5 Gründe für das Macbook Neo
Apples Neuzugang im Mac-Portfolio, das Macbook Neo, zieht einiges an Aufsehen auf sich. Vollkommen zu Recht, wobei es auch gute Gründe gibt, auf den Kauf zu verzichten oder zumindest auf eine zweite Generation zu verschieben. Für mich habe ich zwei eher weiche Gründe ausgemacht, die mich bisher davon abhielten, ein Macbook Neo zu kaufen. Ich kann mich einerseits nicht entscheiden, welche Farbe es denn sein darf, und andererseits bin ich mit meinem Zweitrechner, einem Macbook Air M2 13“, weiterhin so zufrieden, dass ein Upgrade noch fern ist.
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Dennoch bestehen fünf ausgezeichnete Gründe, um ein Macbook Neo zu kaufen.
1. So günstig wie noch nie
Der Preis von 699 Euro (599 Euro für den Bildungsbereich) für das Einsteigergerät mit 256 GB SSD ist geradezu sensationell. Wann hatte Apple je so wenig für einen vollwertigen Mac verlangt? Sicher, der Mac Mini kostet in der Basisversion auch nicht mehr und war bei seiner Premiere vor 21 Jahren sogar noch etwas günstiger, aber damals wie heute gilt: keine Tastatur, keine Maus, kein Bildschirm. Nicht einmal einen Akku gibt es, wobei ich das dem Mini nicht übelnehme, ist schließlich ein Desktop.
Mich erinnert das Macbook Neo an die Zeit, als Apple mit dem Macbook Air im Januar 2008 den Laptopmarkt erweiterte, insbesondere das eigene Portfolio. Seinerzeit waren Netbooks der letzte Schrei: billige Windowskisten, die nicht viel konnten, aber nur so um die 500 Euro kosteten – häufig sogar weniger.
Niemals würde man einen solchen Rechner bauen können und wollen, hat Steve Jobs klargemacht, der in seinen jungen Jahren schon aus einem 500-Dollar-Rechner-Projekt das werden ließ, was wir heute Macintosh nennen. Das Macbook Air kostet etwa das Doppelte der Netbooks, zeigte ihnen aber, wo der Hammer hängt. Und 18 Jahre später schafft es Apple tatsächlich, einen Mac für deutlich weniger als 1000 Euro zu bauen, der nur wenige Kompromisse eingeht.
2. Für die Zielgruppe und den Einsatzzweck vollkommen ausreichend
Diese Kompromisse hat meine Kollegin Halyna Kubiv in ihren fünf Gründen gegen das Macbook Neo ausführlich dargelegt, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Nur wird kaum jemand aus der potenziellen Kundschaft Features wie eine Tastaturbeleuchtung vermissen oder einen Mangel an RAM beklagen. Der Chip A18 Pro hat einfach nicht mehr Arbeitsspeicher, und dass er überhaupt einen zweiten USB-C-Port ansteuern kann, ist eine technische Meisterleistung – da spielt es kaum eine Rolle, dass dieser zweite Port nur USB-2-Geschwindigkeiten verspricht. Ich sehe unter Schülern und Studentinnen kaum jemanden mit externer Thunderbolt-Peripherie, die am Macbook Neo enttäuschend langsam wäre.
Selbst für mich wiegen die Kompromisse nicht besonders schwer. Auf einem Zweitrechner, den ich alleine benutze und nicht mit der Familie teile wie mein Macbook Air M2, reichen mir 256 GB komplett aus. Touch-ID ist eine wunderbare Sache, aber da ich eine Apple Watch habe, kann ich den Rechner auch damit entsperren oder Zahlungen bestätigen. Und selbst wenn: Für 100 Euro mehr bekäme ich neben einer 512-GB-SSD – mehr hat mein Macbook Air M2 auch nicht an Bord – die Touch-ID obendrauf. Wann hat man bei Apple je so wenig Aufpreis für mehr Speicher bezahlt und dann auch noch ein Goodie bekommen?
3. Ein Macbook, das Spaß macht
Zugegeben, die Farbpalette des Macbook Air M5 mit Mitternacht, Polarstern, Silber und Himmelblau ist auch recht schick, aber doch zurückhaltend und beinahe so seriös wie das Schwarz und Silber der Pro-Modelle. Himmelblau, Zitrus und Rosa – das sind Ansagen, wie es seinerzeit die Farben der iMacs und später iBooks waren. Nicht mehr grau in grau und natürlich längst kein Beige mehr. Nutzer des Macbook Neo stechen heraus und werden sich vor Fragen nach dem neuen, schicken Gerät kaum retten können.
Dabei ist das Aluminiumgehäuse recht hochwertig. Gerüchte, Apple würde bei seinen bunten und günstigen Macbooks auf Kunststoff setzen, haben sich zum Glück als haltlos erwiesen. Aus dem Desaster mit dem iPhone 5C hat Apple offenbar gelernt. Das Macbook Neo ist somit sehr haltbar und eine Investition für viele Jahre; selbst macOS 32 sollte noch klaglos darauf laufen können.
4. Reparaturfähigkeit
Wie erwähnt, bietet Apple nicht einmal eine Option für mehr Arbeitsspeicher an, aber das ist dem Chip geschuldet. Dass man sich schon beim Kauf überlegen muss, wie viel RAM und wie viel SSD man bis zum Ende der Lebenszeit benötigt, kennt man von Apple-Produkten, Aufrüsten ist nicht möglich. Beim Macbook Neo aber hinsichtlich SSD womöglich doch: Wie der Youtuber Director Feng darlegt, können versierte Bastler eine SSD mit 1 TB Fassungsvermögen auf den Chip löten. Für die adressierte Zielgruppe mag das irrelevant sein, doch es ist gut zu wissen, dass es geht.
Was aber an Relevanz daraus folgt: Das Macbook Neo ist vergleichsweise einfach zu reparieren, wie es die Spezialisten von iFixit seit 14 Jahren nicht mehr erlebt haben. Insbesondere kann man Akku und Tastatur recht gut austauschen, zwei Verschleißteile, die je nach Gebrauch früher nachlassen als der Rest des Macbook Neo. Der verringerte Aufwand schlägt sich in Apples Preisen nieder: Zahlt man im Apple Store für den Akkutausch beim Macbook Air 225 Euro (ohne AppleCare+), werden beim Macbook Neo nur 169 Euro fällig.
Wer das Macbook Neo täglich und intensiv nutzt, könnte nach zwei oder drei Jahren – wenn 1.000 Ladezyklen durch sind – für diese 169 Euro einen gefühlt neuen Computer bekommen. Und wer sich nicht scheut, einen Schraubendreher in die Hand zu nehmen, bekommt den Austausch notfalls auch selbst hin.
5. Preis-Leistungs-Verhältnis
All das zusammen ergibt das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, das ich je bei einem Mac gesehen habe. Streng genommen ist das kein eigener Grund, sondern eine Folge der ersten vier. Ich habe dennoch einen fünften gefunden.
5.a Willkommen in unserer Welt
Das Macbook Neo wird aus den genannten und nicht genannten Gründen neue Käuferschichten anziehen, die erstmals einen Mac nutzen werden. Nicht ganz uneigennützig sage ich diesen Personen: „Herzlich willkommen! Wenn Sie irgendwelche Fragen zur Nutzung des Macbook Neo im Speziellen und des Apple-Ökosystems im Allgemeinen haben – auf der Macwelt gibt es die Antworten.“ Ja, vermutlich sind die Neueinsteiger etwas jünger, ich sollte meine Ansprache ändern: „Cool, dass Ihr hier seid! Mit dem Neo seid Ihr voll fly und wenn Ihr dann mal eher so ‚Hä?‘ sagt, dann googelt einfach mit site:www.macwelt.de.“ Oder war das jetzt zu cringe?
Aber ein Vorteil für uns alle dürfte sein, dass sich mit dem Macbook Neo die Apple-Community wieder ein wenig verjüngt. Apple wird bald 50 Jahre alt und erfindet sich zumindest teilweise neu, um auch in 50 Jahren noch hip zu sein. Die heutigen Käufer des Macbook Neo werden dann hoffentlich auf eine lange Reihe von Apple-Geräten zurückblicken, die sie gewinnbringend und mit Freude ihr Leben lang nutzten.
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