Ausflug nach Württemberg: VfL Nagold vs TuS Ergenzingen 6:1 – 20.5.2026
Ein Ausflug in exotische Gefilde: In Nagold, jenseits der badischen Grenze in Württemberg liegend, traf der heimische VfL auf den schon als Absteiger feststehenden TuS Ergenzingen und schenkte diesem mit 6:1 ein halbes Dutzend Tore ein. Ob des »etwas« einseitigen Spielverlaufes blieb genug Zeit, sich das hübsche Stadion in Nagold anzuschauen…
Nagold
Die Große Kreisstadt Nagold liegt im württembergischen Teil des Nordschwarzwalds am Einfluss der Waldach in die Nagold (den namensgebenden Fluss, der mitten in Pforzheim in die Enz mündet). Der 23.800-Einwohner-Ort wurde zur Zeit Karls des Großen 786 erstmals erwähnt und soll schon in der Jungsteinzeit besiedelt gewesen sein. Seit 1981 ist Nagold »Große Kreisstadt« und lt. offiziellem Stadtporträt ein »attraktiver Wirtschaftsstandort«:
»Unter dem Motto ›grüne Urbanität‹ zeichnet sich (…) ein stimmiges Bild einer Stadt, in der sich modernes, quirliges Stadtleben mit traumhaften Naturerlebnissen verbindet.«
VfL Nagold
Selbstverständlich findet man inmitten des »modernen quirligen Stadtlebens« von Nagold auch Zeit zum Fußballspielen, sonst wären wir ja auch nicht hingefahren! Beim Verein für Leibesübungen treibt man seit 1847 allerlei Sport, was 2022 zum 175. Jubiläum ausgiebig zelebriert wurde. Fußball wird in Nagold seit 1911 gespielt. Wie so viele klassische Sportvereine wollte der VfL nix von Fußball wissen, weshalb der FC Nagold als eigenständiger Fußballclub gegründet wurde. 1934 wurde der FC unter NS-Herrschaft mit dem VfL zwangsvereinigt. Was man dann nach dem Krieg beibehielt.
Heute ist der VfL ein ziemlich breit aufgestellter Sportverein mit 17 Abteilungen von Frauengymnastik bis Schwertkampf. Die Fußballer sind eine »Fahrstuhlmannschaft« zwischen Landes- und Verbandsliga und spielen seit dem letzten Verbandsliga-Abstieg 2023 in der Landesliga Württemberg Staffel 3.
Gespielt wird im prächtigen »Reinhold-Fleckenstein-Stadion«, das eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Der FC Nagold bezog 1926 den Ground an der Calwer Straße, wo auch 100 Jahre später noch gespielt wird. Nach der Zwangsfusion 1934 wurde das Stadion modernisiert und bekam eine Aschenbahn rund um das Spielfeld. Auf dieser wurden sogar Radrennen ausgetragen.
1961 kam unter der Ägide des Bürgermeisters Eugen Breitling das Funktionsgebäude dazu. Nach ihm wurde das Stadion schließlich auch benannt (auf Europlan findet man noch ältere Bilder des damaligen Eugen-Breitling-Stadions).
2013/14 erhielt das Stadion schließlich sein heutiges Aussehen, nicht zuletzt dank einer umfangreichen Zuwendung des Nagolder Unternehmers Reinhold Fleckenstein (»Angels Jeans«). Im Gegenzug ging für 40 Jahre das Namensrecht an ihn und das Stadion heißt deshalb seit 2014 »Reinhold-Fleckenstein-Stadion«.
Das Stadion verfügt über eine leuchtend blaue Laufbahn und andere Leichtathletik-Anlagen, einen Kunstrasen-Nebenplatz und hat sogar eine kleine Tribüne auf der Gegengerade. Diese ist in »Baukastenform« wie bei der Europameisterschaft 2008 gebaut und könnte bei Bedarf unaufwändig erweitert werden.
Ein sehenswertes Stadion umgeben von den bewaldeten Höhenzügen des nördlichen Schwarzwalds. Auch wenn natürlich Laufbahnen bei Fußballspielen immer ein wenig stören.
VfL Nagold vs TuS Ergenzingen 6:1
Die Landesliga wird in Württemberg, wie bei uns in Baden, in mehreren Staffeln ausgespielt. Nur tragen diese keine coolen Namen (oder ist »Landesliga Mittelbaden« etwa uncool?), sondern werden einfach von 1 bis 4 durchnummeriert. In der »Landesliga Württemberg Staffel 3« spielt der VfL Nagold und steht vier Spieltage vor Saisonende im oberen Mittelfeld ohne Ambitionen nach oben oder Sorgen nach unten.
Gegner im vorgezogenen Spiel des 32. Spieltags war der Turn- und Sportverein aus Ergenzingen, einem 11 km von Nagold entfernt liegenden Ortsteil von Rottenburg am Neckar. Der TuS gehört eigentlich zum Stammpersonal der Bezirksliga (entspricht der Kreisliga im bfv), stieg aber in den letzten 20 Jahren immer mal wieder in die Landesliga auf, nur um nach einer Saison gleich wieder abzusteigen. So auch 2025/26, als Vorletzter mit 10 Punkten Rückstand auf die »Rettung« stand Aufsteiger Ergenzingen schon als Absteiger fest. Ergenzingen war auch 25/26 nur eine einjährige Ergänzung der Landesliga…
Lt. FuPa fanden sich bei bewölktem Wetter 50 Fans im Stadion ein. Nach Augenschein schienen es aber ein paar mehr zu sein…
Nach dem Anpfiff plätscherte das Match eine Viertelstunde vor sich hin, dann machten die Gastgeber ernst. Bürkle traf in der 15. Minute per Abstauber (der Keeper ließ den Ball nach vorne abprallen) zum 1:0, dem schon zwei Minuten später das 2:0 durch Karypidis folgte. Selbiger hielt den Fuß in eine scharfe Hereingabe von links.
Damit schien das Geschehen seinen tabellarisch erwartbaren Gang zu gehen. Aber in der 24. Min. brachte ein schöner Freistoßtreffer von Gulde Ergenzingen auf 2:1 heran.
Der VfL drängte danach auf weitere Tore und ließ viele Chancen liegen. Aber in der 37. Min. war das Spielgerät zum 3:1 im Netz. Zwei Nagolder liefen auf das Tor zu, vor dem Tor bekam Karypidis den Ball und spielte den Keeper und den letzten Verteidiger aus. Ein Flachschuss von Gaiser in der 41. Min. sorgte für den 4:1-Halbzeitstand. Das Geschehen schien so klar, dass der Schiri statt Nachspielzeit zu geben fast eine halbe Minute früher abpfiff…
In der 2. Halbzeit schleppte sich das Match etwas zäh dahin. Zumal Rothfuß mit einem Doppelpack in der 56. (nach einer Ecke) und 67. Minute (unter gütiger Mithilfe der Ergenzinger Abwehr) das Spiel auf 6:1 stellte und etwaige vage Hoffnungen auf eine überraschende Wende zu den Akten legte…
Fazit: Das Spiel war eine ziemlich eindeutige und in der 2. Halbzeit auch recht zähe Angelegenheit, sodass genügend Zeit und Muße für das ausgiebige Betrachten des hübschen Stadions blieb…
(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)
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- Daten zum Spiel bei fussball.de
- Daten zum Spiel bei FuPa
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