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Merz und die krebskranke Bürgerin: Empathie war nicht im Regierungsprogramm

CODEundKRAM May 4, 2026
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Eine krebskranke Bürgerin stellt eine Frage. Keine Showfrage. Kein politisches Fangspiel. Kein Parteitagsgebrüll mit vorbereitetem Applaus. Einfach ein Mensch, der krank ist und wissen will, warum Politik ausgerechnet dort kalt wird, wo Menschen ohnehin schon zittern. Und dann kommt Merz. Nicht als Zuhörer. Nicht als Regierungschef mit einem Rest Gefühl im Werkzeugkasten. Sondern als lebende Antwort darauf, was passiert, wenn man Empathie durch Verwaltungsdeutsch ersetzt und anschließend noch kurz drüberbügelt. Natürlich muss Politik nicht jeden Schmerz sofort wegmoderieren. Natürlich sind Haushalte kompliziert. Natürlich kann man nicht jede Antwort mit „Ich verstehe Sie“ zukleistern und danach nichts tun. Aber man könnte ja mal anfangen mit: zuhören. Kurz. Einfach so. Ohne direkt den inneren Oberlehrer aus dem Kofferraum zu holen. Diese Frau steht da nicht als Excel-Zeile. Nicht als Kostenstelle. Nicht als Belastung im Gesundheitssystem. Sie steht da als Mensch. Und genau an diesem Punkt trennt sich Politik von Machtdemonstration. Wer bei Krebs nicht kurz weich werden kann, sollte vielleicht nicht ständig von Verantwortung reden. Denn Verantwortung ist nicht nur, Zahlen vorzulesen und streng zu gucken. Verantwortung ist auch, den Ton zu treffen, wenn jemand vor einem steht, der gerade nicht theoretisch leidet. Aber gut. Bürgerdialog heißt offenbar: Bürger dürfen sprechen, solange sie nicht zu menschlich werden. Danach übernimmt wieder die Sachlichkeit. Diese schöne, kalte Sachlichkeit, mit der man alles erklären kann. Sogar, warum Mitgefühl gerade leider nicht verfügbar war.

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