Das iPhone 17e ist schneller als das Macbook Neo – und das ist völlig egal
Seit dem Tag der Veröffentlichung des Macbook Neo verbreitet sich eine Zahl durch die Tech-Foren wie ein Lauffeuer: Das neue iPhone 17e erzielt im Geekbench-Multicore-Test einen Score von 9.241 – und schlägt damit das Macbook Neo, das lediglich auf 8.668 Punkte kommt.
Apples günstigstes iPhone überholt den brandneuen Einsteiger-Laptop des Unternehmens in einem CPU-Benchmark. Die sofortigen Schlussfolgerungen in sozialen Medien folgten auf dem Fuße: Das Macbook Neo sei ein Witz. Apple verschaukelt seine Kunden. Man solle doch lieber ein älteres Macbook Air kaufen. Und überhaupt: Warum sollte man je wieder einen Mac anfassen, wenn das iPhone schneller ist?
Ich verstehe den Reflex. Aber er ist falsch. Und ich möchte erklären, warum dieser Benchmark-Vergleich zwar technisch korrekt, in der Praxis aber weitgehend bedeutungslos ist – und was er uns stattdessen wirklich über Apples Chipstrategie verrät.
Die Zahlen, nüchtern betrachtet
Fangen wir mit dem an, was tatsächlich gemessen wurde. Das iPhone 17e trägt einen A19-Chip an Bord, die gleiche Architektur wie im iPhone 17 – allerdings mit vier GPU-Kernen statt fünf. Beim Single-Core-Test erzielt das 17e einen Score von 3.607, beim Multicore kommt es auf 9.241. Das Macbook Neo hingegen basiert auf dem A18 Pro – dem Chip, der noch im vergangenen Jahr in den iPhone-16-Pro-Modellen steckte. Im Single-Core-Test erreicht es 3.461, im Multicore 8.668. Der Unterschied beträgt damit rund vier Prozent im Single-Core und etwa sieben Prozent im Multicore. Das klingt nach einem klaren Sieg für das iPhone – und rein numerisch ist es das auch. Doch hier beginnt das eigentliche Problem: die Verwechslung einer Zahl mit der Realität.
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Besonders aufschlussreich ist der GPU-Vergleich. Im Metal-Benchmark, dem für grafische Aufgaben relevanten Test, liegen beide Geräte praktisch gleichauf: Das Macbook Neo erzielt zwischen 30.000 und 31.400 Punkte, das iPhone 17e zwischen 31.000 und 31.600. Das ist, rechnerisch gesehen, ein Unentschieden innerhalb der normalen Messstreuung. Wer also schon von einer dramatischen Niederlage des Mac gegenüber dem iPhone spricht, sollte zumindest erwähnen, dass das beim GPU-Test gar nicht der Fall ist.
Äpfel und Äpfel – oder doch nicht?
Die eigentliche Frage ist freilich eine andere: Ist es überhaupt sinnvoll, das iPhone 17e mit dem Macbook Neo zu vergleichen? Beide kosten 699 Euro. Beide haben 8 GB RAM. Beide laufen auf A-Series-Chips von Apple. Das klingt nach einem fairen Duell. Ist es aber nicht. Das Macbook Neo verwendet den A18 Pro, einen Chip aus der Herbst-2024-Generation. Das iPhone 17e hat den A19, einen Chip aus der Herbst-2025-Generation.
Grob gesagt bedeutet das einen Jahresabstand in Apples Chip-Roadmap. Natürlich ist der neuere Chip schneller – das ist keine Schwäche des Macbook Neo, das ist das normale Taktgefühl der Halbleiterentwicklung. Es wäre genauso absurd, zu schreiben: „Das iPhone 17e ist schneller als das Macbook Air M3 aus dem Jahr 2024 – Apple versagt!” Das M3-Air mit seinen damaligen Benchmarks wäre ebenfalls hinter aktuellen A19-Scores geblieben.
Hinzu kommt, dass der A18 Pro im Macbook Neo mit erheblichen Einschränkungen kämpft, die ein Smartphone schlicht nicht kennt: macOS ist ein vollwertiges Desktop-Betriebssystem, das Dutzende Hintergrundprozesse, Systemdienste, Speicherverwaltung und eine komplexe Grafikarchitektur simultan betreibt. Das iPhone 17e läuft unter iOS, einem für mobile Geräte optimierten Betriebssystem, das auf maximale Benchmark-Performance bei minimaler Nebenbelastung ausgelegt ist. Ein Geekbench-Run auf einem iPhone ist, vereinfacht gesagt, ein Sprint unter Laborbedingungen. Ein Mac hat währenddessen Dutzende Prozesse im Hintergrund laufen – das kostet Leistung, die im Benchmark schlicht nicht sichtbar ist.
Apple
Was ein A-Chip im Mac wirklich bedeutet
Hier liegt die eigentlich interessante Geschichte – die in der ganzen Aufregung um den Benchmark-Vergleich fast untergeht. Apple hat mit dem Macbook Neo erstmals einen Mac auf den Markt gebracht, der nicht von einem M-Series-Chip angetrieben wird, sondern von einem A-Series-Chip. Das ist, historisch gesehen, eine kleine Revolution.
Bislang galten die M-Chips als großgezogene A-Chips – eine auf Desktop-Anforderungen hin skalierte Variante der iPhone-Prozessorfamilie, mit mehr GPU-Kernen, mehr Speicherbandbreite und mehr Neural-Engine-Kapazität. Das Macbook Neo dreht diesen Grundsatz um: Es fragt nicht, was aus einem A-Chip wird, wenn man ihn zur Mac-Architektur ausbaut. Es fragt, was ein A-Chip, unverändert, unter macOS leisten kann.
Die Antwort lautet: mehr, als die meisten Leute erwartet haben. Unser Macbook-Neo-Test hat gezeigt, dass das Gerät für Office, Web, Videokonferenzen und leichte Kreativarbeit ausgezeichnet taugt. Der A18 Pro im Macbook ist derselbe Chip, der noch vor 18 Monaten in den global teuersten iPhones steckte und alle anderen Smartphones auf dem Markt übertraf. Dass er jetzt in einem 699-Euro-Laptop sitzt und dort solide Arbeit leistet, ist keine Peinlichkeit. Es ist ein Zeichen dafür, wie weit Apples Chip-Effizienz vorangeschritten ist.
Die 7 Prozent, die im Alltag nicht existieren
Aber zurück zur eigentlichen Frage: Spürt man den Unterschied zwischen einem Multicore-Score von 8.668 und 9.241 im täglichen Gebrauch? Die ehrliche Antwort: Nein. Nicht beim Schreiben eines Dokuments, nicht beim Rendern einer Präsentation in Keynote, nicht beim Streamen eines Videos in 4K, nicht beim Öffnen von 15 Browser-Tabs.
Die Nutzer, die das Macbook Neo kaufen – Schüler, Studenten, Berufseinsteiger, Leute, die ihren betagten Windows-Laptop ersetzen wollen –, werden diesen 7-Prozent-Unterschied niemals wahrnehmen. Sie werden nicht einmal annähernd an die Leistungsgrenze des A18 Pro stoßen. Für sie ist die relevante Frage nicht, ob ihr Macbook schneller ist als ein iPhone. Die relevante Frage ist: Öffnet sich Pages schnell? Läuft die Videokonferenz ohne Ruckler? Hält der Akku den Schultag durch? Und all das beantwortet ein Macbook Neo mit A18 Pro mit einem klaren Ja.
Wem dieser Kontext egal ist und wer einen Laptop sucht, mit dem sich ernsthaft Videoschnitt, 3D-Rendering oder intensive Multi-Core-Aufgaben erledigen lassen, der war nie die Zielgruppe des Macbook Neo. Was dem Gerät gegenüber dem Macbook Air fehlt, haben wir bereits ausführlich beschrieben. Für solche Anwender gibt es das Macbook Air M5, das Macbook Pro – und da ist die Benchmark-Situation eine gänzlich andere.
Die eigentliche Story: Konvergenz ohne Verwirrung
Was dieser Benchmark-Vergleich aber tatsächlich offenbart, ist faszinierend – wenn man ihn richtig liest. Apple hat seine Chip-Architektur so weit konsolidiert, dass A-Series- und M-Series-Chips in wesentlichen Teilen auf der gleichen Grundlage stehen. Die M-Chips sind keine andere Spezies, sie sind dieselbe Architektur mit mehr Speicherbandbreite, mehr GPU-Kernen und einem höheren TDP. Das bedeutet, dass ein iPhone-Chip unter macOS nicht grundlegend anders reagiert als ein Mac-Chip. Er ist kleiner, thermisch eingeschränkter, leistungsschwächer – aber architektonisch verwandt.
Das Macbook Neo ist in diesem Sinne kein gescheitertes Experiment. Es ist der erste Beweis dafür, dass Apples Chip-Konvergenz weit genug vorangeschritten ist, um einen tragbaren Computer mit einem iPhone-Chip zu betreiben, der im Alltag vollständig überzeugt. Das ist keine Niederlage – auch wenn mancher selbsternannte Experte in den sozialen Medien das Gerät bereits vor dem ersten echten Test abgeurteilt hatte. Das ist eine stille Ansage: Wenn ein iPhone-Chip einen 699-Euro-Mac antreibt und dabei die Anforderungen der Zielgruppe erfüllt – was verrät das dann erst darüber, wie leistungsfähig die M-Chips tatsächlich sein müssen, wenn man ihnen den Weg nach oben freimacht?
Die Konvergenz, die viele als Problem beschreiben, ist in Wahrheit Apples größter strategischer Vorteil. Kein anderer PC-Hersteller kann einen Laptop bauen, der denselben Chip verwendet wie sein 699-Euro-Smartphone und dabei trotzdem performant genug ist für den Großteil der Alltagsaufgaben. Bei Intel- oder AMD-basierten Windows-Laptops gibt es diese Durchlässigkeit schlicht nicht.
David Price / Foundry
Fazit: Benchmarks lügen nicht – aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte
Das iPhone 17e ist in einem Geekbench-Multicore-Test schneller als das Macbook Neo. Das stimmt. Es ist aber auch das aktuellere Gerät mit dem neueren Chip, läuft unter einem schlankeren Betriebssystem und konkurriert in der Praxis mit dem Macbook Neo in keiner einzigen realen Nutzungssituation. Kein Macbook-Neo-Käufer wird morgen seine Textdatei auf dem iPhone öffnen, weil es dort sieben Prozent schneller geht – und auch dort nicht bearbeiten wollen, auch wenn er eine vollwertige Tastatur gekoppelt hätte.
Was dieser Vergleich wirklich zeigt: Apple hat zwei Geräte gebaut, die auf fundamentaler Ebene dieselbe Silizium-DNA teilen – und das für denselben Preis. Das eine passt in die Hosentasche und macht Fotos. Das andere liegt auf dem Schreibtisch und läuft unter macOS. Beide erfüllen ihre Aufgaben hervorragend. Dass das iPhone dabei im CPU-Benchmark minimal die Nase vorn hat, ist eine technische Kuriosität – mehr nicht.
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Wer das als Beweis für das Scheitern des Macbook Neo wertet, hat entweder die Zielgruppe dieses Geräts nicht verstanden. Oder er versteht bewusst nicht, wie Benchmarks zu lesen sind. Beides ist möglich.
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