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"description": "Der ESC war mal schrill, lustig und irgendwie besonders. Inzwischen wirkt vieles wie ein sehr lauter Betriebsunfall mit Nebelmaschine, Punktetabelle und politischem Beigeschmack.",
"path": "/esc-glitzer-pathos-und-der-geruch-von-langst-kaltem-konfetti/",
"publishedAt": "2026-05-16T19:00:45.000Z",
"site": "https://codeundkram.de",
"textContent": "Der ESC ist auch nur noch eine sehr laute Resteverwertung von Glitzer.\n\nFrüher war das mal charmant.\n\nSchräg.\nÜberdreht.\nManchmal peinlich.\nManchmal großartig.\nOft beides im selben Refrain.\n\nMan saß davor, wunderte sich über Kostüme, Bühnenbilder, Windmaschinen und Länder, die Punkte vergaben, als hätten sie noch offene Rechnungen aus dem Mittelalter.\n\nDas war Teil des Spaßes.\n\nHeute fühlt sich vieles nur noch müde an.\n\nNicht leise müde.\n\nNatürlich nicht.\n\nESC-müde ist laut, blinkt, brennt im Hintergrund und hat irgendwo jemanden auf einer LED-Treppe stehen, der in drei Sprachen leidet.\n\nAlles ist Bedeutung.\nAlles ist Botschaft.\nAlles ist „Performance“.\nNichts darf einfach nur ein Song sein.\n\nEin Lied kommt nicht mehr auf die Bühne. Es wird als Konzept angeliefert.\n\nMit Nebel.\nMit Symbolik.\nMit verletzlicher Stärke.\nMit Empowerment.\nMit einem Tänzer, der aussieht, als würde er gerade gegen unsichtbare Möbel kämpfen.\n\nUnd am Ende klingt trotzdem die Hälfte wie Musik aus einem Trailer für ein Streaming-Drama, das nach einer Staffel abgesetzt wird.\n\nDer ESC will gleichzeitig Musikshow, Politbarometer, queeres Hochamt, europäischer Familienabend, Social-Media-Meme-Maschine und moralischer Stuhlkreis sein.\n\nDas ist viel.\n\nZu viel.\n\nIrgendwann ist selbst Glitzer erschöpft.\n\nNatürlich gibt es immer noch gute Beiträge. Natürlich gibt es Momente, die hängen bleiben. Natürlich kann man sich das anschauen, wenn man Lust auf kollektives Kopfschütteln mit Chips hat.\n\nAber dieses große ESC-Gefühl?\n\nDas wirkt inzwischen wie ein Luftballon vom letzten Stadtfest.\n\nHängt noch irgendwo.\n\nSieht bunt aus.\n\nIst aber längst weich.\n\nUnd Deutschland macht natürlich auch mit. Meistens mit dieser besonderen Mischung aus Hoffnung, Fremdscham und der Frage, wer eigentlich entschieden hat, dass das jetzt eine gute Idee war.\n\nDann gibt es wieder null Punkte, wenige Punkte, zu wenige Punkte oder irgendein Ergebnis, bei dem anschließend drei Tage lang erklärt wird, dass Europa uns einfach nicht versteht.\n\nVielleicht versteht Europa uns sehr gut.\n\nVielleicht ist nur nicht jeder Song automatisch mutig, weil er vorher in einer Pressekonferenz so genannt wurde.\n\nDer ESC ist nicht tot.\n\nDafür ist er zu laut.\n\nAber er ist ausgelutscht.\n\nEin riesiger, blinkender Dauerbetrieb aus Pathos, Politik, Pop und Punkteschieberei, bei dem alle so tun, als sei das noch frisch, während im Hintergrund die Nebelmaschine um Gnade bittet.\n\nMan kann das mögen.\n\nMan kann das feiern.\n\nMan kann sich jedes Jahr wieder davor setzen und sagen: „Ach komm, vielleicht wird’s ja diesmal gut.“\n\nDas ist erlaubt.\n\nMenschen schauen ja auch freiwillig Baumarktwerbung.\n\nAber bitte nennen wir es nicht mehr magisch.\n\nEs ist Fernsehen mit Glitzerkater.\n\nUnd der Refrain ist längst durch.",
"title": "ESC: Glitzer, Pathos und der Geruch von längst kaltem Konfetti",
"updatedAt": "2026-05-16T21:00:45.099Z"
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