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WM, Fußball und das große Brimborium

CODEundKRAM June 3, 2026
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Es ist wieder Fußball. Also nicht einfach Fußball. Nicht: 22 Menschen, ein Ball, zwei Tore, bisschen Rasen, fertig. Nein. Es ist wieder dieses große Fußball-Brimborium. WM-Gedöns. Nationalgefühl aus der Dose. Sponsorenflächen mit Ballkontakt. Menschen in Trikots, die plötzlich über Taktik reden, obwohl sie sonst schon bei der Fernbedienung die Übersicht verlieren. Und überall diese künstliche Bedeutung. Als würde nicht einfach ein Turnier stattfinden, sondern eine planetare Sinnsuche mit Halbzeitshow. Natürlich darf man Fußball mögen. Soll jeder machen. Wer Spaß daran hat, bitte. Aber dieses ganze Theater drumherum ist inzwischen kaum noch zu ertragen. Jedes Spiel wird zum Ereignis aufgeblasen. Jede Pressekonferenz zur Staatsaffäre. Jede Verletzung zur nationalen Tragödie. Jeder mittelmäßige Pass zur „Botschaft an die Konkurrenz“. Und wenn jemand sagt, dass ihn das alles nicht interessiert, reagieren manche, als hätte man gerade öffentlich den Grillabend beleidigt. „Wie, du guckst nicht?“ Nein. Ich überlebe. Knapp, aber tapfer. Besonders schön ist das WM-Gefühl. Dieses merkwürdige gesellschaftliche Ritual, bei dem plötzlich wieder alles schwarz-rot-gold dekoriert wird, als hätte ein Baumarkt einen Nervenzusammenbruch mit Autofähnchen. Bäckereien backen Nationalbrötchen. Supermärkte verkaufen Fanwürste. Getränkemärkte stapeln Sondereditionen. Fernsehsender tun so, als sei jeder Vorbericht ein historisches Dokument. Und irgendwo sagt jemand mit ernster Stimme: „Jetzt zählt nur der Teamgeist.“ Nein. Jetzt zählt vor allem Werbezeit. Fußball ist längst nicht mehr nur Sport. Fußball ist eine Maschine. Eine riesige, ölende, glänzende, selbstgerechte Maschine aus TV-Rechten, Sponsoren, Verbänden, Merchandising, Wettanbietern, politischen Händeschüttlern und Menschen, die „die Fans“ sagen, wenn sie eigentlich „die Zahlungsbereitschaft“ meinen. Die FIFA sitzt dabei natürlich wie ein sehr gut bezahlter Zeremonienmeister in der Mitte und erklärt der Welt regelmäßig, dass es um Werte geht. Werte. Klar. Welche genau? Kontostand? Reichweite? Hospitality-Paket? Premium-Partner-Integration? Man weiß es nicht. Aber es klingt wichtig. Und dann dieses Pathos. „Für das Land.“ „Für die Fans.“ „Für die Geschichte.“ „Für den Traum.“ Am Ende spielen Profis, die mehr verdienen als ganze Straßenzüge, in Stadien, die von Sponsoren tapeziert sind, vor Kameras, die jeden Schweißfleck in 4K melken, während drumherum alle so tun, als sei das noch eine romantische Volkssache. Fußball fürs Volk. Präsentiert von 19 globalen Konzernen, einer Wettplattform und einer Getränkemarke, die aus Wasser ein Lifestyleproblem gemacht hat. Schön. Sehr bodenständig. Und wehe, man kritisiert das. Dann heißt es sofort: „Du bist halt kein Fan.“ Doch, vielleicht genau deshalb. Vielleicht kann man ein Spiel mögen und den Zirkus hassen. Vielleicht kann man Fußball mögen und trotzdem keine Lust auf dieses aufgepumpte WM-Theater haben. Vielleicht ist es sogar gesünder, wenn man zwischen Sport und Spektakel unterscheiden kann. Ein gutes Spiel braucht keine zwölf Expertenrunden, keine patriotische Dauerbeschallung, keine künstliche Heldengeschichte, keine Sonderedition Chips „Stadion Style“ und keine Doku darüber, wie schwer der Weg des dritten Torwarts war. Ein gutes Spiel braucht zwei Teams. Einen Ball. Und im Idealfall einen Schiedsrichter, der nicht wirkt, als hätte ihm ein VAR-Monitor gerade die Seele herausgesaugt. Aber das reicht natürlich nicht mehr. Alles muss größer sein. Lauter. Teurer. Emotionaler. Vermarktbarer. Selbst ein 0:0 wird noch als „intensives taktisches Duell“ verkauft, obwohl man auch sagen könnte: War halt langweilig. Aber Ehrlichkeit ist im Fußballgeschäft ungefähr so beliebt wie Montagsspiele. Am Ende ist die WM vor allem ein riesiger globaler Werbeblock mit sportlichen Unterbrechungen. Man darf ihn schauen. Man darf ihn feiern. Man darf mitfiebern. Alles okay. Aber bitte tun wir nicht so, als sei das Ganze noch unschuldiger Sport mit bisschen Fahne und Gemeinschaftsgefühl. Es ist ein Geschäft. Ein sehr großes. Ein sehr lautes. Ein sehr klebriges. Und alle paar Jahre sollen wir wieder brav so tun, als sei das Konfetti nicht aus Geldscheinen geschnitten. Ich passe. Nicht beim Spiel unbedingt. Aber beim Brimborium. Beim künstlichen Pathos. Beim Fanartikel-Fieber. Beim WM-Schrott im Supermarkt. Bei diesem ganzen „Jetzt sind wir alle ein Team“-Gelaber, das spätestens an der Kasse endet, wenn die Fanbox 19,99 Euro kostet. Fußball kann schön sein. Die WM-Maschine drumherum ist es oft nicht. Sie ist laut. Sie ist teuer. Sie ist aufgeblasen. Und sie riecht verdächtig nach Sponsorenvertrag mit Rasenoptik.

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