"Pyro hat das Spiel zerstört"
Fever Pit'ch
May 24, 2026
Wenn Uli Hoeneß im Berliner Olympiastadion sitzt und nach eigener Auskunft „stellenweise in der zweiten Halbzeit gar nichts gesehen" hat, dann ist das mehr als eine private Beschwerde eines Ehrengasts. Es ist die Wortmeldung eines Mannes, der den deutschen Fußball seit Jahrzehnten mitprägt und der das Pokalfinale seines FC Bayern gegen den VfB Stuttgart aus der Distanz eines Zuschauers erlebt hat, dem die eigene Frau später am Telefon bestätigt: Am Fernsehen war lange nichts zu sehen. Der Bayern-Patron hat seinen Ärger bei Sky in Worte gefasst, die in ihrer Schärfe deutlich machen, wie sehr ihn die Pyroshow der Fans beider Seiten getroffen hat.
„Eine Unverschämtheit" sei das gewesen, sagte Hoeneß, „die haben das Spiel total zerstört". Es sind harte Sätze, und sie zielen ausdrücklich auf beide Fanlager, also auch auf jenen Teil der eigenen Anhängerschaft, der sich an diesem Abend in Berlin zu inszenieren wusste. Dass Bayern das Endspiel am Ende 3:0 gewann, spielt in seiner Bilanz nur eine Nebenrolle. Das sportliche Resultat verschwindet hinter dem Eindruck, dass sich der Fußball in seiner größten Pokalnacht selbst die Sicht genommen hat.
Tatsächlich war die Pyrotechnik im zweiten Abschnitt großflächig, und sie war kein Selbstzweck. Beide Fanlager hatten zugleich Banner gegen den Deutschen Fußball-Bund hochgehalten, der Protest war organisiert, sichtbar und in seiner Inszenierung kalkuliert. Schiedsrichter Sven Jablonski hatte die Partie wegen der starken Rauchentwicklung sogar unterbrechen müssen, was den Vorgang aus dem Bereich des bloßen Stimmungsbilds heraushebt und zu einer Frage der Spielordnung macht. Wer das Endspiel im Stadion oder am Bildschirm verfolgen wollte, war über längere Phasen darauf angewiesen, dass sich der Rauch verzog.
An dieser Stelle setzt Hoeneß den eigentlichen Hebel an. „Wenn die Zuschauer meinen, dass das ihre Form von Feiern ist, bin ich echt nicht mehr dabei", sagte er, und es ist bemerkenswert, dass ein Funktionär seines Formats die Distanz zur eigenen Kurve so deutlich markiert. Er trennt damit zwei Dinge, die in der Diskussion gern zusammenfallen: die Legitimität von Protest gegen den DFB auf der einen Seite, und die Methode, mit der dieser Protest ausgetragen wird, auf der anderen. Das Banner ist Meinung. Der Rauch, der ein Pokalfinale unterbricht, ist etwas anderes.
Hoeneß bleibt nicht beim Befund stehen, er fordert Konsequenzen. „Die Vereine, der DFB und die Politik müssen hart durchgreifen, damit solche Unverschämtheiten nicht mehr passieren." Damit verteilt er die Verantwortung bewusst auf drei Adressen, und das ist in diesem Fall keine Floskel. Die Vereine kennen ihre Kurven, der DFB ist als Veranstalter und zugleich als Adressat des Protests doppelt gefordert, und die Politik kommt ins Spiel, sobald Sicherheit und Ordnung im Stadion betroffen sind.
Ob daraus tatsächlich eine abgestimmte Linie wird, ist offen. Die Debatte über Pyrotechnik begleitet den deutschen Fußball seit Jahren in immer gleichen Schleifen, und die Argumente sind ausgetauscht. Neu ist, dass diesmal kein Bundesligaspiel im Februar betroffen war, sondern das Pokalfinale, also jene Partie, die der DFB selbst als Schaufenster begreift. Wenn ausgerechnet hier die Sicht aufs Spielfeld zum Streitpunkt wird, lässt sich der Vorgang schwerer einordnen als sonst.
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