Finaltag der Amateure: TSV Schott Mainz vs FK 03 Pirmasens 2:1 – 23.5.2026
Am Tage des DFB-Pokal-Finales gab es wieder den so genannten »Finaltag der Amateure« mit den Endspielen in den Verbandspokal-Wettbewerben. Das Finale des Südwestdeutschen Fußballverbandes SWFV, der für den südlichen »Pfalz«-Teil des Landes Rheinland-Pfalz zuständig ist, fand westlich des Rheines im Pfälzer Weingarten statt. Bald-Regionalliga-Absteiger TSV Schott Mainz traf auf den Oberligisten FK Pirmasens und gewann dank eines »Last-Minute-Treffers« in der Nachspielzeit mit 2:1…
Etikettenschwindel: Finaltag der »Amateure«
Seit 2015 werden die Verbandspokal-Endspiele am Tag des DFB-Pokalfinales ab 11:30 Uhr am Morgen fernsehgerecht aufbereitet in der ARD gezeigt und müssen deshalb (bis auf wenige Ausnahmen wie Niedersachsen II) am selben Tag stattfinden.
Finaltag der Amateure ist natürlich ein großer Etikettenschwindel. Da es in Deutschland mit den Bundesligen und der 3. Liga schon 56 Profi-Teams gibt und die erste Hauptrunde im DFB-Pokal wg. der schrecklichen »Belastung« der Profiteams nur mit 64 Teams ausgetragen wird, müssen alle Drittligisten ab Rang 5 in ihren Verbandspokalen mitspielen und sich gegen Landes-, Verbands- und Oberligisten für den Pokal qualifizieren. Was die Wettbewerbe dort relativ witzlos macht, da sich die Profiteams meistens durchsetzen. Lustig ist daran nur, dass heruntergewirtschaftete »Traditionsvereine« (wie z.B. 1860 München, obwohl, die arbeiten ja an der Reamateurisierung…) aus Dritter und Regionalliga an einem »Finaltag der Amateure « antreten müssen…
Verbandspokal Südwest
Im Verbandspokal des Südwestdeutschen Fußballverbandes SWFV traten 25/26 145 Teams an. Rekordsieger ist Mainz 05 mit 8 Titeln (davon 5 für die Zweite Mannschaft), auch der zweite Pfälzer Großklub 1. FC Kaiserslautern hat den Südwestpokal bei seinen Ausflügen in die Niederungen der Dritten Liga zweimal geholt.
In den letzten vier Wettbewerben vor dem Finale seit 2021 hatten dreimal der TSV Schott Mainz und einmal der FK Pirmasens den güldenen Pokal geholt. Und genau diese beiden standen sich auch im Finale 25/26 gegenüber.
TSV Schott Mainz
Mainz ist der Hauptsitz der Schott AG, einem Technologiekonzern, der Produkte aus Spezialglas und Glaskeramik produziert. In der Nachbarschaft des Werks in Mainz findet man nicht nur das alte Bruchwegstadion von Mainz 05, sondern auch den TSV Schott Mainz, der 1953 als Betriebssportgemeinschaft der Schott AG gegründet wurde.
Heute ist der TSV ein Breitensportverein mit 4.000 Mitgliedern und zahlreichen Sportarten im Angebot, von American Football (die Mainz Golden Eagles) bis Wintersport. Und auch eine Fußballabteilung, die Ende der 2000er-Jahre den Sprung vom lokalen Amateurteam in die höheren Ligen schaffte und seit Mitte der 2010er-Jahre den »Fahrstuhl« zwischen Ober- und Regionalliga fährt. In der aktuellen Regionalliga-Saison 2025/26 ging es als Aufsteiger aus der Oberliga gleich wieder mit dem Fahrstuhl hinunter. Aber immerhin stand das Team des jungen Trainers Samuel Horozovic mal wieder im Verbandspokalfinale!
Fun Fact: TSV Schott Mainz spielte auch einmal in der Bundesliga! Allerdings im Schach…
FK 03 Pirmasens
Gegner Fußballklub 03 Pirmasens ist alter »Fußballadel« aus den Zeiten der vor 1963 erstklassigen Oberliga Südwest und wäre fast als Gründungsmitglied in der Bundesliga gelandet, wenn nicht der damaliga DFB-Präsident Herrmann Neuberger lieber seinen Heimatklub 1. FC Saarbrücken als zweiten Südwest-Vertreter nach Kaiserslautern durchgedrückt hätte…
Nach Jahren in den damaligen Zweiten Ligen gab es in Pirmasens seit 1978 nur noch Oberliga und Regionalliga zu sehen, letzteres zuletzt von 2018 bis 2022. Aktuell steht das Team von Trainer Daniel Paulus in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar vor dem letzten Spieltag als Zweiter mitten im Aufstiegskampf in die Regionalliga. Und im Finale des Südwestpokals!
Finalort: Das Pfälzer Weingarten
Ort des Finales war die »Weingarten-Arena« im pfälzischen Örtchen (1.900 Einwohner) Weingarten, nicht zu verwechseln mit »unserem« badischen Weingarten (es gibt sowieso ziemlich viele Orte die Weingarten heißen).
Dort befindet sich, mitten im ruralen »Nichts« der Pfalz, der Ground des SV 07 Weingarten. Eigentlich ist es nur ein Rasengeviert, das rundherum von einem zweistöckigem bewachsenen Wall umgeben ist, der ein wenig nach »Tierweide« aussieht. In die Mitte hat man ein prächtiges Funktionsgebäude mit einer modernen Tribüne gebaut, die Platz für gut 500 Leute bietet.
Das erstaunlich üppige Stadion ist ein Relikt aus den 2000er-Jahren, in denen der Vorgängerverein SV Weingarten 1946 von 1998 bis 2002 einen von Mäzengeldern finanzierten Durchmarsch von der Bezirksliga in die Oberliga hinlegte und ob der höherklassigen Ambitionen das Stadion auf den noch heute sichtbaren Stand ausbaute.
Was dann u.a. dazu führte, dass der Verein 2005 mit einer Insolvenz ein jähes Ende fand und zwei Jahre später als »SV 07 Weingarten« neu gegründet wurde. Wie man das halt so macht im Fußball. Der »neue« SV spielt aktuell in der B-Klasse…
Randaspekte-Exkurs: Ein unangenehm schlecht organisiertes Finale
Die Organisation des Finales in Weingarten ließ leider sehr zu wünschen übrig.
Zunächst einmal gab es einen Einlass mit Ordnern eines Sicherheitsdienstes, die ein »Security-Theater« aufführten, als wäre das Verbandspokal-Finale »Regionalliga gegen Oberliga« ein Hochsicherheits-Derby wie Gladbach gegen Köln oder KSC gegen VfB. Beim ersten richtig heißen Sommertag des Jahres wurden z.B. älteren Herren mit ihren Enkeln die Wasserflaschen abgenommen. Alles wurde genauestens abgetastet und durchsucht. Ein unsägliches Gebaren der »Ordner«, was für ein solches Spiel zweier Halbamateur-Teams mit knapp 1.500 Zuschauern völlig unangemessen war.
Drinnen wartete ein Gewirr aus Absperrungen und schmalen Durchgängen. Und eine aus unbekannten Gründen gesperrte(!) Gegengerade, alle sollten wohl für ein schönes TV-Bild auf die Seite mit der Sonne im Gesicht. Dazu waren die normalen Durchgänge am Spielfeldrand gesperrt und alle mussten die komischen Erdwälle hochkraxeln, um sich dort über die etwa 50 Zentimeter breiten ebenen Wege, auf denen schon Leute standen, fortzubewegen. Tolle Sache für Leute, die nicht mehr gar so mobil sind oder Kinder dabei haben…
Der Höhepunkt: Während des Spiels zündete ein etwas seltsam gewandeter Ultra-Typ der Mainzer einen kleinen Bengalo, woraufhin sich gleich drei Leute des »Fachpersonals« der Security in unangemessener Weise auf ihn stürzten und rausführten. Hier im Hause ballreiter ist man bekanntlich nicht gerade ein Fan des Ultra-Getues im Fußball, aber das war völlig unverhältnismäßig.
TSV Schott Mainz vs FK 03 Pirmasens
Offiziell 1.512 Fans waren am ersten richtig heißen 30-Grad-Tag des Jahres dabei, viel mehr hätten es ob der seltsamen Erdwälle und gesperrten Durchgänge auch nicht sein dürfen…
Beide Fanseiten hinter den Toren sorgten für gute Stimmung, was gerade bei Schott Mainz, die sonst auf ihrem Kunstrasenplatz Verbandsliga-Kulissen von 200 bis 300 Leuten anziehen, ein wenig überraschte.
Die Pirmasens-Seite neckte die Mainzer mit »Absteiger, Absteiger«-Rufen, woraufhin es von Mainzer Seite »Wir sind eure Hauptstadt ihr Bauern!« als Antwort gab…
Auf dem Rasen war das Match zwar offen, aber mit wenigen guten Torgelegenheiten. Eine davon nutzte TSV Schott in der 21. Minute zur 1:0-Führung. Nach einer unzureichend geklärten Ecke für Mainz kam der Ball per Kopfball-Stafette zurück auf das Tor, wo Pirmasens-Keeper Reitz nur gemeinsam mit der Latte nach vorne abklatschen lassen konnte. Jan Christoph Just staubte am Fünfer ab…
Aber die Führung hielt nur 9 Minuten. In der 30. Min. setzte Nico Wiltz die Kugel mit einem gekonnten Fernschuss aus der Drehung aus gut 20 Metern zum 1:1 ins Mainzer Tor.
Das 1:1 war auch der Halbzeitstand. Nach der Pause wurde das Spiel ob der Hitze und des Finalcharakters ein wenig zäh. Schiri Dunsbach hatte das Match an der »langen Leine« geführt, was sich mit zunehmender Spielzeit rächte. Ein »rustikaler« Zweikampfstil und ein Hang zu den sprichwörtlichen »kleinen Nickligkeiten« prägten mit ständigen Freistößen, endlosen Diskussionen und Behandlungspausen das Geschehen.
So verrann die Zeit und als die Nachspielzeit anbrach und alle ob der Hitze bei der Aussicht auf eine Verlängerung leicht aufstöhnten, legte Schott Mainz den besten Angriff der 2. Halbzeit hin. Nach einem langen Abschlag setzte sich Roden auf dem rechten Flügel durch. Über zwei Stationen landete das Spielgerät am Elferpunkt bei Etienne Felicien Portmann, der wohlüberlegt ins Eck zum massivst bejubelten 2:1-Siegtreffer traf…
Damit holte TSV Schott Mainz zum vierten Mal in fünf Jahren den Südwestpokal und darf sich mit der Aussicht auf die Erste Hauptrunde im DFB-Pokal über den anstehenden Regionalliga-Abstieg hinwegtrösten…
Fazit: Ein durchaus spannender Pokalfight, der in der zweiten Halbzeit zunehmend verflachte, in einem eigentümlichen Stadion. Leider getrübt von den organisatorischen Unzulänglichkeiten des ausrichtenden Verbandes…
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