KI frisst den RAM. Und wir sollen applaudieren.
Wann platzt diese KI-Blase eigentlich?
Nicht philosophisch.
Nicht „wird KI die Menschheit ersetzen?“
Nicht „kann ein Chatbot bald meine Steuererklärung machen, mich therapieren und nebenbei eine mittelmäßige PowerPoint bauen?“
Sondern ganz banal:
Wann merkt irgendwer, dass diese ganze Nummer gerade anfängt, sich selbst die Hardware unterm Hintern wegzufressen?
Die KI-Industrie kauft Speicher.
Viel Speicher.
Absurd viel Speicher.
HBM für GPUs. DRAM für Server. NAND für Infrastruktur. Alles, was irgendwie Bits halten kann, wird in Richtung Rechenzentrum gezogen wie Bürokaffee in Richtung müder Admin.
Und unten im normalen Markt?
RAM wird teurer.
PCs werden teurer.
Smartphones werden teurer.
Hersteller überlegen, wo sie sparen können.
Und der Endkunde steht irgendwann im Laden und fragt sich, warum ein mittelmäßiger Laptop plötzlich preislich so tut, als hätte er persönlich an der Mondlandung mitgearbeitet.
Morgan Stanley warnte jüngst vor „Chipflation“: Speicherpreise seien innerhalb eines Jahres teils stark gestiegen, getrieben durch die Nachfrage großer Tech-Konzerne nach KI-Infrastruktur; Speicherhersteller priorisieren margenstarke Rechenzentrumsprodukte, während PC-, Smartphone- und Elektronikhersteller unter Druck geraten.
Natürlich.
Weil die Zukunft offenbar erst einmal alles leer kauft, was Gegenwart noch gebraucht hätte.
Das Absurde daran ist dieser wunderschöne Kreisverkehr der Dummheit:
KI braucht Rechenzentren.
Rechenzentren brauchen Speicher.
Speicher wird knapp.
Endgeräte werden teurer oder schlechter ausgestattet.
Endkunden kaufen weniger oder behalten alte Geräte länger.
Und dann sollen genau diese Endkunden überall KI nutzen.
Auf welchem Gerät denn?
Auf dem alten Laptop mit 8 GB RAM und Lüftergeräusch wie ein Föhn im Todeskampf?
Auf dem Smartphone, das nach drei App-Updates schon klingt, als würde es innerlich Kündigung schreiben?
Auf dem günstigen PC, der nicht mehr günstig ist, weil die KI-Party den Speicher vorher weggebuffet hat?
Das ist kein Ökosystem.
Das ist ein fataler Kreis mit PowerPoint-Folie.
Die Branche redet von „AI everywhere“.
Überall KI.
In Windows.
Im Browser.
Im Handy.
Im Auto.
Im Kühlschrank wahrscheinlich auch, weil der Joghurt künftig offenbar nicht mehr ohne neuronale Netze schlecht werden darf.
Aber wenn die Hardware dafür unbezahlbar wird, bleibt von „AI everywhere“ irgendwann nur noch „AI somewhere“ übrig.
Nämlich dort, wo sehr große Konzerne sehr große Hallen voller GPUs betreiben.
Der Rest darf dann abonnieren.
Natürlich.
Willkommen in der Zukunft: Deine lokale Hardware wird teurer, weil die Cloud mehr Speicher braucht, damit du später über ein Abo Dinge tun kannst, die früher lokal vielleicht einfach funktioniert hätten.
Fortschritt.
Mit Monatsgebühr.
Besonders charmant ist, dass viele KI-Firmen und Tech-Konzerne gleichzeitig erzählen, wie demokratisierend das alles sei.
KI für alle.
Produktivität für alle.
Kreativität für alle.
Zugang für alle.
Klar.
Für alle mit Kreditkarte, schnellem Internet, ausreichend Strom, passender Hardware und einem Endgerät, das nicht beim Öffnen eines KI-Features kurz nach seinem Anwalt fragt.
Gleichzeitig warnen Branchenverbände in den USA, dass die Speicherknappheit durch KI-Rechenzentren Preise und Lieferketten auch bei Autos, Elektronik, Telekommunikation und medizinischen Geräten treffen kann. Also nicht nur „Gaming-PC wird teuer“, sondern echte Industriebreite.
Schön.
Die KI-Welle frisst also nicht nur Grafikkarten, sondern drückt gleich in die ganze Lieferkette.
Man muss diese Effizienz bewundern.
Nicht gut finden.
Aber bewundern.
Und dann diese typische Tech-Logik:
Erst wird alles künstlich knapp.
Dann steigen die Preise.
Dann heißt es: Der Markt regelt.
Der Markt.
Diese praktische Nebelmaschine, wenn niemand Verantwortung sagen möchte.
Speicherhersteller freuen sich, weil Rechenzentren hohe Margen bringen. Cloud- und KI-Konzerne sichern sich Kapazitäten langfristig. Normale Gerätehersteller dürfen sehen, wo sie bleiben. Und Endkunden bezahlen am Ende den Aufpreis oder bekommen Geräte mit weniger Ausstattung.
Aber hey.
Dafür kann der Laptop dann vielleicht eine Taste haben, die einen Chatbot öffnet.
Wunderbar.
Eine KI-Taste auf einem Gerät, das wegen KI teurer wurde.
Das ist so dumm, dass es schon wieder nach Strategie klingt.
Natürlich ist KI nicht nur Quatsch.
Natürlich gibt es sinnvolle Anwendungen.
Medizinische Analyse. Barrierefreiheit. Code-Unterstützung. Forschung. Automatisierung. Übersetzung. Mustererkennung. Datenarbeit. Alles geschenkt.
Aber der aktuelle Hype ist größer als der Nutzen, lauter als die Vernunft und hungriger als die Lieferkette.
Jede Firma will KI.
Jedes Produkt braucht KI.
Jede Präsentation hat KI.
Jeder Kühlschrank bekommt vermutlich bald „AI Freshness Intelligence“, damit er dir mitteilt, dass die Gurke traurig aussieht.
Und irgendwo im Hintergrund werden Speicherchips in Rechenzentren geschoben, als gäbe es keine anderen Geräte auf diesem Planeten.
Das erinnert alles sehr an Goldrausch.
Nur dass nicht alle Gold finden.
Aber alle Schaufeln kaufen müssen.
Und RAM ist gerade die Schaufel.
Die Frage ist nicht, ob KI bleibt.
KI bleibt.
Die Frage ist, welche Teile des Hypes übrig bleiben, wenn die Rechnung kommt.
Stromrechnung.
Wasserrechnung.
Hardware-Rechnung.
Abo-Rechnung.
Umweltrechnung.
Und eben die ganz simple Endkundenrechnung:
Warum kostet mein Gerät plötzlich mehr?
Warum hat es weniger Speicher?
Warum soll ich KI nutzen, wenn KI vorher dafür gesorgt hat, dass die Hardware dafür teurer wurde?
Das ist der Punkt, an dem der Kreis sich selbst in den Hintern beißt.
Eine Technologie, die angeblich überall ankommen soll, darf nicht die Grundlage leer kaufen, auf der „überall“ überhaupt läuft.
Sonst haben wir am Ende riesige Rechenzentren, großartige Demo-Videos, Aktienkurse mit Höhenangst und normale Menschen, die ihre alten Geräte länger benutzen, weil neue Geräte preislich wieder aussehen wie Leasingentscheidungen.
Und dann wundert sich die Branche.
Warum nutzen die Leute das nicht mehr?
Warum kaufen sie keine neuen Geräte?
Warum ist die Akzeptanz so schwierig?
Vielleicht, weil „KI für alle“ schlecht funktioniert, wenn „alle“ erst einmal die Speicherinflation mitfinanzieren dürfen.
Vielleicht, weil nicht jeder Lust hat, ein teureres Gerät zu kaufen, damit ein Konzern seine Cloud-Marge pflegen kann.
Vielleicht, weil der Nutzen im Alltag oft noch nicht größer ist als die Zumutung drumherum.
Und vielleicht, ganz verrückter Gedanke, weil Menschen irgendwann merken, dass nicht jede Zukunft automatisch gut ist, nur weil sie in einem Rechenzentrum blinkt.
Wann platzt die KI-Blase?
Keine Ahnung.
Blasen platzen selten dann, wenn es offensichtlich wäre. Sie platzen dann, wenn genug Leute gleichzeitig merken, dass die Versprechen schneller gewachsen sind als der Boden darunter.
Bei KI könnte dieser Boden ziemlich konkret sein:
Speicher.
Strom.
Hardware.
Geld.
Und Geduld.
Vor allem Geduld.
Denn im Moment wirkt es so:
Die KI-Industrie kauft den RAM leer.
Die Geräte werden teurer.
Die Nutzer sollen trotzdem KI nutzen.
Die Hersteller bauen KI-Features ein.
Die Cloud kassiert.
Und alle nennen es Fortschritt.
Ich nenne es:
Ein fataler Kreis.
Mit Lüftergeräusch.
Und sehr viel Investorenfantasie.
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