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Wie Apple sich siebenmal neu erfand

Macwelt – News, Tipps und Tests von Apple-Experten [Unofficial] March 30, 2026
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Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von Apple liegt es nahe, den Blick auf die größten Erfolge wie den Macintosh, den iPod und das iPhone zu richten. Doch das Unternehmen hat sich nie auf einen einzigen Blockbuster verlassen. Vielmehr ist seine Geschichte geprägt von einer Reihe ambitionierter Produkte, die genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt kamen.

Mehr noch als die Produkte selbst lässt sich Apples Geschichte in Momente aufteilen, die das Unternehmen in neue Richtungen führten, es vor der Pleite bewahrten und seine Identität neu definierten. Hier sind die sieben Produkte, mit denen sich Apple neu erfand.

iMac: Das Comeback

Bevor Apple den iMac G3 vorstellte, stand das Unternehmen vor schwierigen Zeiten. Cupertino drohte eine Pleite, mit einer aufgeblähten Produktpalette und ohne klare Strategie für die Zukunft. Hinzu kam die gesamte Führungssituation mit einem ständigen Wechsel der CEOs, nachdem Unternehmensgründer Steve Jobs 1985 das Unternehmen verlassen hatte.

Als Jobs 1997 in seine Rolle als iCEO von Apple zurückkehrte, überdachte er die Firmenstrategie von Grund auf. Nicht nur das: Er wusste, dass Apple ein bahnbrechendes Produkt benötigte, um seine Kunden zurückzugewinnen.

Der ursprüngliche G3 iMac holte Apple vom Rande des Bankrotts zurück.

Jason Snell

Der 1998 eingeführte iMac war nicht nur ein neuer Computer. Er war ein gänzlich neues Konzept, das Apple für immer verändern sollte. Im Gegensatz zu allen anderen PCs jener Zeit bestand der iMac aus wunderschönem, durchscheinendem, farbenfrohem Kunststoff und verfügte über ein modernes All-in-One-Design.

Standards wie Diskettenlaufwerke und SCSI wichen moderneren Technologien wie CD-ROM, USB und Ethernet. Die Idee war klar: ein Computer für die Zukunft, bereit für das Internet, der so einfach zu bedienen war, dass ihn jeder haben wollte.

Der iMac hat Apple zwar nicht im Alleingang gerettet, aber er half dem Unternehmen, die Produktkrise zu lösen. Noch wichtiger: Mit dem neuen iMac war Apple wieder ein Hersteller, der das Benutzererlebnis ins Zentrum seiner Entscheidungen rückte.

iPod: Das Ökosystem

Schon vor dem iPod hatte Apple versucht, mit Produkten wie Digitalkameras, Druckern und sogar einer Spielkonsole Märkte jenseits von Computern zu erschließen. Sie alle scheiterten.

Doch im Jahr 2001 unternahm das Unternehmen endlich einen Schritt in die richtige Richtung, um ein echtes Apple-Ökosystem zu schaffen. Der erste iPod war mehr als nur ein hübscher MP3-Player. Es war ein Gerät, das darauf ausgelegt war, über den Mac hinauszuwachsen. Nutzer konnten ihn einfach an ihren Mac anschließen und ihre iTunes-Mediathek automatisch synchronisieren.

Der iPod war Apples erstes Ökosystemprodukt.

Filipe Esposito

Der iPod zeigte zudem, was Apple am besten konnte: eine bereits vorhandene Idee zu übernehmen und weiter zu perfektionieren. MP3-Player gab es zu dieser Zeit bereits, doch der iPod war kleiner, besser gestaltet und weitaus intuitiver als alles andere auf dem Markt. Das Click Wheel machte ihn einzigartig unter allen tragbaren Musikplayern, die je hergestellt wurden.

Im Laufe der Zeit wurde der iPod auch für Windows-PCs kompatibel, was dazu führte, dass noch mehr Menschen einen iPod besitzen wollten. Er lockte neue Nutzer in die Apple Stores und machte iTunes zu einer Plattform. Doch mehr noch als die Musik ebnete der iPod den Weg für Apple, ein ganzes Ökosystem von Produkten zu schaffen, die nahtlos miteinander funktionierten.

iTunes Store: Der erste Dienst

Was dem iPod wirklich zu seinem großen Erfolg verhalf, war der iTunes Store. Zu dieser Zeit konzentrierte sich Apple in jeder Hinsicht darauf, Hardware zu verkaufen, um Geld zu verdienen. Doch im Jahr 2003 änderte der iTunes Store dies.

Um Plattenfirmen im Kampf gegen Piraterie zu unterstützen, ging Steve Jobs eine Partnerschaft mit großen Plattenfirmen ein und startete kurz danach den iTunes Store. Die Idee dahinter war, Kunden zu ermöglichen, digitale Versionen ihrer Lieblingsalben zu erschwinglichen Preisen zu erwerben.

Der iTunes Music Store zeigte der Welt, dass Apple mehr war als nur ein Hardware-Unternehmen.

Apple

Überdies konnten Nutzer sogar einzelne Songs für nur 99 Cent kaufen – eine bahnbrechende Innovation zu jener Zeit. Und natürlich wurden die gekauften Songs automatisch mit dem iPod des Nutzers synchronisiert.

Der iTunes Store markierte den Beginn einer neuen Ära für Apple. Es war ein digitaler Dienst, der die Hardware ergänzte – und umgekehrt. Das eine weckte das Verlangen nach dem anderen.

Im Jahr 2010 wurde der iTunes Store zum weltweit größten Musikanbieter. Heute verwenden wir Apple Music, Apple TV und sogar den App Store – und all das, weil Apple vor mehr als zwei Jahrzehnten beschlossen hat, einen eigenen Online-Musikshop zu gründen.

Macbook Air: Der Laptop von morgen

Einer der legendären Momente in Apples Geschichte ist zweifellos der, als Steve Jobs 2008 das erste Macbook Air aus einem DIN-A4-Umschlag zog. Er zeigte damit nicht nur, wie dünn das Macbook Air war, sondern auch, wie leicht, tragbar und vielseitig Laptops sein konnten.

Im Gegensatz zu anderen Laptops jener Zeit war das Macbook Air unglaublich dünn und leicht. Es richtete sich an Kunden, die keine sperrigen Laptops benötigten. Ansonsten war es mit Technologien ausgestattet, die heute zum Standard gehören – Dinge wie eine schnelle SSD, ein Multi-Touch-Trackpad und natürlich sein Unibody-Design aus Aluminium.

Das Macbook Air gab die Richtung für die Zukunft der tragbaren Macs von Apple vor.

Apple

Genau wie Apple es mit dem ersten iMac getan hatte, war das Macbook Air sein Statement dafür, wie Laptops fortan sein sollten. Keine CD-Laufwerke oder veralteten Anschlüsse mehr.

Die Konkurrenz beeilte sich, es zu kopieren. Intel reagierte darauf mit der Ultrabook-Initiative. Das Macbook Air hat die PC-Branche still und leise neu geprägt – zu einer Zeit, als Apple den Mac benötigte, um in einer Welt nach dem iPhone relevant zu bleiben.

Apple Watch: Das nächste Kapitel

Die Apple Watch war die erste wirklich neue Produktkategorie, die unter der Führung von Tim Cook als CEO eingeführt wurde. Sie war auch der erste große Test, der zeigen sollte, ob Apple auch ohne Steve Jobs noch innovativ sein konnte.

Der ersten Version schien es an einem klaren Fokus zu mangeln. Apple versuchte, die Apple Watch als Modeaccessoire, als Begleiter für das iPhone und auch als Fitness-Tracker zu vermarkten. Zudem verfügte sie über einen sehr langsamen Prozessor und war für die Ausführung von Apps stark auf das iPhone angewiesen. Doch trotz dieser Probleme war die Apple Watch ein Erfolg und zeigte, dass das Unternehmen weiterhin in guten Händen war.

Die Apple Watch hat seit ihrem Debüt im Jahr 2014 einen langen Weg zurückgelegt.

Britta O’Boyle

Die Apple Watch war so erfolgreich, dass sie das Konzept einer Smartwatch neu definierte. Es war nicht neu, die meisten Modelle waren oder sind immer noch hässlich, klobig und billig. Die Apple Watch kam mit einem wunderschönen OLED-Display, anpassbaren Armbändern und einer hochwertigen Verarbeitung aus Aluminium, Stahl und sogar massivem Gold auf den Markt.

Apple ging schließlich auf die größten Kritikpunkte ein und konzentrierte seine Bemühungen darauf, das Gerät zu einem Fitness- und Gesundheitsgerät zu machen. Die Watch ist mittlerweile für Millionen von Menschen unverzichtbar geworden, dank Funktionen wie Gesundheitswarnungen, 5G und Notfall-SOS direkt vom Handgelenk aus.

Und was vielleicht noch wichtiger ist: Sie begründete Apples Segment für Wearables und Zubehör, zu dem mittlerweile auch Airpods und Vision Pro gehören.

Airpods: Der Lock-in-Effekt

Als Apple das iPhone 7 vorstellte, fehlte ein Anschluss, der seit dem ersten Macintosh auf jedem Apple-Produkt vorhanden gewesen war: eine Kopfhörerbuchse. Stattdessen legte Apple einen Lightning-auf-3,5-mm-Adapter bei und brachte sein erstes Paar kabelloser Ohrhörer auf den Markt, die treffend Airpods genannt wurden.

Kaum ein Apple-Produkt wurde so schnell verspottet wie die Airpods. Das vollständig kabellose Design wirkte seltsam. Die Menschen befürchteten, dass sie ihre Kopfhörer leicht verlieren würden, da kein Kabel sie miteinander verband.

AirPods sind mittlerweile ebenso allgegenwärtig wie das iPhone selbst.

Andreas Bergsman

Dennoch wurden die Airpods zu einem riesigen Erfolg. Sobald die Nutzer das sofortige Koppeln und den automatischen Gerätewechsel erlebt hatten, ohne sich um mühsame Bluetooth-Einstellungen kümmern zu müssen, gab es kein Zurück mehr. Bald wollte jeder Airpods besitzen.

Dies veranlasste auch die Konkurrenz, massiv in kabellose Ohrhörer zu investieren. Dennoch boten nur die Airpods so viele praktische Funktionen für iPhone-Nutzer. Sie dienten als subtile Erinnerung an die Vorteile, im Apple-Ökosystem zu bleiben, anstatt Ohrhörer anderer Marken zu kaufen. Und da das neue iPhone keinen Kopfhöreranschluss mehr hatte, ergab sich eine natürliche Kombination als Zubehör.

Apple wirbt ständig damit, wie gut iPhone, Apple Watch und Airpods zusammenarbeiten. Gemeinsam werden sie zu einem starken Grund für iPhone-Nutzer, nicht zu Android zu wechseln, oder sie motivieren sie sogar dazu, weitere Apple-Produkte zu kaufen.

Heute sind Airpods ein Phänomen. Man sieht sie überall auf der Welt, und sie sind zu einer wichtigen Einnahmequelle für Apple geworden.

Apple Silicon: Die Wette auf die Zukunft

Apple wagte einen mutigen Schritt, als es 2020 bei den Macs von Intel-Prozessoren auf seine eigenen Apple-Silicon-Chips umstellte. Mit der Einführung des M1-Chips hat Apple nicht nur schnellere Macs geschaffen. Es hat die Kontrolle über seine Weiterentwicklung zurückgewonnen.

Für einen Moment sah es fast so aus, als würde der Mac zu einem Nischenprodukt werden. Es gab Computer mit besserer Leistung und niedrigeren Preisen. Gleichzeitig war Apple bei der Planung der nächsten Schritte für den Mac auf Intel angewiesen.

Apple Silicon hat die Richtung des Mac verändert.

Apple

Apple-Silicon-Chips haben dem Mac neues Leben eingehaucht. Diese Chips haben es Apple ermöglicht, Hardware und Software besser zu integrieren, was auch neue Formfaktoren für den Mac ermöglicht hat. Das Macbook Air ist nun kleiner und leistungsstärker denn je, und das neue, erschwingliche Macbook Neo läuft mit dem vollwertigen macOS auf einem iPhone-Chip.

Der Mac hat sich erneut vom Rest der Branche abgehoben, nicht nur wegen seines besseren Designs, sondern weil seine gesamte Architektur leistungsfähiger und effizienter ist. Das Ergebnis ist, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen auf den Mac umgestiegen sind.

Der Mac hat seine Glaubwürdigkeit zurückgewonnen. Langjährige Mac-Nutzer haben ihre Begeisterung wiederentdeckt. Apple-Silicon-Macs sind heute in gewisser Weise das, was der erste iMac Ende der 90er Jahre für Apple darstellte.

Wie geht es weiter?

Rückblickend war es schwer vorstellbar, dass diese Produkte für Apple einmal so wichtig werden würden.

Der iMac schien ein optimistisches Konzept zu sein, der iPod war zu nischenhaft, das Macbook Air wies für seine Zeit zu viele Kompromisse auf, der Apple Watch fehlte ein klarer Zweck, Airpods wirkten wie eine Spielerei und Apple Silicon war ein riskanter Architekturwechsel.

Und doch löste jedes dieser Produkte eine spezifische Herausforderung, mit der Apple damals konfrontiert war, und ebnete den Weg für die Produkte und Dienste, die wir heute haben.

Die große Frage ist nun natürlich, was der nächste „stille Retter“ sein wird. Apple investiert bereits massiv in neue Bereiche wie Gesundheit und räumliches Computing mit Geräten wie der Apple Vision Pro. Ob eine dieser Initiativen zum nächsten iMac oder iPod wird, bleibt abzuwarten.

Vielleicht kommt Apples nächste große Innovation aus einer Richtung, aus der wir sie am wenigsten erwarten.

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