iPhone Fold kommt spät, aber nicht zu spät – was wir vom Top-iPhone erwarten
Bei einer Redaktionskonferenz neulich habe ich meine Kollegen von der Macwelt gefragt, wer von ihnen bereits plane, das kommende iPhone Fold zu kaufen. Die Antwort fiel für eine Apple-affine Redaktion überraschend nüchtern aus: Niemand konnte sich das derzeit vorstellen, die meisten sind mit ihren aktuellen iPhones vollkommen zufrieden.
Warum also der hohe Aufwand und die intensive Berichterstattung zu nahezu jedem neuen Fold-Gerücht? Die Nachfrage scheint bislang überschaubar zu sein, zumal bis jetzt nicht einmal der endgültige Produktname feststeht. Dennoch gibt es gute Gründe, warum das Thema so viel Aufmerksamkeit erhält.
Der wichtigste Grund ist, dass sich hier seit vielen Jahren wieder eine echte neue Produktkategorie bei Apple ankündigt, die viele noch unterschätzen. Seit dem iPhone 12 hat sich das Aussehen unserer iPhones kaum verändert. Design und Gewicht sind annähernd gleich geblieben und wir nutzten es auf die gleiche Weise mit den gleichen Anwendungen.
Starten Sie etwa auf einem fünf Jahre alten iPhone 12 Whatsapp auf oder befragen Apples Karten-App, sehen die Apps auf einem iPhone 17 fast identisch aus. Ein Fold mit seinem neuen Bildschirmformat wird aber ganz andere Apps und Nutzungsarten ermöglichen.
Die ersten Faltbaren waren Flops
Dabei sind faltbare Smartphones (Foldables genannt) längst keine Neuheit mehr, Apple ist recht spät dran. Es ist schon sechs Jahre her, dass Samsung das Samsung Galaxy Z Fold vorstellte.
Zugegeben, viel zu früh! Samsung wollte aber unbedingt der Erste sein und scheiterte grandios. So war der Bildschirm noch viel zu empfindlich und schon bei ersten Tests traten Schäden auf. Das waren aber technische Probleme, die sich lösen ließen – etwa mit einem stabileren Bildschirm.
The screen on my Galaxy Fold review unit is completely broken and unusable just two days in. Hard to know if this is widespread or not. pic.twitter.com/G0OHj3DQHw
— Mark Gurman (@markgurman) April 17, 2019
2019 ist schon lange her und neuere Modelle wie das Galaxy Z Fold 7 haben keine Kinderkrankheiten mehr. Im Handel können Sie unter Dutzenden ausgereiften Modellen auswählen, und neben Samsung, Motorola und Google bieten Xiaomi, Oppo und weitere Hersteller Foldables an.
Sogar ein Galaxy Z Trifold gibt es mittlerweile, bei dem sich gleich drei Module zu einem 10-Zoll-Display entfalten. Aber bisher gibt es nur Modelle mit Android-Betriebssystem, was sich bald ändern wird.
Wann erscheint das iPhone Fold?
Es wird wohl nicht mehr lange dauern. Frühere Gerüchte lauteten, ein iPhone Fold könnte noch bis 2027 auf sich warten lassen, das wurde aber immer öfter bestritten. Schon im September könnte das neue iPhone-Modell erscheinen oder zumindest vorgestellt werden.
Auch ein Erscheinen im Frühjahr 2027 wäre nicht überraschend, bis September 2027 werden Sie aber kaum auf das neue Modell warten müssen. Es gibt sogar schon erste Gerüchte über ein zweites Faltmodell, nämlich ein iPhone im Flip-Format (auch Clamshell genannt), das kurz nach dem Fold erscheinen könnte. Laut Mark Gurman befindet sich das Projekt noch im Anfangsstadium – der Misserfolg mit dem iPhone Air könnte aber hier für etwas Schub gesorgt haben.
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Was wird es kosten?
Der Preis ist noch nicht bekannt, voraussichtlich wird das Gerät aber oberhalb des iPhone Pro Max positioniert sein. Auch der Preis des Samsung Galaxy Z Fold 6 ist ein Anhaltspunkt, dieses Modell kostet in Deutschland ab 1899 Euro. Für ein ähnliches Modell von Apple ist deshalb ein Preis von knapp 2.499 Euro meine erste Schätzung.
Auch erste Bilder kursieren, wie das Gerät aussehen könnte.Subsy/MakerWorld
Das ist bisher über die technischen Daten bekannt
Gerüchte über das kommende iPhone Fold sind sehr zahlreich. Vorwiegend in Asien scheinen immer mehr Informationen aus Zulieferer-Kreisen durchzusickern.
Jeff Pu von GK Securities veröffentlichte etwa zuletzt eine ganze Reihe an technischen Daten, die recht glaubwürdig klingen. So soll das iPhone den kommenden Chip A20 Pro erhalten, der von TSMC im N2-Verfahren hergestellt wird – das verspricht gute Leistung. Es soll 12 GB RAM erhalten und mit zwei 48-Megapixel-Kameras auf der Rückseite ausgestattet sein. Mit dem iPhone Pro kann es somit wohl nicht mithalten, ist aber leistungsfähiger als das iPhone Air.
Auch zwei (!) Frontkameras werden demzufolge verbaut. Diese sind offenbar auch nötig, wenn es ein Außendisplay und ein Innendisplay gibt. Mit 5,3-Zoll-Display ist das neue Modell zugeklappt sogar unter dem iPhone Mini mit 5,4 Zoll, bietet aber ein 7,8-Zoll-Display, wenn Sie es aufklappen. In einem früheren Gerücht war aber auch schon von zwei Bildschirmen mit 5,25 und 7,58 Zoll zu hören.
Gerüchte gibt es auch über einen enormen Akku, was auf eine lange Akkulaufzeit hoffen lässt. Bei einem so großen Display sind aber keine Wunder zu erwarten. Hier wird man erste Tests abwarten müssen.
Mit einem 7,8-Zoll-Display im Breitformat ist das iPhone Fold kleiner als das aktuelle iPad Mini, aber fast so groß wie ein iPad Mini der 5. Generation mit 7,9-Zoll-Display.
Das iPad Mini hat vermutlich eine ähnliche Bildschirmfläche wie das iPhone Fold.
Apple
Damit lässt sich eigentlich recht gut abschätzen, wofür sich das neue Fold eignen wird. Beim alten iPad Mini hatte das Display eine Auflösung von 2048 × 1536 Pixeln. Das ist zwar rechnerisch weniger als bei einem iPhone 17 Pro Max mit 2868 × 1320 Pixeln, für viele Aufgaben ist das breite Display eines iPad Mini aber noch immer deutlich produktiver.
Auch der bei Weibo zu findende Account “Instant Digital” hat zuletzt einige Details veröffentlicht. Angeblich sollen die Lautstärketasten an der Oberkante der rechten Seite angeordnet sein – erstmals bei einem iPhone. Rechts soll außerdem der Ein/Aus-Schalter mit Touch-ID zu finden sein.
Auf der Rückseite der rechten Hälfte soll zudem wie beim iPhone Air eine horizontale “Plateau”-Oberfläche zu finden sein. Hier sind die zwei Kameras, ein LED-Blitz und ein Mikrofon untergebracht. Diese soll in allen Farbvarianten des iPhone Fold schwarz sein, zur Wahl stehen offenbar nur die Farben Schwarz und Weiß.
Es gibt aber noch viele offene Fragen. So wäre etwa Unterstützung des Pencil eine interessante Option, darüber ist aber bisher nichts bekannt. Auch die Kosten für Reparaturen und etwa einen Akkuwechsel sind ungewiss.
Einige Ähnlichkeiten mit dem iPhone Air sind möglich.
Anyron Copeman / Foundry
Wie erfolgreich sind faltbare Smartphones?
Ist aber ein iPhone Fold wirklich das, was viele Apple-Kunden unbedingt haben wollen? Der aktuelle Marktanteil klappbarer Smartphones im Gesamtmarkt liegt laut IDC gerade bei 1,5 Prozent. Sie werden voraussichtlich auch 2026 immer noch ein Nischenprodukt sein, was kein Hersteller gerne hört.
Laut Canalys leidet Samsung zudem immer mehr unter der Konkurrenz chinesischer Konkurrenten und die Verkaufszahlen sind seit 2022 im Sinken. Noch stärker betrifft dies übrigens die günstigeren Flip-Modelle. Hier sanken die Zahlen zwischen 2022 und 2024 von 6.144.590 Stück auf 4.397.114 Stück.
Allerdings sind Stückzahlen oft nicht so entscheidend, sind doch die Umsätze pro verkauftem Gerät sehr hoch. So macht Samsung mit einem einzigen Galaxy Z Fold den fünfzehnfachen Umsatz wie mit einem Einstiegssmartphone wie dem A06. Viele Firmen sehen in den Foldables außerdem eine strategisch wichtige Möglichkeit, in den Premium-Markt einzusteigen – der bisher von Apple dominiert wird. Ein weiterer Grund für Apple, hier eine Alternative zu bieten.
Apple könnte mit einem iPhone Fold aber trotzdem viel Geld verdienen – trotz begrenzter Stückzahlen. Cupertino kann schließlich deutlich höhere Preise verlangen als Hersteller wie Samsung oder Oppo. Gerade in den USA ist das iPhone noch immer Marktführer im Premium-Bereich und wird von kaufkräftigen Nutzern geschätzt, während Android-Smartphones oft als Billiggeräte gelten. In den konsumfreudigen USA wäre auch ein Preis von über 2000 US-Dollar für ein iPhone wohl kein Skandal – anders könnte dies natürlich im sparsamen Deutschland aussehen.
Wer braucht so was?
Brauchen Sie ein iPhone Fold? Ein neues Produkt wird nur zum Erfolg, wenn es einen echten Mehrwert bietet. So scheiterte das iPhone Air wohl auch daran, dass es wenig Vorteile gegenüber einem herkömmlichen iPhone 17 aufweist. Ein großer aufklappbarer Bildschirm ist dagegen ein klarer Pluspunkt – falls Sie ihn wirklich benötigen.
Aber warum muss es ein ausklappbarer Bildschirm sein? Samsung hat es offensichtlich bei seiner Werbung für seine Folders nicht leicht, ein griffiges Verkaufsargument für Fold 7 zu finden – abgesehen vom coolen Ausklapp-Effekt. Eine der aktuellen Kampagnen basiert etwa auf der Behauptung, ein Folder würde sich besonders gut für die Nutzung von KI eignen – was nach meiner Meinung etwas hilflos wirkt.
In der Pressemitteilung zu seinem riesigen Samsung Trifold schreibt Samsung etwa: “Der großzügige Hauptbildschirm ist ideal, um in Filmen oder Serien abzutauchen. Unterwegs auf Youtube können Nutzer*innen nun Videos ansehen und gleichzeitig die Kommentare lesen.” Das ist richtig, rechtfertigt aber doch in keiner Weise einen Kaufpreis von 2.100 Euro. Für Netflix eignet sich auch ein iPhone Pro Max hervorragend.
Die Stärke eines Folders liegt nach meiner Meinung aber weniger im Konsum als in der Produktion von Inhalten: Gerade der breite Bildschirm ist hier ein echter Vorteil, da die Arbeit mit mehreren Apps einfacher ist. Selbst ein 8-Zoll-iPhone hätte schließlich noch immer ein schmales und langes Display, ein Fold dagegen ein relativ breites Display.
Folder wie dieses Pixel 10 Pro eignen sich gut für produktive Arbeit.
John Brandon / Foundry
Es gibt aber viele Situationen, in denen ein solches Bildschirmformat unbezahlbar ist und dann sogar ein Macbook ersetzen kann – so soll das Interesse vorwiegend im beruflichen Umfeld steigen. Als Apple überraschend ein neues iPad Mini vorstellte, wurde die hohe Beliebtheit bei professionellen Anwendern angeführt, angefangen bei Piloten, Fotografen und Designern bis hin zu vielen Ärzten. Statt zu einem zusätzlichen iPad oder Macbook zu greifen, sollten Sie in sehr vielen Situationen mit einem Folder auskommen.
So gut wie niemand möchte längere Zeit eine Excel-Tabelle auf einem klassischen iPhone bearbeiten oder ein komplexes Projektmanagement-Tool bedienen. Mit einem iPhone Fold, das aufgeklappt in etwa die Größe eines iPad-Mini-Displays erreicht, könnte das jedoch erstmals sinnvoll werden. Auch das Sichten und Bearbeiten von Fotos und Videos würde davon profitieren. Erhalten Sie beispielsweise per E-Mail ein Layout oder einen Projektentwurf, lässt sich dieser auf einem iPhone Fold deutlich besser beurteilen als auf einem herkömmlichen Smartphone. In diesem Szenario wird auch der Einsatz einer externen Bluetooth-Tastatur plötzlich praktikabel.
Auch bei den Android-Foldern scheinen es ja primär berufliche Anwender zu sein, die den neuen Formfaktor zu schätzen wissen. So soll laut einem Bericht von Mordor Intelligence DHL das Galaxy Fold 5 für Inventuren verwenden. Auch bei Videokonferenzen mit Teams – bei denen Sie vielleicht auch Inhalte präsentieren wollen – ist ein großes und breites Display im Vorteil. Das lässt sich vielleicht in einem Marketing-Video schwer umsetzen, ist aber für viele Anwender wirklich Gold wert.
Apples Geheimwaffe: Software
Allerdings zeigt die Erfahrung, dass ein großes oder breites Display allein wenig Mehrwert bietet, wenn die Software nicht darauf abgestimmt ist. Genau hier hat Apple einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen Wettbewerbern wie Samsung: Das Unternehmen entwickelt nicht nur die Hardware, sondern kontrolliert auch das Betriebssystem sowie zentrale Anwendungen.
Beim innovativ gedachten Microsoft Surface Duo wurde hingegen gerade die fehlende Softwareanpassung zum Problem. Das Gerät setzte auf zwei separate Displays, doch es mangelte an Apps, die dieses Konzept sinnvoll nutzten. Eine vergleichbare Schwäche ist bei Apple aufgrund der engen Verzahnung von Hard- und Software deutlich unwahrscheinlicher.
Es steht außer Frage, dass beim Erscheinen des neuen Modells iOS perfekt auf das neue Bildschirmformat abgestimmt ist. Gut möglich, dass es schon für das Fold angepasste Versionen von Final Cut Pro, Foto, Pixelmator und iWork gibt.
Eine Revolution bei den faltbaren Displays
Böse Zungen behaupten, dass es nur deshalb faltbare Smartphones gibt, weil Samsung die passenden Displays entwickelt hat. Samsung ist nicht mehr der einzige Hersteller, noch immer hat Samsung aber einen Vorsprung und wird vermutlich auch das Display des iPhone Fold stellen.
Zur CES 2026 wurde sogar ein komplett neues faltbares Display für Smartphones vorgestellt, das ein heißer Kandidat für ein iPhone Fold ist: Samsung hat nämlich das erste faltenfreie Display vorgestellt. Bisher ist bei allen Foldern in der Mitte des Displays eine Falte sichtbar, dieses Problem hat der Konzern aber offenbar gelöst. Schon das kommende Galaxy Z Fold 8 könnte dieses Display exklusiv erhalten – und später auch das iPhone Fold.
Samsung hat ein neues faltenloses Display zur CES vorgestellt.SamMobile
Erscheint ein Folder oder ein Flip-Modell?
Bei Android-Smartphones haben sich bereits zwei Faltmodelle etabliert: die wie ein Buch aufklappbaren Folder oder Foldables und die Flip-Modelle. Diese Flip-Modelle – die mich ein wenig an alte Klapp-Handys erinnern – sind deutlich günstiger und werden häufiger verkauft als die teuren Folder.
Von Samsung stammt etwa das Samsung Galaxy Z Flip E, das Sie für knapp 800 Euro bekommen. Der große Bruder Fold kostet dagegen mehr als das Doppelte. Ein Problem beim Flip-Modell: Der faltbare Bildschirm macht das Smartphone teurer, es wirkt aber nicht wie ein Hochpreismodell. Der Bildschirm ist üblicherweise lang, aber schmal, und ist zusammgeklappt recht dick.
Es gab auch von uns schon Spekulationen, Apple könnte ein iPhone Flip vorstellen, ein solches Modell wird intern sicher erprobt. Aktuell erscheint aber ein Folder weit wahrscheinlicher, hierzu gibt es auch deutlich mehr Gerüchte.
Ein iPhone Flip soll ebenfalls geplant sein. Hier das Galaxy Z Flip.
Mattias Inghe
Laut Gerüchteküche halte ich ein solches Modell noch in diesem Jahr aber für unwahrscheinlich.
Fazit
Ein wirklich innovatives neues iPhone-Modell wird schon lange erwartet. Das iPhone Air konnte diese Erwartungen kaum erfüllen – umso größer ist nun die Bedeutung des kommenden faltbaren iPhones für Apple. Am Ende dürfte jedoch vor allem der Preis über den Erfolg entscheiden: Für viele Nutzer wird die Kombination aus klassischem iPhone und iPad Mini voraussichtlich weiterhin die günstigere und damit attraktivere Lösung bleiben.
Discussion in the ATmosphere