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IPv6: Die Zukunft, die seit 25 Jahren im Flur steht

CODEundKRAM June 14, 2026
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IPv6 ist diese Zukunft, die seit Jahrzehnten angekündigt wird.

Immer bald.

Immer wichtig.

Immer notwendig.

Immer „jetzt aber wirklich“.

Und trotzdem sitzen wir immer noch überall mit IPv4, NAT, Portfreigaben, CGNAT, Workarounds, DynDNS, Tunnel-Gedöns und diesem besonderen Gefühl, dass das Internet zwar global ist, aber zu Hause an einer IP-Adresse hängt, die man sich mit halbem Stadtteil und drei Nachbarn teilt.

Sehr modern.

IPv6 sollte das alles lösen.

Mehr Adressen.

Kein NAT-Zwang.

Saubere Ende-zu-Ende-Kommunikation.

Bessere Autokonfiguration.

Modernere Netzwerke.

Klingt gut.

Ist auch gut.

Und trotzdem behandeln viele IPv6 immer noch wie einen alten Karton im Keller:

„Ja, müsste man sich mal drum kümmern.“

Spoiler: Ja.

Müsste man.

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum IPv4 nicht mehr reicht
  2. Was IP-Adressen überhaupt sind
  3. IPv4, NAT und die große Adressknappheit
  4. Was IPv6 anders macht
  5. IPv6-Adressen sehen komisch aus
  6. Dual Stack: Die Übergangsrealität
  7. SLAAC, DHCPv6 und Prefix Delegation
  8. Firewall statt NAT
  9. DNS und IPv6
  10. Homelab und IPv6
  11. Typische Fehler
  12. Warum IPv6 trotzdem nervt
  13. Fazit

1. Warum IPv4 nicht mehr reicht

IPv4 war lange genug.

Wirklich.

IPv4 hat viel getragen. Webseiten. E-Mail. Streaming. Onlinebanking. Katzenbilder. Behördenportale, die nur im Internet Explorer wirklich leiden wollten.

Aber IPv4 hat ein Problem:

Es gibt zu wenige Adressen.

Eine IPv4-Adresse sieht so aus:

192.168.178.42

Sie besteht aus 32 Bit.

Das ergibt theoretisch rund 4,3 Milliarden Adressen.

Klingt viel.

War es früher auch.

Damals, als Computer noch beige waren, Handys keine kleinen Überwachungsplatten mit Kamera und Kühlschränke noch nicht der Meinung waren, mit der Cloud sprechen zu müssen.

Heute ist das lächerlich wenig.

Menschen haben Smartphones, Tablets, Laptops, Smart-TVs, Konsolen, Kameras, Lampen, Thermostate, Autos, Uhren, Lautsprecher, Türklingeln und wahrscheinlich bald Zahnbürsten mit Firmware-Update.

Alles will ins Netz.

Alles braucht Adressen.

IPv4 sagt:

Ich hätte da noch einen halben Kaugummi und drei Büroklammern.

Das reicht nicht.

Also hat man angefangen zu tricksen.

Natürlich.

Das Internet ist im Kern auch nur ein sehr großer Haufen Tricks, der erstaunlich stabil wirkt, solange niemand zu genau hinschaut.


2. Was IP-Adressen überhaupt sind

Eine IP-Adresse ist die Adresse eines Geräts in einem Netzwerk.

Nicht besonders romantisch.

Aber wichtig.

Wenn dein Laptop eine Webseite aufruft, muss irgendwo klar sein:

  • Von wo kommt die Anfrage?
  • Wohin soll die Antwort?
  • Welcher Server ist gemeint?
  • Welches Gerät soll die Daten bekommen?

Ohne IP-Adresse keine Zustellung.

Das ist wie Post ohne Adresse.

Nur schneller.

Und mit mehr Paketverlust.

Im Heimnetz hat dein Router meistens eine private IPv4-Adresse wie:

192.168.178.1

Dein Laptop hat vielleicht:

192.168.178.34

Dein NAS:

192.168.178.42

Dein Smart-TV:

192.168.178.57

Diese privaten Adressen funktionieren nur intern.

Im Internet sind sie nicht eindeutig.

Millionen Heimnetze verwenden 192.168.178.x, 192.168.1.x oder 10.x.x.x.

Das ist erlaubt.

Aber nach außen braucht dein Anschluss trotzdem eine öffentliche Adresse.

Und genau da beginnt das NAT-Gedöns.


3. IPv4, NAT und die große Adressknappheit

NAT steht für Network Address Translation.

NAT ist einer dieser Tricks, die das Internet gerettet und gleichzeitig komplizierter gemacht haben.

Die Idee:

Intern haben viele Geräte private Adressen.

Nach außen nutzt der Router eine öffentliche IPv4-Adresse.

Wenn dein Laptop ins Internet geht, merkt sich der Router:

Diese Anfrage kam intern von Gerät 192.168.178.34. Wenn die Antwort zurückkommt, leite ich sie wieder dorthin.

Das funktioniert.

Meistens.

Für normales Surfen ist NAT völlig okay.

Aber NAT ist kein Sicherheitskonzept.

Auch wenn manche das gern glauben.

NAT ist vor allem ein Adressspartrick.

Ein Workaround.

Ein sehr erfolgreicher Workaround, ja.

Aber trotzdem ein Workaround.

Richtig hässlich wird es, wenn man von außen auf einen Dienst zu Hause zugreifen möchte.

Also zum Beispiel:

  • Home Assistant
  • Nextcloud
  • WireGuard
  • Vaultwarden
  • Jellyfin
  • irgendein Dashboard, das man nur „kurz testen“ wollte

Dann braucht man Portfreigaben.

Also sagt man dem Router:

Wenn von außen jemand auf Port 443 kommt, leite das an 192.168.178.42 weiter.

Das funktioniert.

Bis es nicht funktioniert.

Dann debuggt man Router, Firewall, Dienst, DNS, Zertifikat, DynDNS und sich selbst.

Noch lustiger wird es mit CGNAT.

CGNAT steht für Carrier Grade NAT.

Das bedeutet: Nicht nur du machst NAT zu Hause, sondern dein Provider macht nochmal NAT auf seiner Seite.

Du hast dann gar keine eigene öffentliche IPv4-Adresse mehr.

Du bist hinter einer Provider-NAT-Schicht.

Also NAT hinter NAT.

Netzwerkmatroschka.

Von außen erreichbare Dienste?

Schwierig.

Portfreigaben?

Kannste machen.

Bringt nur nichts, wenn der Provider dich vorher schon hinter seine Wand gestellt hat.

CGNAT ist wie eine Haustür, bei der du innen stolz ein Schloss einbaust, aber die Tür steht in einem fremden Flur, zu dem du keinen Schlüssel hast.


4. Was IPv6 anders macht

IPv6 löst das Adressproblem radikal.

Eine IPv6-Adresse hat 128 Bit.

Das ist sehr viel.

Nicht „ein bisschen mehr“.

Nicht „endlich ein paar Adressen mehr“.

Sondern absurd viel.

So viel, dass man wieder jedem Gerät eine eigene öffentliche Adresse geben kann.

Nicht nur jedem Haushalt.

Nicht nur jedem Router.

Jedem Gerät.

Laptop.

Handy.

NAS.

Server.

Lichtschalter.

Kühlschrank, wenn er unbedingt seine Gefühle ins Internet schreien muss.

Damit entfällt der Zwang zu NAT.

Das heißt nicht, dass jedes Gerät plötzlich offen im Internet steht.

Das heißt nur: Es kann eindeutig adressiert werden.

Ob es erreichbar ist, entscheidet die Firewall.

Und genau das ist der wichtige Unterschied.

IPv4 mit NAT:

Ich kann dich gar nicht direkt erreichen, weil dein Router übersetzt.

IPv6 mit Firewall:

Ich könnte dich adressieren, aber deine Firewall sagt nein.

Das ist sauberer.

Ehrlicher.

Und am Anfang für viele ungewohnt.

Weil sie NAT jahrelang mit Sicherheit verwechselt haben.

NAT war nie die Haustür.

NAT war eher ein unübersichtlicher Hausflur, in dem Besucher zufällig nicht wussten, welche Wohnung gemeint ist.

Die Haustür ist die Firewall.

Und bei IPv6 muss man diese Haustür bewusst ordentlich konfigurieren.


5. IPv6-Adressen sehen komisch aus

IPv6-Adressen sehen erst einmal aus, als hätte jemand beim Tippen einen kleinen Zusammenbruch gehabt.

Beispiel:

2001:db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334

Schön ist anders.

Aber man kann sie verkürzen.

Führende Nullen innerhalb eines Blocks dürfen weg:

2001:db8:85a3:0:0:8a2e:370:7334

Eine zusammenhängende Reihe von Null-Blöcken darf einmal durch :: ersetzt werden:

2001:db8:85a3::8a2e:370:7334

Das sieht immer noch nicht aus wie etwas, das man sich freiwillig auf einen Zettel schreibt.

Aber dafür gibt es DNS.

Niemand möchte IPv6-Adressen auswendig lernen.

Niemand sollte IPv6-Adressen auswendig lernen.

Das wäre ein Hilferuf.

Man nutzt Namen:

server.example.de
nas.example.de
home.example.de

Und DNS zeigt dann auf IPv6-Adressen.

Bei IPv4 heißt der DNS-Eintrag A-Record.

Bei IPv6 heißt er AAAA-Record.

Warum AAAA?

Weil IPv6 viermal so lang ist wie IPv4.

Humor im Netzwerkbereich ist selten warm.


6. Dual Stack: Die Übergangsrealität

Wir leben nicht in einer reinen IPv6-Welt.

Leider.

Wir leben in einer Übergangswelt.

Seit Jahren.

Vielleicht seit Jahrzehnten.

Willkommen im Internet: Übergang als Dauerzustand.

Viele Anschlüsse nutzen Dual Stack.

Das bedeutet:

  • IPv4 ist vorhanden.
  • IPv6 ist vorhanden.

Geräte können beides.

Der Browser versucht oft, IPv6 zu nutzen, wenn verfügbar. Wenn nicht, IPv4.

Das ist gut.

Dual Stack ist die angenehmste Übergangsform.

Man kann IPv6 nutzen, aber IPv4 funktioniert weiter.

Dann gibt es Dual Stack Lite , kurz DS-Lite.

Da bekommt man echtes IPv6, aber keine eigene öffentliche IPv4-Adresse mehr. IPv4 läuft über CGNAT beim Provider.

Für normales Surfen reicht das.

Für Selfhosting über IPv4 ist das nervig.

Sehr nervig.

Dann ist IPv6 oft der bessere Weg nach Hause.

Oder VPN.

Oder Tunnel.

Oder ein VPS als Reverse Proxy.

Oder man sitzt fluchend vor dem Router und fragt sich, warum die Portfreigabe wieder nichts bringt.

Antwort:

Weil du keine echte öffentliche IPv4 hast.

Danke für nichts.


7. SLAAC, DHCPv6 und Prefix Delegation

IPv6 bringt neue Mechanismen für die Adressvergabe mit.

Und natürlich neue Begriffe.

Wäre ja sonst zu einfach.

SLAAC

SLAAC steht für Stateless Address Autoconfiguration.

Das bedeutet: Geräte können sich selbst IPv6-Adressen geben, basierend auf Informationen, die der Router im Netz verteilt.

Der Router sagt sinngemäß:

Dieses Netz hat den Prefix 2001:db8:abcd:1234::/64

Das Gerät bildet daraus eine eigene Adresse.

Früher oft aus der MAC-Adresse.

Heute aus Datenschutzgründen meistens mit zufälligen Interface-IDs und Privacy Extensions.

Das ist gut.

Denn niemand braucht eine Adresse, an der man ein Gerät über lange Zeit quer durchs Internet wiedererkennt wie einen digitalen Nummernschild-Stalker.

DHCPv6

DHCPv6 ist ähnlich wie DHCP bei IPv4, aber eben für IPv6.

Es kann Adressen oder zusätzliche Informationen verteilen, zum Beispiel DNS-Server.

In manchen Netzen nutzt man SLAAC für Adressen und DHCPv6 nur für Zusatzinformationen.

Natürlich gibt es dabei Unterschiede zwischen Betriebssystemen.

Natürlich verhalten sich nicht alle gleich.

Natürlich ist das manchmal nervig.

Es ist Netzwerk.

Netzwerk ist immer ein bisschen Gruppentherapie mit Protokollen.

Prefix Delegation

Prefix Delegation ist im Heimnetz besonders wichtig.

Dein Provider gibt deinem Router nicht nur eine einzelne IPv6-Adresse, sondern einen ganzen IPv6-Prefix.

Zum Beispiel:

2001:db8:abcd:1200::/56

Dein Router kann daraus interne Netze bilden:

2001:db8:abcd:1201::/64  LAN
2001:db8:abcd:1202::/64  Gäste-WLAN
2001:db8:abcd:1203::/64  IoT
2001:db8:abcd:1204::/64  Server

Das ist sauber.

So sollte es sein.

Nicht ein Netz für alles.

Nicht Smart-TV, NAS, Arbeitslaptop, Kinder-Tablet und dubiose WLAN-Steckdose alle gemeinsam in einem digitalen Bällebad.

Trennung ergibt Sinn.

Ja.

Ergibt.

Nicht macht.


8. Firewall statt NAT

Der häufigste IPv6-Schrecksatz lautet:

Dann ist ja jedes Gerät direkt aus dem Internet erreichbar!

Nein.

Nicht automatisch.

Es hat vielleicht eine öffentliche Adresse.

Aber erreichbar ist es nur, wenn die Firewall es erlaubt.

Das ist ein Unterschied.

Ein wichtiger.

Bei IPv6 sollte der Router eingehende Verbindungen standardmäßig blocken.

Also:

Ausgehend: erlaubt
Eingehend: blockiert, außer explizit erlaubt

Wenn du einen Dienst veröffentlichen willst, gibst du gezielt frei:

Erlaube TCP 443 auf 2001:db8:abcd:1203::42

Das ist sogar sauberer als Portfreigaben mit NAT.

Denn du leitest nicht irgendeinen Port auf eine interne IPv4-Adresse um.

Du erlaubst gezielt Zugriff auf eine echte Adresse.

Das ist konzeptionell klarer.

Aber es zwingt dich auch, Firewall-Regeln zu verstehen.

Und genau da wird es unbequem.

Viele Router verstecken IPv6-Firewall-Regeln irgendwo zwischen „Experteneinstellungen“, „Internetfreigaben“ und „Bitte nicht anfassen, sonst ruft dich dein Haushalt böse an“.

Manche Router machen es ordentlich.

Manche eher nicht.

Manche Providergeräte wirken, als sei IPv6 nachträglich in die Oberfläche hineingefaltet worden.

Mit Gewalt.

Und einem Dropdown.


9. DNS und IPv6

Mit IPv6 wird DNS noch wichtiger.

Weil sich niemand diese Adressen merken möchte.

Für IPv4 nutzt man A-Records:

home.example.de.  A     203.0.113.42

Für IPv6 nutzt man AAAA-Records:

home.example.de.  AAAA  2001:db8:abcd:1203::42

Wenn ein Name sowohl A als auch AAAA hat, kann ein Client beide Wege nutzen.

Das ist Dual Stack auf DNS-Ebene.

Wichtig im Homelab:

Wenn dein IPv6-Prefix sich ändert, ändern sich auch deine IPv6-Adressen.

Das ist lästig.

Viele Provider vergeben wechselnde Prefixe.

Warum?

Weil sie können.

Und weil „stabiler Prefix für Kunden“ offenbar in manchen Produktabteilungen behandelt wird wie eine Sonderleistung mit Weihrauch.

Wenn dein Prefix wechselt, müssen DNS-Einträge angepasst werden.

Dafür braucht man DynDNS mit IPv6-Unterstützung.

Oder man nutzt ULA intern und veröffentlicht nur gezielt.

Oder man setzt auf VPN.

Oder man ärgert sich.

Alles valide Optionen.

Die letzte ist am verbreitetsten.


10. Homelab und IPv6

IPv6 im Homelab ist spannend.

Und manchmal sehr schön.

Man kann Dienste direkt adressieren.

Man kann saubere Subnetze bauen.

Man kann ohne IPv4-Portgefrickel arbeiten.

Man kann CGNAT umgehen, wenn man echtes IPv6 hat.

Ein Beispiel:

Du hast einen Server:

2001:db8:abcd:1203::42

Darauf läuft ein Webdienst auf Port 443.

Du setzt DNS:

service.example.de AAAA 2001:db8:abcd:1203::42

Dann erlaubst du in der Firewall:

TCP 443 -> 2001:db8:abcd:1203::42

Fertig.

Kein NAT.

Keine Portweiterleitung.

Keine interne Übersetzung.

Das ist schön.

Fast verdächtig schön.

Natürlich kommt dann TLS dazu.

Reverse Proxy.

DNS-01-Challenge, wenn Port 80 nicht erreichbar sein soll.

Firewall.

Updates.

Monitoring.

Und schon ist das schöne Setup wieder ein Hobby.

Aber technisch ist IPv6 für Selfhosting sehr interessant.

Vor allem für Menschen mit DS-Lite, die keine öffentliche IPv4 haben.

Wenn der Client IPv6 kann, kann er deinen Dienst erreichen.

Wenn nicht, braucht man Workarounds.

Und genau deshalb ist Dual Stack immer noch praktisch.

Eine reine IPv6-Veröffentlichung ist heute für manche Dienste okay, aber nicht für alles.

Denn es gibt immer noch Netze ohne brauchbares IPv6.

Ja.

Immer noch.

Wir leben in einer Welt, in der Kühlschränke online sind, aber manche Netze IPv6 behandeln wie Hexerei.


11. Typische Fehler

IPv6 ist nicht schwer.

Aber ungewohnt.

Und ungewohnt ist in der IT oft dasselbe wie „ich fluche erst mal“.

Fehler 1: IPv6 ist aktiv, aber Firewall falsch

Das Gerät hat eine IPv6-Adresse.

DNS zeigt darauf.

Von außen geht nichts.

Dann blockt die Firewall.

Gut.

Oder schlecht, je nach Absicht.

Prüfen:

ping6 service.example.de

Oder:

curl -6 https://service.example.de

Wenn DNS stimmt, aber der Dienst nicht antwortet, sind Firewall oder Dienstkonfiguration verdächtig.

Fehler 2: Dienst lauscht nicht auf IPv6

Ein Dienst kann auf IPv4 hören, aber nicht auf IPv6.

Dann bringt die schönste AAAA-Adresse nichts.

Prüfen:

ss -tulpen

Oder:

netstat -tulpen

Man sucht nach Einträgen wie:

:::443

Das bedeutet: hört auf IPv6.

Wenn dort nur steht:

0.0.0.0:443

ist das IPv4.

Je nach Anwendung muss man IPv6 explizit aktivieren.

Natürlich.

Warum sollte es einfach sein?

Fehler 3: DNS zeigt auf alten Prefix

Der Provider hat deinen Prefix geändert.

DNS zeigt noch auf den alten.

Alles tot.

Sehr schön.

DynDNS prüfen.

Prefix prüfen.

TTL prüfen.

Dann Kaffee.

Fehler 4: Privacy Extensions verwirren

Geräte können mehrere IPv6-Adressen haben:

  • stabile Adresse
  • temporäre Privacy-Adresse
  • Link-local-Adresse
  • vielleicht noch ULA

Das ist normal.

Aber verwirrend.

Ausgehende Verbindungen nutzen oft temporäre Adressen.

Für Serverdienste will man stabile Adressen.

Man sollte also nicht einfach irgendeine Adresse aus ip addr kopieren und hoffen, dass sie morgen noch da ist.

Hoffnung ist kein Netzwerkdesign.

Fehler 5: Link-local-Adressen falsch verwenden

IPv6-Link-local-Adressen beginnen mit:

fe80::

Sie gelten nur im lokalen Netzsegment.

Sie brauchen oft eine Interface-Angabe:

fe80::1234%eth0

Das sieht kaputt aus.

Ist aber korrekt.

Link-local ist wichtig für viele interne IPv6-Mechanismen.

Aber für öffentliche Dienste ist es nicht das, was du willst.

Wenn du fe80:: in öffentliche DNS-Einträge schreibst, solltest du den Router kurz aus der Hand legen und tief durchatmen.

Fehler 6: ICMPv6 blockiert

Bei IPv4 haben viele gelernt:

ICMP blocken.

Ping böse.

Alles böse.

Bei IPv6 ist ICMPv6 wichtiger.

Sehr wichtig.

Neighbor Discovery, Path MTU Discovery und andere Dinge hängen daran.

Wenn man ICMPv6 stumpf blockt, kann IPv6 auf sehr kreative Weise kaputtgehen.

Nicht sofort.

Nicht eindeutig.

Sondern so halb.

Und halb kaputt ist die schlimmste Art kaputt.

Es lädt manchmal.

Manche Seiten gehen.

Manche nicht.

Große Pakete spinnen.

Verbindungen hängen.

Debugging wird ein Hobby mit Puls.

Also:

ICMPv6 nicht einfach komplett wegballern, nur weil irgendein Security-Bauchgefühl aus 2004 noch nervös ist.


12. Warum IPv6 trotzdem nervt

IPv6 ist technisch sinnvoll.

Aber der Alltag ist nicht immer schön.

Warum?

Weil wir in einer Übergangsphase leben.

Und Übergangsphasen sind in der IT traditionell das Schlimmste aus beiden Welten.

Man hat IPv4 noch nicht los.

IPv6 ist noch nicht überall sauber.

Provider machen unterschiedliche Dinge.

Router können unterschiedlich viel.

Firewalls verstecken Einstellungen.

DynDNS ist mal gut, mal traurig.

Manche Geräte können IPv6, aber nur so halb.

Manche Dienste hören nicht auf IPv6.

Manche Admins deaktivieren IPv6 aus Reflex, weil sie es nicht verstehen.

Das ist besonders beliebt.

„IPv6 macht Probleme, ich schalte es aus.“

Ja.

Kann man machen.

Man kann auch die Sicherung rausdrehen, wenn die Lampe flackert.

Problem weg.

Licht auch.

IPv6 wird oft nicht deshalb deaktiviert, weil es schlecht ist.

Sondern weil es unbekannt ist.

Und unbekannt wirkt in der IT schnell wie Gefahr.

Natürlich gibt es echte Probleme.

Natürlich kann IPv6 schlecht implementiert sein.

Natürlich können Provider Mist bauen.

Natürlich sind wechselnde Prefixe im Homelab nervig.

Natürlich ist es mühsam, zwei Protokollwelten gleichzeitig zu betreiben.

Aber IPv6 dauerhaft zu ignorieren, ergibt keinen Sinn.

IPv4 ist voll.

NAT ist ein Workaround.

CGNAT wird mehr.

Und immer mehr Geräte, Dienste und Netze profitieren von sauberem IPv6.

Irgendwann muss man durch.

Besser heute mit Kaffee als morgen im Notfall.


13. Fazit

IPv6 ist nicht die ferne Zukunft.

IPv6 ist die Zukunft, die schon lange vor der Tür steht und inzwischen vermutlich eine Beschwerde beim Vermieter einreichen könnte.

IPv4 war gut.

IPv4 war wichtig.

IPv4 hat das Internet groß gemacht.

Aber IPv4 ist voll.

Und alles, was wir danach gebaut haben, war zu großen Teilen Flickwerk:

NAT.

Portfreigaben.

CGNAT.

Tunnel.

Workarounds.

Noch mehr NAT.

Noch mehr Tricks.

IPv6 bringt das Internet wieder näher an das zurück, was es eigentlich sein sollte:

Geräte mit eindeutigen Adressen.

Sauberes Routing.

Weniger Übersetzung.

Mehr Klarheit.

Aber eben auch mehr Verantwortung.

Ohne NAT-Versteckspiel braucht man saubere Firewalls.

Ohne private IPv4-Denke muss man DNS, Prefixe und Adressierung verstehen.

Ohne „läuft schon irgendwie“ braucht man ein bisschen Netzwerkdisziplin.

Das klingt anstrengend.

Ist es manchmal auch.

Aber es lohnt sich.

Gerade im Homelab.

Gerade bei Selfhosting.

Gerade bei DS-Lite und CGNAT.

Gerade dann, wenn man nicht mehr abhängig davon sein möchte, ob der Provider einem gnädig eine öffentliche IPv4 überlässt wie ein Museumsstück mit monatlicher Gebühr.

IPv6 ist nicht perfekt.

Aber IPv4 ist auch nicht perfekt.

IPv4 ist nur vertraut kaputt.

Und vertraut kaputt fühlt sich für viele besser an, als neu ungewohnt.

Das ist menschlich.

Aber technisch nicht besonders schlau.

Also:

IPv6 nicht abschalten.

Verstehen.

Firewall prüfen.

DNS sauber machen.

Prefixe im Blick behalten.

ICMPv6 nicht ermorden.

Und langsam daran gewöhnen, dass IP-Adressen jetzt aussehen wie Seriennummern aus einem Science-Fiction-Film.

Das Internet wird nicht einfacher.

Aber wenigstens geht uns mit IPv6 nicht sofort die Adresse aus.

Kleine Siege.

Mit Doppelpunkten.

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