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Heidenheims Trainer warnt: Das Rad ist überdreht wie noch nie

Fever Pit'ch May 10, 2026
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Frank Schmidt ist nicht der Typ, der sich zum Philosophen des Fußballs aufschwingt. Wenn der Trainer des 1. FC Heidenheim in der Süddeutschen Zeitung sagt, es sei noch nie so sehr ums Geld gegangen wie zurzeit, dann hat das Gewicht, weil es aus einem Klub kommt, der in den vergangenen Jahren gezeigt hat, wie man mit begrenzten Mitteln in die Bundesliga und sogar in den Europapokal kommt. Und weil Schmidt dort seit 2007 an der Seitenlinie steht, also lange genug, um den Markt nicht erst seit gestern zu kennen. Sein Satz, der hängen bleibt, ist der über den vergangenen Sommer. „Die Spieler, die vom Karrierestatus her zu uns passen und die wir immer bekommen haben, die haben wir im vergangenen Sommer zum ersten Mal nicht mehr bekommen", sagte Schmidt. Das ist keine Klage über entgangene Weltklasse. Das ist eine Beobachtung aus dem Maschinenraum eines Klubs, der sehr genau weiß, in welchem Preissegment er sich bewegt, und der plötzlich feststellt, dass dieses Segment sich verschoben hat, ohne dass Heidenheim mitgewandert wäre. Schmidt formuliert das nüchtern, aber mit klarer Diagnose. Man könne vermuten, sagt er, drittes Jahr Bundesliga, Europapokal gespielt, Geld für Transfers eingenommen, das laufe. „Aber die Rahmenbedingungen um uns herum haben sich verändert, der Markt ist überhitzt wie noch nie." Das ist ein bemerkenswerter Befund, weil Heidenheim nach außen wie ein Klub wirkt, der die Aufstiegsgeschichte in eine stabile Gegenwart überführt hat. Schmidt widerspricht dieser Lesart. Der sportliche Erfolg schützt nicht vor den Marktbedingungen. Er ändert nichts daran, dass andere mehr zahlen. Den stärksten Akzent setzt Schmidt mit dem Rückblick auf die Coronazeit. Damals, erinnert er, habe die Frage im Raum gestanden, ob es den Profifußball überhaupt weiterhin geben werde. Und falls ja, dann müsse man wirklich darauf achten, dass das Rad nicht gleich wieder überdreht werde. „Und jetzt ist genau das Gegenteil passiert. Das Rad ist überdreht wie noch nie." Man muss sich diesen Bogen kurz vor Augen führen: Von der Existenzfrage eines ganzen Systems zur Rekordinflation auf dem Transfermarkt sind nur wenige Jahre vergangen. Die Demut, die damals reflexhaft beschworen wurde, hat sich nicht in Strukturen übersetzt. Sie war eine Episode, kein Kurswechsel. Wer das hört, versteht, warum diese Aussagen aus Heidenheim kommen und nicht aus München oder Leverkusen. Klubs wie Schmidts Arbeitgeber sind die ersten, die spüren, wenn sich die Mechanik des Marktes verschiebt. Sie haben keinen Spielraum, um ein paar Millionen drauflegen zu können, wenn ein Spieler plötzlich teurer wird. Sie verlieren den Zugriff auf ein Spielerprofil, das bislang ihr Geschäftsmodell trug. Schmidt beschreibt das ohne Bitterkeit, aber auch ohne Illusion, dass sich daran kurzfristig etwas ändern könnte. Dass Schmidt zuletzt angedeutet hat, die kommende Saison könnte „mutmaßlich" seine letzte in Heidenheim sein, während sein Vertrag noch bis 2027 läuft, gibt den Sätzen einen zusätzlichen Unterton. Jemand, der seit 2007 dabei ist und dem Verein wahrscheinlich bald den Rücken kehrt, hat weniger Grund, Dinge zu beschönigen. Was er sagt, sollte gehört werden, auch in Klubs, die den Warnhinweis aus Heidenheim gerade nicht nötig zu haben glauben.

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