler Apps, Kamerafernsteuerung, Trainings, Telefon und was nicht alles mehr. Ach ja, und Schritte zählt sie auch, berechnet anhand von Pulsdaten und Gewicht auch den Kalorienverbrauch und stellt das auf spielerische Weise dar, sodass auch Couch-Potatos täglich ihre Ringe schließen wollen. Die Apple Watch Ultra wurde gar zu einer Art von Taucheruhr und einer solchen für Trekking in unwegsamem Gelände. Von dort kann man mittlerweile per Satellit den Notruf wählen, wenn etwas schiefläuft.
2016: Zahnbürste im Ohr
Mit dem iPhone 7 hatte Apple die Kopfhörerbuchse abgeschafft, zumindest im iPhone. Wichtiger Grund: Nur so kann das iPhone einigermaßen wasserresistent werden. Und obwohl die Konkurrenz damals laut schnaubend protestierte und sich über Apple lustig machte, hat sie es längst nachgemacht.
Halten in jedem Ohr. Nur nicht in meinem linken.
Macwelt
Kabelkopfhörer für die Apple Watch sind hingegen zwar nicht undenkbar, aber maximal unpraktisch. Spätestens, seitdem die Apple Watch mit GPS und optional LTE vom iPhone ein wenig unabhängiger wurde und weil der Lautsprecher des kleinen Gerätes nicht wirklich gut klingen kann, boten sich Bluetooth-Kopfhörer als Begleiter an. Warum da aber der Konkurrenz das Feld überlassen? Und warum bei Bluetooth bleiben?
Ein zweites Mal wurden von Apple produzierte Ohrhörer zum Kulturgut. Die ersten waren freilich die weißen Kabel-Earpods des iPod, die manche Besitzer in weniger vertrauenswürdigen Umgebungen lieber gegen unscheinbare mit schwarzem Kabel austauschten, um nicht als potenzielles Raubopfer identifiziert zu werden. Aber überall anders signalisierten die weißen Kabel und Stöpsel: „Ich habe einen iPod. Ich gehöre dazu.“
Seit 2016 sind neue Hörer in aller Ohren: die Airpods. Anders als ihre Vorgänger liegen sie aber nicht den iPhones bei, nicht einmal den teuersten Varianten. Aber wie ihre Vorgänger sind sie nicht auf iPhones beschränkt, denn an anderen Geräten lassen sie sich an jedem anderen Bluetooth-Player betreiben.
Wenn man kein iPhone hat, dann hat man kein iPhone. Hat man aber eines, dann auch oft eine Apple Watch, einen Mac, ein iPad. Und hier kommt Apples Magie des integrierten Ökosystems ins Spiel: Anstatt die Bluetooth-Hörer von einem Gerät erst zu trennen und dann mühselig mit einem anderen zu koppeln, legt man einfach das iPhone zur Seite, nimmt das iPad in die Hand und schon wechseln die Airpods ihre Bezugsquelle, sofern die Geräte mit dem gleichen Apple-Account verknüpft sind.
Und das ist nur einer der Tricks, die Apple mit den Chips H1 und H2 ermöglicht. Die Airpods Pro beispielsweise, die in ihrer ersten Generation Ende 2019 erschienen sind, beherrschen nicht nur aktive Geräuschunterdrückung (ANC), sondern dienen als Hörhilfen mit medizinischer Qualität.
Schickere Hörgeräte gibt es nicht!
Eugen Wegmann
Was haben aber die Leute gelacht, besonders in den asozialen Medien, und die Airpods Pro mit ihren markanten Stielen als Zahnbürstenköpfe verspottet! Aber im Weihnachtsgeschäft 2016 waren die Airpods derart begehrt, dass unter manchem Christbaum nur ein Gutschein lag – dank der Lieferzeiten bis in den Januar.
Die Airpods hatten – und haben – aber ein ernstes Problem. Denn es mag stimmen, dass Apple zehntausende Ohren vermessen hat, um die Form der Hörer so zu gestalten, dass sie in allen Ohren, selbst in Bewegung, stecken bleiben. „Alle“ heißt hier aber nur „fast alle“, also alle mit endlich vielen Ausnahmen. Wie gut, dass man einzelne Ohrhörer nachkaufen kann oder auch die Ladeschachtel, die aber selten aus den Ohren fällt. Erst die Airpods Pro mit ihren mittlerweile fünf Tipps aus Silikon und Schaumstoff halten wirklich gut in den Ohren, wenn auch nicht perfekt.
18: Mit X ins zweite Jahrzehnt
Wir hatten es weiter oben schon mal skizziert: Das iPhone ändert sich stets, mal in größeren, mal in kleineren Schritten. Den größten ging Apple im Jahr 2017, zehn Jahre nach dem ersten iPhone – der kam auch einer Revolution am nächsten.
Denn den Power-Button, der am iPhone 7 schon ein kapazitiver war und kein echter Knopf, schaffte Apple mit dem iPhone X komplett ab. Es handele sich um das iPhone für das zweite Jahrzehnt und es habe daher kaum mehr Ähnlichkeit mit den Geräten der ersten Dekade. Vielleicht war ein solches, auf den ersten Block vollkommen tastenfreies Gerät auch von Anfang an die Vision von Steve Jobs.
Kein Satz mit X.
Apple
Wobei: Schon das erste iPhone hatte weit mehr als nur einen Knopf, nämlich die Tasten an der Seite zum Ein- und Ausschalten, zum Stummstellen und für Lauter/Leiser. War Apple mit dem Ein-Tasten-Smartphone im Jahr 2007 aber tatsächlich ein Pionier, war das iPhone X mit seinem All-Bildschirm-Design zehn Jahre später nur ein Nachzügler, selbst bei der Gesichtserkennung.
Die hat es aber in sich: Anders als bei der Konkurrenz erfasst Apples Front-Kamera-System ein räumliches Bild und lässt sich nicht von Fotos täuschen. Eine Million Mal sicherer als die Touch-ID, der Fingerabdrucksensor, sei das, behauptet Apple. Dennoch gibt es immer wieder vereinzelte Berichte, wie sich selbst das iPhone X und seine Nachfolger austricksen lassen. Nur einem Schlafenden oder einer Leiche das iPhone vor die Nase zu halten, um es zu entsperren, das funktioniert nur im Tatort am Sonntagabend.
Dass sich die Nutzer aber von der Bedienung über den Home-Button auf neue Gesten umstellen mussten, war Apple klar, weswegen zum iPhone X auch noch ein eher traditionelles iPhone 8 (Plus) kam. Das war in Teilen sogar identisch: Mit Glasrückseite wegen der Möglichkeit, es induktiv aufzuladen (was auch schon viele Konkurrenzprodukte beherrschten), und dem gleichen Chip, dem A11 Bionic, dem ersten Apple-Chip mit neuronalen Kernen, die heute von immenser Wichtigkeit sind, aber auch bereits 2017 Aufgaben erledigten, die wir heute unter KI subsumieren.
Man kann sagen, das iPhone 8, das mehr als ein solider Evolutionsschritt vom iPhone 7 war und daher sicher nicht iPhone 7S hätte heißen dürfen, war das bisher kurzlebigste der Apple-Geschichte. Kaum war es als gutes bis sehr gutes Gerät vorgestellt, was Apple gerne mit der Floskel „das beste iPhone aller Zeiten“ macht, kam ein noch besseres, nämlich das iPhone X, das dann auch ein noch teureres war und als erstes iPhone die 1000-Euro-Grenze überschritt.
Mit dem iPhone 8 endete die Tradition des Home-Buttons, aber noch nicht ganz, denn die iPhones SE der Jahre 2020 und 2022 bekamen noch einmal das gleiche Gehäuse.
Aber der Nachfolger des iPhone 8 als günstigste Option des neuen Jahrgangs hieß nicht iPhone 9, sondern iPhone XR. Denn es war am iPhone X angelehnt, mit einigen Restriktionen wie LCD statt OLED und einem bunten Kunststoffgehäuse. Auch ohne Home-Button, dafür mit Gesichtserkennung. Der Nachfolger des iPhone X hieß iPhone XS und war – wie schon die S-Modelle der Dekade davor – das bessere X. Das gab es auch noch als Max-Version, noch größer, noch teurer.
iPhone XS: In drei Farben und gerne auch Max.
Apple
Erst ab dem Jahr 2019 begann Apple dann wieder gerade zu zählen und führt das bis heute fort. Zum XR-Nachfolger iPhone 11 gab es noch die XS-Nachfolger iPhone 11 Pro und Pro Max, in den Reihen 12 und 13 stellte Apple noch eine Mini-Größe bei, zu den Nummern 14, 15 und 16 gab es ein Plus-Modell, Pros bleiben wie gehabt in Standard- und Max-Größe. Das iPhone 17 ist wieder so allein wie das iPhone 11, das vierte Modell iPhone Air trägt bewusst keine Nummer, weil dessen Zukunft recht offen ist.
Nicht wenige Marktbeobachter spekulieren, dass das Air nur ein Testballon für ein iPhone Fold sei, das noch dünner, aber zu immenser Größe aufklappbar wäre. Ein iPhone für das dritte Jahrzehnt oder ein Rohrkrepierer? Wir sind gespannt und gehen fast davon aus, dass es nach dem iPhone 18 im kommenden Jahr kein 19er zum 20sten Geburtstag geben wird, sondern ein iPhone XX oder 20 oder wie auch immer das heißen wird. Um damit eine Revolution auszulösen, müsste Apple sich aber gewaltig etwas einfallen lassen.
iPhone Air: Vorbiote der Zukunft oder Rohrkrepierer?
Eugen Wegmann
Das müssten aber bessere Ideen sein als die, die zu einem Produkt führten, das wirklich enorm kurzlebig war und nicht nur scheinbar wie das iPhone 8. Die Airpower, eine Ladematte, die gleichzeitig iPhone, Apple Watch und Airpods-Schachteln drahtlos auflegen würde, egal, wo genau man die Geräte darauf ablegen würde, sollte 2018 kommen, versprach Tim Cook persönlich im September 2017.
Daraus wurde nichts, denn das Problem mit annähernd gleicher Ladeleistung auf jedem Punkt der Oberfläche ließ sich nicht lösen. Nicht von ungefähr haftet der Ladepuck der Apple Watch magnetisch an ihrem Gehäuse, damit Lade- und Empfängerspule so nahe aneinander sind wie nur möglich. Aber ein iPhone irgendwo ablegen? Damit die am nächsten liegende Spule eine hohe Leistung abgibt und die dahinter eine noch höhere, damit irgendetwas ankommt? Brandgefährlich! So verstrich das Jahr 2018 ohne Airpower und auch ohne Airpods der zweiten Generation, deren induktive Ladeschachtel geradezu nach einer Lösung wie der Airpower schrie.
Das Problem löste Apple aber anderweitig, inspiriert vom magnetischen Puck der Apple Watch mit der Neuauflage seiner Marke Magsafe: Seit dem iPhone 12 sind in dessen Rückseite Magnete verbaut, die passende Ladescheiben oder Powerbanks genau an der richtigen Stelle halten.
2019: Von der Beinahepleite zur Billionen-Dollar-Company
Als Apple im Jahr 1997 noch inmitten einer die Existenz bedrohenden Krise steckte, Steve Jobs aber bereits zurückgekehrt war, antwortete Michael Dell, Gründer des gleichnamigen Computerherstellers, scherzhaft auf die Frage, was er als Apple-CEO unternehmen würde: „Den Laden dichtmachen und den Aktionären ihr Geld zurückgeben.“
Steve Jobs merkte indigniert an, dass man die Nummer eins sein wolle, in Sachen „Logistik, Betrieb und Einkaufserfahrung“ und daher nicht hinter Dell zurückstehen wolle.
Wir erinnern uns: Im September 2000 musste Apple wegen schwacher Verkäufe des Power Mac G4 (Cube) eine Gewinnwarnung ausgeben, der Aktienkurs des Unternehmens fiel über Nacht um 50 Prozent. Eine zweite Gewinnwarnung war der Konsumzurückhaltung nach 9/11 geschuldet, hatte aber keine so dramatischen Auswirkungen mehr auf Apples Börsenwert.
Der stieg und stieg und stieg, nicht zuletzt wegen des iPods und des ihm zugeschriebenen Halo-Effekts auf Mac-Verkäufe. Am 16. Januar 2006 hatte Apple sein Ziel erreicht und Dell hinsichtlich der Marktkapitalisierung überholt: 72,13 Milliarden US-Dollar vs. 71,97 Milliarden US-Dollar. Rache wird am besten kalt genossen, und so schrieb Steve Jobs an Apples Mitarbeiter in Bezug auf Michael Dells Aussage aus dem Jahr 1997: “Michael Dell hat die Zukunft nicht perfekt vorhergesagt. Aktienkurse gehen rauf und runter und morgen kann es wieder eine andere Situation geben, aber ich dachte, es wäre heute ein guter Moment, sich zu erinnern.” Bäm!
Macwelt
Missachtung oder Geringschätzung hatte Apple in seiner Geschichte auch mehrmals aus Redmond erfahren, gleichzeitig aber auch Unterstützung. Bill Gates’ Unternehmen war an sich das erste, das Software für den Mac entwickelte, und Gates ließ seinen Freundfeind Steve Jobs nicht im Regen stehen, als dieser 1996 um Hilfe bat. Es sah nur ein wenig unglücklich aus, als Gates überlebensgroß auf einem Bildschirm über einer Bühne in Boston erschien, auf der scheinbar mickrig Steve Jobs wie ein Bittsteller stand. Doch die Zusage, weiter auf den Mac zu setzen, und die 500 Millionen US-Dollar Finanzspritze, für die Microsoft nicht stimmberechtigte Firmenanteile erwarb, retteten Apple in letzter Sekunde das Leben.
Gates’ Nachfolger Steve Ballmer sah 2007 im iPhone ein 500 Dollar teures Telefon, das niemand kaufen würde, und schätzte den Tabletcomputer derart gering, dass sich Apple mit dem iPad relativ leicht tat.
Häme gen Redmond gab es keine, als Apple Microsoft als wertvollstes Unternehmen ablöste und im Jahr 2018 schließlich das erste Unternehmen wurde, dessen Marktkapitalisierung die 1-Billion-Dollar-Grenze überschritt – Tim Cook ist für solche Sottisen viel zu nüchtern.
Aber nicht zuletzt Tim Cooks Wirken als CEO ließ Apple immer wertvoller werden. Im August 2020, inmitten einer weltweiten Krisenlage, war das Unternehmen an der Börse erstmals zwei Billionen US-Dollar wert. Um die Spitzenposition im MarketCap musste sich Apple weiter mit Microsoft herumschlagen, aber auch mit Google und einem neuen Player, dem saudischen Ölkonzern Aramco. Aber der gilt beinahe nicht, ist er doch aus mehreren Unternehmen vom saudischen Staat zusammengesetzt worden.
Die dritte Billion überschritt Apple im Januar 2023, aber nur während des Handelstages. Am 30. Juni 2023 lag auch der Schlusskurs der Apple-Aktie so hoch, dass die Marktkapitalisierung mehr als 3 Billionen US-Dollar betrug.
Und erst im Oktober 2025 war die vierte Billion geknackt, Apple war aber zu dem Zeitpunkt mal wieder nicht das virtuell wertvollste Unternehmen, sondern ein neuer Konkurrent, mit dem Apple viel früher auch mal kurz zusammengearbeitet hat: Nvidia.
Dessen Grafikkarten hatte Apple, als die Macs noch welche benötigten, aber meist links liegen gelassen und stattdessen auf AMD gesetzt. In der KI-Ära erweist sich Nvidia als einer der wichtigsten und vor allem als größter Zulieferer von GPU-Power, die sich auch wunderbar zu neuronalen Netzen zusammenschließen lässt.
KI kann auch Apple, spätestens seit dem A11 Bionic im iPhone X. Mag Apple Intelligence im Hinblick auf Software noch ein wenig hinter der Musik herlaufen, die Hardware ist auf dem aktuellen Stand – und vielleicht sogar schon ein wenig weiter. Ende November 2025 hatte Apples Aktie ein neues Rekordhoch erklommen: 277,55 US-Dollar, was in Marktkapitalisierung 4,119 Billionen US-Dollar entsprach. Vier Monate später liegt der Wert wieder niedriger, aber nicht wesentlich.
Am Tag von Apples Börsengang im Dezember 1980 war das Unternehmen zu Handelsschluss 1,8 Milliarden US-Dollar wert. Sprich: Wer damals für rund 1000 US-Dollar Apple-Aktien gekauft und bis heute trotz aller Krisen und Schwankungen gehalten hätte, wären diese jetzt gut zwei Millionen US-Dollar wert.
2020: Intel outside
Definiere „Ironie der Geschichte“: Im Jahr 2005 hatte Apple angekündigt, der PowerPC-Plattform den Rücken zu kehren, weil weder IBM noch die Motorola-Ausgliederung Freescale in der Lage waren, leistungsfähige, aber stromsparende Chips für die Produkte zu liefern, die Apple in Planung hatte.
Im Jahr 2020 kündigte Apple dann an, dass Intel nun seinerseits nicht mehr in der Lage war, Chips zu liefern, die den Ansprüchen Apples an „Power per Watt“, also Leistungsfähigkeit pro aufgenommener elektrischer Leistung, gerecht würden. Wer zu jener Zeit eines der Macbooks Pro aus dem Jahr 2016 nutzte, konnte das bestätigen: Die Maschinen waren zwar auch gut vier Jahre nach ihrer Markteinführung noch gut dabei, aber an sich nur, wenn sie permanent an der Steckdose hingen – man konnte dem Akku beim Leerwerden geradezu zuschauen.
Schlimmer noch: Das mit Stolz im Frühjahr 2015 präsentierte lüfterlose Macbook 12 Zoll konnte nur mit einem Chip der M-Serie Intels laufen, der zwar den raffiniert in das dünne Gehäuse geschichteten Akku nicht ganz so schnell leer bekam, dafür aber bei der Leistungsfähigkeit weit hinterher rannte.
Schön war es ja, das Macbook 12 Zoll Retina
Apple
Was tun? Auf Intels Konkurrenten AMD zugehen, dessen Radeon-Grafikkarten man schon verbaute? Oder doch lieber selbst die Entwicklung in die Hand nehmen? Denn bevor man einem Lieferanten erklärt, wie genau man das Produkt haben will, macht man es doch lieber selbst.
Respektive kauft sich Expertise ein: Im Jahr 2008, als der Intel-Mac noch jung war und das iPhone gerade erst geboren war, kaufte Apple den Hersteller P.A. Semi. Zeitgleich kam der israelische Ingenieur Johny Srouji zu Apple, dessen Aufgabe es war, mit dem neuen Team einen Chip für das kommende iPad zu entwickeln, der auch in das iPhone kommen sollte, das bisher auf einen Prozessor von Samsung gesetzt hatte.
Mit dem A4 im iPad begann die erfolgreiche Ära des Apple-Silicon schon zehn Jahre, bevor Tim Cook sie für den Mac ausrief. Bis dahin hatte sich der A-Chip zu einem wahren 64-Bit-Rechenmonster weiterentwickelt, seit 2017 ist schon eine neuronale Engine integriert.
Einen Mac mit einem iPhone-Prozessor zu betreiben, ist noch eine andere Geschichte, weswegen viele an Apples Schritt zweifelten, als sich gegen 2018/19 die Gerüchte immer mehr verdichteten. Aber wer sagt denn, dass der Mac einen iPhone-Chip bekommen sollte? Hatte man nicht schon mit etwas größeren X- und Z-Varianten im iPad (Pro) erfolgreich experimentiert? Und Apples Sicherheitschips T1 und T2, die seit dem eingangs erwähnten Macbook Pro 2016 unter anderem den Fingerabdrucksensor steuerten? Wären die nicht besser auf einem eigenen, integrierten SoC aufgehoben gewesen?
In der Tat: Der Chip für den ersten Apple-Silicon-Mac, den Apple nur an registrierte Software-Entwickler verlieh, war der A12Z, der sonst im iPad Pro seine Dienste verrichtete. Trotz aller Einschränkungen war schon dieser Test-Mac-Mini so schnell, dass die meisten Intel-Macs jener Zeit vor Neid verblassten. Aus dem A12Z sollte schließlich der M1 werden, der erst heute, fünf Jahre nach seinem ruhigen Debüt, langsam an seine Grenzen kommt – aber schon die vierte Nachfolgegeneration, den M5 begrüßen durfte.
Finden Sie mal jemanden, der Sie so ansieht, wie ich mein Macbook Pro M1!
Simon Lohmann
Warum das Debüt so ruhig war? Apple musste wie eigentlich die ganze Welt seit März 2020 wegen eines verdammten Virus sich neu erfinden, zumindest in wesentlichen Teilen. Die aus der Not geborenen virtuellen Keynotes sind aber auch nach dem Ende der Pandemie noch Apples beliebteste Methode, um neue Produkte vorzustellen oder Entwickler zur WWDC zu begrüßen.
2021: Das Auto – kommt nicht aus Cupertino
Spätestens im Jahr 2025 hätte Apple an sich ein selbstfahrendes Elektroauto auf den Markt bringen sollen, behaupteten Analysten, noch bevor die 20er-Jahre anfingen, und eine gewisse Zeit lang auf etlichen Straßen gar nichts rollte.
Die älteste diesbezügliche Prognose stammt von Gene Munster, der schon 2015 von einem baldigen Debüt eines Fahrzeuges mit einem Apfel auf der Kühlerhaube fabulierte, er hatte gar 2020 im Visier.
Munster lag schon ein paar Jahre davor mit seiner Prognose eines Fernsehapparates von Apple falsch, tatsächlich gibt es aber valide Hinweise, dass ein solches Produkt gar nicht weit von der Serienfertigung war, ehe Apple den Stecker zog – vermutlich wegen zu geringer Margen.
Es ist zudem ein offenes Geheimnis, dass Apple tatsächlich das „Projekt Titan“ mit dem Ziel verfolgte, ein Auto zu bauen. Dazu holte man nicht zuletzt den altgedienten Ingenieur Bob Mansfield aus dem vorzeitigen Ruhezustand zurück. Ein Auto ist aber mit die komplexeste Maschine, welche die Industriegesellschaft fertigt. Selbst mit Elektromotor, der signifikant weniger Bauteile benötigt als ein Verbrenner, wird es nicht wesentlich einfacher.
Apple hat eine Fahrzeugflotte, um Aufnahmen für Maps zu erstellen. Aber das sind keine Apple Cars.
Shutterstock.com / Joaquin Corbalan P
Zumal Apple offenbar das Auto neu erfinden wollte. Mit Elektromotor sollte es fahren, klar. Und dazu autonom, zumindest in Situationen, in denen es schon erlaubt ist, etwa bei der Parkplatzsuche ohne Passagiere oder der Fahrt zum Einsatzort. Die Erfahrungen, die Apple zusehends mit Mac, iPad und iPhone macht, dass die Geräte besser werden, je mehr Kontrolle man darüber hat, ließen womöglich die Hybris wachsen, man könne das auch alleine. Fahrgestell, Motor, Karosserie, Interieur, Sensoren, zentrale Recheneinheit und die Software. Das konnte nur schiefgehen.
Was genau passiert ist, wie weit Apple gekommen ist und welche Hindernisse letztlich zu groß waren, werden wir vermutlich nicht so schnell erfahren. Offiziell gab es und gibt es kein Project Titan und keine Verhandlungen mit potenziellen Partnern aus der Automobilindustrie, denen man den Fahrzeugbau überlassen könnte, während man sich in Cupertino um das Computing kümmert. Dass Apple angeblich Ressourcen aus dem Projekt abgezogen hat, um seine Bemühungen um KI zu verstärken, und was bisher dabei herausgekommen ist, wirft auch nicht gerade ein gutes Licht auf die Sache.
Ganz sicher ist – keiner spricht mehr über das Project Titan oder das Apple Car. Wie kompliziert die Industrie ist, sieht Apple an dem Teil, der zum Produkt geworden ist: Carplay respektive Carplay Ultra. Die zweite Generation von Carplay vermittelt einen Eindruck davon, wie Apples Auto im Inneren hätte aussehen können: Hier zeigt nicht nur ein Bildschirm auf der Mittelkonsole an, wo es langgehen soll, oder kümmert sich um Entertainment und Kommunikation, nein, alles, was Sensoren im Auto vermessen und berechnen, kommt auf alle Bildschirme im Fahrzeug.
Man darf sich Manager in Wolfsburg, Ingolstadt, Stuttgart, Zuffenhausen und München vorstellen, wie sie vor Freude hüpfen, dass Apple ihnen die lästige Sache mit der Software abnimmt und ihre Firmen sich wieder mehr aufs Schrauben verlegen können, weil man ja gerne die Kontrolle abgibt an das Silicon Valley – nein, natürlich nicht. Carplay Ultra ist immer noch in nur sehr wenigen Fahrzeugen eingebaut, welche die wenigsten von uns steuern, Aston Martin zum Beispiel. Nicht auszuschließen, dass auch Carplay Ultra ein Rohrkrepierer wird.
Aber besser so, als wenn Apple hunderttausende Fahrzeuge produziert hätte, die wirklich keiner kauft. Es ist das dritte Murphy’sche Gesetz: „Was nicht schiefgeht, wäre besser schiefgegangen“, dem sich Apple beinahe hätte unterwerfen müssen.
2023: Die Vision der Zukunft
Wie könnte die Zukunft Apples aussehen, wenn der Kassenschlager von heute in die Jahre kommt und der Markt nach etwas anderem giert? Als der Apple II starke Geschäfte bescherte, lautete Apples Antwort: Mac. Als der iPod seinen Siegeszug über den Globus angetreten hatte, war es das iPhone, das ihn gleichermaßen verdrängte wie ersetzte. Aber was kommt nach dem iPhone?
Apple hat derzeit noch die Antwort: Jedes Jahr ein verbessertes Modell und alle paar Jahre ein etwas größerer Sprung. Demnächst steht das Experiment mit dem faltbaren iPhone an, aber ob das ein Massenprodukt wird?
Im Prinzip könnte alles, was ein iPhone macht, auch ein weit kompakteres Gerät, das man etwa am Handgelenk trägt oder an einer Halskette, erledigen, sofern es wirklich schlau ist und nicht KI in einer Art und Weise nutzt, die heute nicht immer beeindruckt. HumaneAI ist mit einem solchen Konzept schon gescheitert, ob es OpenAI und LoveFrom, der neuen Firma von Jony Ive, auch bald so geht? Noch wollen die Leute wischen und blicken und nicht sprechen und hören.
Eine andere, aber damit zusammenhängende Frage, was dereinst den Mac ersetzen kann – und das iPhone gleich dazu –, hat Apple schon im Jahr 2023 beantwortet, wenn auch auf eine wenig überzeugende Weise. Denn was ist die Vision Pro nun? Ein räumlicher Computer?
Nein, die Vision Pro ist icht durchsichtig. Die geschlossenen Augen der Dame snd von Kameras aufgenommen und auf einem Bildschirm ausgegeben.
Apple
Ja, das hat etwas. Anstatt mehr oder weniger kleine Bildschirme zu nutzen, bekommt man vom AR/VR-Set für die Arbeit riesige hochauflösende Screens vor die Augen projiziert, steht man auf oder blickt sich einfach nur in der Wohnung um, hängen an den virtuellen Wänden kleinere Fenster mit nützlichen Informationen wie Nachrichtenticker, Wetterlage, Uhrzeit, Kalender und was man sonst noch wissen will. Abends sieht man dann ein Football- oder Basketballspiel, sitzt aber nicht vor einem flachen Bildschirm, auf dem man kaum etwas erkennen kann, sondern gemütlich auf dem Sofa, fühlt sich aber, als sei man mittendrin im Lambeau Field oder dem Staples Center.
Die Kehrseite: An einem Tag wie diesem lädt man entweder die Akkus der Vision Pro ein paarmal nach oder hängt ständig an der Steckdose. Der Nacken schmerzt schon vor der ersten Kaffeepause. Und die abendliche Sportveranstaltung ist doch wieder ein flaches Vergnügen, nur der Bildschirm erscheint größer. Die Sache mit immersiven Sportveranstaltungen ist eine teure, es wird noch lange dauern, bis Apple einen Partner für die passende Infrastruktur findet.
Die Vision Pro sieht auch zwei Jahre nach ihrer Premiere und nach dem ersten Prozessorupgrade weiter als eine unausgereifte Vision der Zukunft aus und nicht wie ein reales Produkt, mit dem Apple einen Markt neu erschließen oder gar definieren könnte.
Immerhin kann sich Apple mittlerweile einen langen Atem leisten und die Vision weiterdenken. Mal sehen, ob und wann wir tatsächlich mal eine leichte Brille bekommen, die iPhone, iPad und Mac ersetzen könnte und die auch noch schick aussieht. Fünfzig Jahre wird Apple nicht dafür benötigen, es besteht jedoch Gefahr, dass ein solches Produkt in fünf oder zehn Jahren längst von den Realitäten überholt sein könnte. Immerhin kursieren schon Ende 2025 Spekulationen, dass Apple in diesem Jahr dem Beispiel der Meta-Glasses folgen wird und eine leichte AR-Brille vorstellt. Die kann Mac und iPhone aber allenfalls ergänzen, nicht ersetzen.
2025: Mit 66 Jahren
Tim Cook ist am 1. November 2025 65 Jahre alt geworden, in Deutschland könnte er in diesem Alter allmählich in Rente gehen – man muss schon der Generation X angehören, um bis 67 arbeiten zu müssen und sich bis 70 oder länger etwas dazuzuverdienen.
Nur gelten in den USA andere Regeln, und selbst wenn ein durchschnittlicher Tim-Cook-Arbeitstag nicht unter 12 Stunden lang sein mag, ist der Managerberuf einer, der, anders als der des immer wieder beschworenen Dachdeckers, auch in einem etwas höheren Alter noch gut zu stemmen ist. Man denke da nur an den Investor Warren Buffett, der vergangenes Jahr 95 Jahre alt geworden ist und der sich immer noch um seine Firma Berkshire Hathaway kümmert, die ein wesentlicher Anteilseigner Apples ist.
Tim Cook wird in seiner Zeit bei Apple ausreichend verdient haben, sodass er dereinst nicht auf Rentenfonds angewiesen ist, die ebenso in Apple investieren und für ihre Kunden in der Tim-Cook-Ära beste Geschäfte gemacht haben. Er muss also nicht bis ins Buffet-Alter arbeiten oder mit fast 70 Jahren noch einmal einen komplett neuen Job antreten, wie das im Jahr 2025 ein Friedrich M. aus B. getan hat.
Dennoch stellt sich allmählich die Frage der Nachfolge und des Vermächtnisses. Womöglich wäre Ende 2026 ein guter Zeitpunkt für Tim Cook, den Ruhestand anzutreten, denn mit 66 Jahren, da soll das Leben erst richtig anfangen.
Tim Cook im Apple Park, allerbester Dinge.
Apple
Bisher fehlen klare Indizien, dass Tim Cook dieses Jahr in Rente geht oder der Aufsichtsrat der Ansicht ist, dass es nun genug sei und ihn abberuft. Bei Apple hat der Umbruch aber anscheinend bereits begonnen. Tim Cooks Nachfolger als Chief Operating Officer (COO) Jeff Williams, nominell die Nummer zwei in Cupertino, ist 2025 schon in Rente gegangen, Sabih Khan folgte ihm als interne Lösung nach.
Luca Maestri, drei Jahre jünger als Cook, ist seit Anfang 2025 schon nicht mehr Finanzchef, sondern als Vice President Corporate Services auf eine Art von Austragsposten gewechselt, wie es scheint. Herr der Zahlen bei Apple ist seither Kevan Parekh, der 2025 in erster Linie das Vergnügen hatte, einen neuen Bilanzrekord nach dem anderen zu melden. Zuletzt verließ der „Senior Vice President Machine Learning and AI Strategy“ John Giannandrea seinen Posten, vermutlich wurde er halb gezogen und halb sank er hin. Apples Umweltbeauftragte Lisa Jackson geht ebenso in Rente wie General Counsel Katherine Adams.
Und scharren vielleicht schon Hardware-Chef John Ternus und Software-Boss Craig Federighi mit den Hufen und bemühen sich um die Nachfolge? Womöglich als Doppelspitze?
Alles Spekulation. Ebenso wie das über das Vermächtnis Cooks. War es die bis ins letzte Detail optimierte Lieferkette? Die Apple Watch? Die Vision Pro – bis jetzt nicht, aber womöglich in ein paar Jahren? Oder die Tatsache, dass Apple am 1. April 2026 fast vier Billionen US-Dollar an der Börse wert ist und zu Tim Cooks 66sten vielleicht ein paar Fantastilliarden mehr?
Das ist eine andere Geschichte, die wir ein andermal erzählen, vielleicht zum 60sten Jubiläum Apples? Aber am Ende ist Tim Cook dann immer noch im Amt und wir bereiten uns auf die Rente vor …
Epilog: Mit 50 so frisch wie selten zuvor
„Midlife-Krise? Welche Midlife-Krise?“ scheint es im Frühjahr 2026 aus Cupertino zu schallen. Gerade im ersten Kalenderquartal verblüffte Apple ein ums andere Mal. Spannend das Eingeständnis, jetzt mithilfe von Google Siri und die gesamte Apple Intelligence endlich auf das versprochene Niveau zu hieven – wir werden am 8. Juni mehr darüber erfahren. Solide die Updates auf iPhone 17e und iPad Air M4, gewiss mehr Evolution als Revolution aber vielleicht genau das, was der Markt gerade benötigt. Beeindruckend die Leistungsfähigkeit von Macbook Pro M5 Pro und Max, stark, wenn auch teuer, das Studio Display XDR. Und mit dem frischen Macbook Neo öffnet sich Apple plötzlich einer neuen Zielgruppe und beeindruckt mit bunten Farben einerseits sowie einem fantastisch niedrigen Preis andererseits.
Das erste Quartal 2026, in dem Apples fünftes Lebensjahrzehnt sich komplettierte, war so abwechslungsreich und spannend wie viele der 50 Jahre davor nicht. Und das ist im Jubiläumsjahr noch lange nicht alles. Insbesondere das faltbare iPhone, das im Herbst 2026 erscheinen soll, könnte das sechste Jahrzehnt eindrucksvoll einleiten.
Wir legen uns diese Geschichte aber auf Wiedervorlage und setzen sie zum 60sten an dieser Stelle fort.
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