Apple und die Abos: Worauf man verzichten kann
Das erste neue Produkt Apples war im Jahr 2026 nicht wirklich neu: Apple Creator Studio umfasst professionelle Software wie Final Cut Pro, Logic Pro, Pixelmator Pro, Main Stage, Motion und Compressor in einem Abo-Paket. Auf dem Mac sind die Apps auch noch einzeln zu kaufen, auf dem iPad nicht – da fehlen sogar noch einige Programme.
Und zu allem Überfluss bietet Apple in seinen Gratis-Apps Pages, Numbers und Keynote auch noch im Rahmen des Abs zusätzliche Funktionen an – die man vermutlich kaum mehr missen mag, hat man sie einmal ausprobiert.
Aber dafür 13 Euro im Monat oder 129 Euro im Jahr zu bezahlen, um den Zugang zu Software zu bekommen, die man nur selten bis überhaupt nicht nutzt? Kann man eventuell an anderer Stelle bei Apple-Abos sparen, um das in das Creator Studio zu investieren?
Wir sehen uns hier Apple-Abos an und versuchen uns an einer Kosten-Nutzen-Rechnung: Welches benötigt man (weiter) und was ist oder bleibt überflüssig?
Apple Creator Studio: Starkes Angebot, aber auch starke Konkurrenz
Kaum hatte Apple das Creator Studio angekündigt, kamen Vergleiche mit Adobes Creative Cloud auf. Nicht völlig zu Unrecht: Adobe hatte es vor gut 20 Jahren geschafft, mit seinen Kreativ-Anwendungen eine Art von Ökosystem zu errichten, dem man kaum noch entkam.
Herzstück, bis heute: Photoshop und sein enger Begleiter Lightroom. Zudem hatte Indesign im Desktop-Publishing den einstigen Platzhirsch Quark Xpress in Nischen verdrängt. Mit Acrobat hat Adobe darüber hinaus eine annähernd konkurrenzlose PDF-Software und mit Premiere ein Videoschnittprogramm, das zu Apples Leidwesen weit mehr Fans haben dürfte als sein Final Cut Pro.
Adobes Creative Cloud ist weit teurer als Apples Creator Studio. Aber auch deutlich umfangreicher.
Foundry
Schon bevor Adobe mit seinem Paket in die Cloud ging, fasste der Hersteller die Einzelprogramme in die Creative Suite zusammen, oder in mehrere. Entweder man kaufte das Gesamtpaket oder eines speziell für das Desktop-Publishing oder eines für Videobearbeitung. Einzeln waren die Programme weiterhin zu haben, da aber bei Designern meist mehrere Adobe-Programme zusammenkamen, lohnte sich alle zwei bis drei Jahre der Kauf einer neuen Creative Suite.
Mit der Creative Cloud ist das etwas anderes: Jetzt sind Photoshop, Indesign, Premiere und Kollegen nur noch zu mieten. Und das auch nur im Gesamtpaket (117 Euro monatlich, 906 Euro im Jahr) oder einzeln. Eine Ausnahme gibt es nur für das Fotografie-Duo Photoshop mit Lightroom.
Vorteil für Adobe: regelmäßige Einnahmen statt alle zwei bis drei Jahre die Ernte für eine lange Entwicklungszeit. Vorteil für die Kundschaft: Neue Funktionen regelmäßig und nicht nur alle paar Jubeljahre.
Zumindest Adobe sah hier immer eine Win-win-Situation, nicht jedoch alle Kunden, die Alternativen wie die Affinity-Programme hatten. Diese sind nach der Übernahme des Herstellers Serif durch Canva gar gratis, was aber auch viel über den kommerziellen Erfolg aussagt. Mitunter hört man auch noch von Corel, die bewusst gegen Adobe steuern und neben Abos auch Einmalkäufe anbieten. Corel, das dem Mac lange den Rücken gekehrt hatte und erst seit ein paar Jahren wieder zurück im Spiel ist, dürfte aber kaum an Adobes Umsätze herankommen.
Wie Apple sein Publikum lockt und vergrault
Apple wiederum hat versucht, Kreativprofis der nächsten Generation mit kostenlosen Anwendungen zu locken. Garageband für die Musikproduktion, bis man das Programm ausgereizt hat und auf die professionelle Software Logic Pro umsteigt, mit der man sich sofort einigermaßen auskennt.
Für Final Cut Pro soll iMovie den Einstieg bereiten, ebenso auf iPhone, iPad und Mac. Kehrseite der Medaille: Beide Programme hatte Apple im Jahr 2011 auf eine komplett neue Basis gestellt, die Profis, die bisher damit arbeiteten, kamen damit gar nicht zurecht und flohen in Adobes offene Arme, das Cloud-Abo war dann auch kein Hinderungsgrund.
Ja, es ist weit komplexer als Garageband. Aber dessen Nutzer finden sich in Logic weit schneller zurecht als in anderen Programmen.
Apple
Apple hat bei der Vorstellung des Creator Studio versprochen, dass es die Apps auf dem Mac weiterhin zum Einmalkauf gäbe, auf dem iPad hatte es seit jeher (also 2023) Final Cut Pro und Logic Pro nur im Abo gegeben. Das Versprechen hält Apple bisher: Wer etwa Logic Pro 11 für den Mac gekauft hat, kann auch gratis Logic Pro 12 laden und nutzen. Technisch gesehen ist es zwar eine andere Programmdatei, aber der Funktionsumfang ist der gleiche. Noch.
Denn nichts würde Apple daran hindern, den Support für die Kaufversionen nach einigen Jahren einzustellen und neue Funktionen künftig nur noch den Abo-Versionen von Logic, Final Cut und den anderen Programmen vorzubehalten. Das sollte man in seine Kalkulation einbeziehen, wenn man abwägt, ob sich das Creator-Studio-Abo lohnt oder ob man mit Einmalkäufen langfristig besser fährt.
Was ist günstiger, Abo oder Einzelkäufe?
Logic Pro kostet nach wie vor im Einzelkauf 230 Euro, die für Live-Performances gedachte App Main Stage weitere 35 Euro. Macht 265 Euro, das sind etwas mehr als zwei Jahre Abo, dann würde man draufzahlen, benötigt man nur diese beiden Apps. Nur, wenn wir davon ausgehen, dass Logic 13 in zwei Jahren nochmals den Einzelpreis kosten würde und nicht mehr als Update durchginge (oder es die neue Version dann gar nicht mehr einzeln gibt), lohnt sich das Abo. Es sei denn, man stellt sich auf den Standpunkt, eine Software müsse weit länger als zwei Jahre nützlich sein und neue Features seien verzichtbar.
Wer mit Musik nichts am Hut hat und stattdessen mit Final Cut Pro Videos schneidet, zahlt dafür einmalig 350 Euro. Die Software für Spezialeffekte Motion kostet noch mal 60 Euro, der Codierer Compressor weitere 60. Macht 470 Euro, über dreieinhalb Jahre Abonnement des Creator Studio. Klingt schon eher nach einem guten Geschäft.
Final Cut Pro geht auch auf dem iPad. Wobei die Arbeit am Mac die meisten Cutter bevorzugen dürften.
Apple
Wer sowohl Musik produziert als auch Filme schneidet oder iPad wie iPhone als mobile Verlängerung der kreativen Werkbank nutzt, ist in jedem Fall mit dem Apple Creator Studio bestens bedient. Nicht vergessen: Pixelmator Pro (60 Euro) ist auch im Paket enthalten. Nicht nur Videoprofis benötigen eine Bildbearbeitung, auch Musikern ist eine solche zu empfehlen, wollen sie ihre Werke visuell anreichern mit Plattencovern oder Plakaten für die Tour.
Über kommende Apple-Intelligence-Features in den neuen Versionen von Pages, Numbers und Keynote haben wir noch gar nicht gesprochen. Die sind für Creator-Studio-Abonnenten aber eher ein netter Zusatznutzen und kein Grund, das Abo abzuschließen. Wo lässt sich nun sparen, um die 13 Euro im Monat oder 129 Euro im Jahr zur Verfügung zu haben?
Apple One: Braucht man gewiss nicht alles
Adobes Creative Cloud ist deutlich teurer und umfangreicher als Apples Angebot, der Preisunterschied relativiert sich aber ein wenig, denn die Cloud des Herstellers umfasst auch 100 GB Cloud-Speicher – für das Photoshop-Lightroom-Abo gar 1 TB.
Selbst bei Apple ist Cloud-Speicher inklusive – für jeden Apple Account 5 GB. Zum Start von iCloud im Jahr 2011 war das noch angemessen, heute eher lächerlich. Der finanzielle Erfolg gibt Apple aber recht, der Bereich Services mit seinen wiederkehrenden Einnahmen wächst stetig und saisonunabhängig. Ein nicht unwesentlicher Teil dürfte aus der Vermietung von Online-Speicher kommen, für 2 TB verlangt Apple 10 Euro im Monat. Maximal kann man 12 TB mieten, das kostet jeden Monat 60 Euro. Kleinvieh macht auch Mist, 50 GB kosten 99 Cent im Monat. Darf man gerne als Apple-Steuer betrachten, ein Leben ohne Apple-Account ist zwar möglich, aber sinnlos. Und 5 GB sind schlicht und ergreifend trostlos.
Wir wollen aber nicht jeden Euro einzeln umdrehen, sondern sehen uns eher die Blöcke unserer Apple-Abos an, bei denen man deutlich sparen kann, wenn man will oder es sich traut.
Denn eine iPhone-Versicherung ist sicher ratsam, besonders, wenn es sich um ein neues Gerät handelt. Da Apple im Rahmen seiner Apple-Care-Police auch mittlerweile gegen Diebstahl und Verlust versichert, kann ein länger laufender Vertrag ratsam sein.
Nicht nur neue iPhones sind bei Langfingern begehrt – dieses Modell steht dabei besonders im Fokus. Nach zwei oder drei Jahren können Sie selbst entscheiden, ob Sie weiterhin die 15 Euro pro Monat für die Versicherung zahlen möchten oder das Risiko eingehen, das Gerät bei einem Totalschaden selbst ersetzen zu müssen. Auch bei einem Displaydefekt stellt sich die Frage, ob Sie reparieren lassen oder lieber ein neues iPhone anschaffen.
Dieses wollen Sie womöglich aber wieder versichern: Nachhaltig gespart ist nur, wenn Sie gar keine Versicherung mehr wollen.
Apple verdient aber nicht nur mit der Vermietung von Speicher für die Kundschaft, sondern auch mit dem Bereitstellen des App Stores. Für jede Transaktion bekommt Apple 30 Prozent vom Umsatz, mit Ausnahmen.
Kleinere Unternehmen mit weniger als einer Million US-Dollar Jahresumsatz zahlen nur eine 15-prozentige Provision, ebenso wenig werden für Abos ab dem zweiten Jahr fällig. Weswegen Entwickler Abo-Modelle immer mehr schätzen, nicht nur wegen der wiederkehrenden Einnahmen.
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Sie womöglich das ein oder andere App-Abo zu viel haben. Sehen Sie in Ihrem Apple-Account nach, womöglich finden Sie Apps, die Sie schon länger nicht mehr genutzt haben. Kommen Sie bei der Ersparnis auf 13 Euro im Monat oder 129 Euro im Jahr? Prima – dann ist der Weg für das Apple Creator Studio frei!
Abos genau prüfen und gegebenenfalls kündigen
Keine entbehrliche App gefunden? Macht nichts, vielleicht haben Sie noch das ein oder andere Apple-Abo, auf das Sie verzichten können, oder es zumindest im Umfang reduzieren.
Womöglich genügt Ihnen statt des Familienabos für Apple Music die Single-Variante? Die Kinder sind aus dem Haus, verdienen und bezahlen ihre Abos selbst, am Ende gar bei Spotify (vade retro Santana!), der Partner hört immer nur Musik, wenn Sie sie aus den Homepods schallen lassen? Weg mit dem Familienabo – her mit dem Einzelabo. Ersparnis pro Monat: 3 Euro.
Apple Music ist in gewisser Weise unverzichtbar.
Foundry
Das reicht nicht. Und ganz auf Musik verzichten, ist keine Alternative. Klar, es gibt immer noch CDs oder Downloads zu kaufen, aber nur eine(n) im Monat für den Preis des Apple-Music-Abos.
Aber die Sache mit den Kindern und dem Partner ist womöglich eine, bei der mehr Ersparnisse drin sind. Müssen es wirklich 2 TB Speicher sein, wenn Sie den nur selbst belegen und nicht mit der Familie teilen? Leider ist die nächstniedrigere Stufe mit 200 GB reichlich knapp bemessen, wenn Sie etwa mehrere Macs betreiben und diese samt den wichtigsten Daten über die iCloud synchronisieren. Da wären aber immerhin (weitere) 7 Euro im Monat gespart, wir nähern uns der Ziellinie.
Weniger spielen und mehr Fitness, selbst ohne Abo?
Nächster Ansatz: Wann haben Sie zuletzt auf iPhone, iPad oder Mac ein Spiel aus Apple Arcade gezockt? Sehen Sie – brauchen Sie offenbar nicht so dringend. Rechnen Sie aber eher nicht mit einer Ersparnis von 5 Euro in jedem Monat, das ein oder andere Spiel wollen Sie vielleicht doch käuflich erwerben oder mit In-App-Käufen die Werbung und andere störende Elemente ausschalten. Bleibt Ihnen überlassen.
Ein weiterer, womöglich überflüssiger Dienst ist Fitness+, der 10 Euro im Monat oder 80 Euro im Jahr kostet und damit fast schon so viel wie das Apple Creator Studio. Zwar kann sich das bald ändern, sollte Apple doch noch einen Dienst Health+ einführen mit Fitness+ als wesentlichem Bestandteil.
Allein für sich genommen ist der Dienst bisher aber eher mau. Die Trainings, die man unter Anleitung hoch motivierter und meist US-amerikanischer Fitnesstrainer vor dem Bildschirm absolvieren kann, treffen nicht jeden Geschmack. Die podcastähnlichen Beiträge aus “Zeit zum Gehen” und “Zeit zum Laufen” sind auch eher für US-Publikum gedacht und allenfalls noch für weitere englischsprachige Länder.
Zwar haben die Erzählungen der Protagonisten aus Sport, Literatur, Film und Musik nie enttäuscht, aber die meisten Leute kennt man nur flüchtig oder gar nicht. Wollen Sie beim Laufen Musik oder einen Podcast hören, geht das mit einem anderen Abo oder gar gratis.
Die Trainer von Apple Fitness+ sind keine Drill Instructor, aber nicht für jeden Geschmack.
Apple
Fitness+ kann weg – vorerst. Wobei es immer noch weit günstiger ist als das echte Fitnessstudio mit seinen echten Trainern und Trainerinnen und im Laufe dieses Jahres eine größere Bedeutung bekommen könnte. Entscheiden Sie selbst! Kreative Betätigung und Fitness müssen sich nicht ausschließen, es geht beides.
Also sparen wir am Couch-Potato-Dasein: Nichts mehr mit Apple TV! Lieber ab ins Studio, sei das Kreative oder das für die Fitness. Der Ersparnis von 10 Euro im Monat steht jedoch entgegen: So richtig empfehlenswert ist es nicht, Apple TV dauerhaft abzuschalten. Es gibt immer mehr und immer bessere Filme und Serien, die den Preis selbst in Sommermonaten lohnen, in denen man eher selten vor der Glotze sitzt.
Pflichtprgramm in diesem Sommer ist nicht die Fußball-WM auf Magenta, sondern Ted Lasso auf Apple TV!
Apple TV+
Mist, schon wieder nichts gespart. Aber Apple TV (die App!) eröffnet noch eine Idee: Haben Sie womöglich mal darüber einen zusätzlichen Kanal abonniert, wie Disney+ oder Paramount+? Hier könnte sich noch die ein oder andere Ersparnis ergeben. Wenn Sie natürlich nur die Investition verschieben und statt die Film-Abos zu nutzen, lieber einmal im Monat ins Kino um die Ecke gehen, ist hier nichts zu holen.
Schlussüberlegung bei den Apple-Abos: Haben Sie eventuell eines der AppleOne-Pakete abonniert? Je nachdem, wie viele der beschriebenen Dienste Sie loswerden wollen, sinkt die Ersparnis. Wollen Sie etwa nur Apple Arcade loswerden, können Ihnen die restlichen Abos teurer kommen als AppleOne insgesamt. Umgekehrt ergibt sich hier eine Sparmöglichkeit: Wäre AppleOne für Ihre Bedürfnisse nicht sogar besser und günstiger als die bisher abonnierten Einzeldienste? Auch im Apple Creator Studio sind Apps dabei, die Sie womöglich nie benötigen.
Sparen außerhalb von Apple
Gut, Sie wollten Ihre Ausgaben für Apple-Services reduzieren, um einen neuen zu buchen, aber aus den unterschiedlichsten Gründen klappt das nicht? Bevor Sie jetzt zu Ihrem Chef gehen und 12,99 Euro mehr netto im Monat fordern, müssen Sie eben anderweitig Ausgaben reduzieren. Oder in den sauren Apfel beißen und mehr in Software und Services investieren als bisher.
Wir wollen Ihnen keine Ratschläge geben, wann und wo Sie sonst noch in der digitalen Welt sparen sollten oder könnten, Sie wissen selbst, welche Dienste Sie schätzen und welche nicht. Aber benötigen Sie wirklich Amazon Prime Music neben dem Apple-Music-Abo? Läuft auf Apple TV das für Sie attraktivere Programm als auf Netflix? Und ist DAZN mit seinen Preisen nicht allmählich unverschämt, und täte es auch das öffentlich-rechtliche Radio am Champions-League-Abend für Sie? Ja, genau: Radio, Bilder nur im Kopf. Aber die sind ohnehin die Besten, wie Sie als Kreativer wissen.
Discussion in the ATmosphere