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  "description": "Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über die neue ZDF-Doku, die sich mit dem Weltmeister von 2014 auseinandersetzt – es gibt eigentlich nur Verlierer",
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  "publishedAt": "2026-04-10T04:50:59.000Z",
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  "textContent": "Diese Woche habe ich die neue ZDF-Doku „Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“ gesehen und bin dabei ganz schön erschrocken. Über mich. Über uns. Über Özil.\n\nDer Umgang Deutschlands mit dem Weltmeister von 2014 ist schlecht gealtert. Das wird in dem zweieinhalbstündigen Film schnell klar. Teilweise wirkt es, als spiele die Handlung nicht mitten in Deutschland, sondern auf einer einzigen großen AfD-Jahreshauptversammlung.\n\nEs gab einiges, das man anders hätte machen können, worüber man anders hätte denken müssen. Das gilt für alle Beteiligten. Und genau das ist das Traurige: Heute ist für viele nur Özil der Bösewicht.\n\nDas Besondere an der sehr guten Doku: Sie erklärt mir nicht, auf welcher Seite ich zu stehen habe. Sie lässt Menschen sprechen, zeigt Bilder von damals – und das funktioniert. Am Ende steht ein Gedanke: Wir alle haben Fehler gemacht. Auch ich. Auch ich habe zu jener Zeit irgendwann gedacht: „Jetzt sing’ sie halt endlich, die Hymne, Mensch!“\n\nDie Doku zeichnet nach, wie ein ganzes Land plötzlich kein anderes Thema mehr zu haben schien als die hymnensynchrone Lippenbewegung eines Fußballers. Vielen – etwa Mario Basler, dessen Auftritte heute schwer zu ertragen sind – war deshalb die Frage, wie „deutsch“ Özil ist, wichtiger als dessen Leistung auf dem Platz.\n\nEinigkeit und Recht und Mesut Özil.\n\nDie Doku spart nichts aus. Sie zeigt, dass Özils jugendliches Talent anfangs nicht einmal für Schalke 04 reichte; wie er bei Bundesligaklubs vorspielte – und ihm doch immer ein „Stefan“ oder „Jürgen“ vorgezogen wurde. Später zwangsintegrierte er sich mit brillanten Leistungen. Und am Ende wurde Özil selbst desintegriert.\n\nEs geht darum, wie schwer sich viele Deutsche tun, Leute wie Klose, Podolski, Boateng oder Özil ohne Vorbehalt als „echte Deutsche“ zu akzeptieren. Im besten Fall ist man Stargast in Deutschland – und wird schnell ausgeladen, wenn es unbequem wird.\n\nÖzil zu Gast bei Freunden. Der Doku-Titel sitzt.\n\n„Özil gehört nicht zu Deutschland...“ Ein Satz vom Rechtsaußen-Journalisten Claus Strunz, in der Doku taucht er öfters auf. Aber wurde Özil nicht in Deutschland geboren? Er hat einen deutschen Pass. Sein Vater lebt hier, seit Mesut zwei Jahre alt ist - sein Sohn spielte für die Nationalmannschaft, er wurde Weltmeister. Bundeskanzlerin Angela Merkel kam in die Kabine, um Mesut die Hand zu schütteln.\n\nDa fragt man sich im Nachhinein: Wer gehörte hier eher zu Deutschland – ein Özil oder ein Strunz?\n\nEs hätte eine märchenhafte Geschichte bleiben können. Doch dann kam 2018 dieses Foto von Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Eine dumme, folgenreiche Entscheidung. Und plötzlich drehte Deutschland komplett durch.\n\nIn der Doku sieht man auch andere Bilder. Lothar Matthäus sitzt 2018 bei Wladimir Putin und lobt ihn überschwänglich. Matthäus spielt auf Einladung von Ramsan Kadyrow, dem Präsidenten Tschetscheniens, gutgelaunt mit ihm Fußball. Kadyrow werden, zurückhaltend formuliert, Folter und Gewalt vorgeworfen.\n\nLothar zu Gast bei Diktatoren.\n\nDer Aufschrei? Kaum zu hören. Die Folgen? Keine. Der Weltmeister von 1990 hat halt das Glück, ein „Ä“ im Namen zu haben – und kein „Ö“.\n\nWährend der Doku habe ich mich zwei Dinge gefragt: Was wäre aus einem Özil geworden, der nicht kicken kann? Und: Wie wäre mein eigener Weg verlaufen, wenn ich nicht „Steudel“ heißen, sondern den griechischen Namen meiner Mutter tragen würde?\n\nWas ist da eigentlich mit Deutschland passiert?\n\nVieles. Zu vieles. Die „Deutschen“ haben Fehler gemacht. Die „Özils“ auch. Heute sympathisiert Mesut mit Rechtsextremen in der Türkei. Es ist schlimm. Aber wie groß ist unser Anteil daran?\n\nÖzils Berater Erkut Söğüt sagt in der Doku, Kritik sei damals fließend in Rassismus übergegangen. Wenn man die Doku heute sieht, muss man feststellen: Falsch liegt er nicht.\n\nUnd doch bleibt auch die andere Seite: Özil selbst hat sich verrannt. Wie kann man so stur sein? Und warum konnten wir so stur sein?\n\nGeblieben ist noch eines, zumindest bei mir: Scham. Scham über die Aussagen von Leuten wie Basler und Strunz. Über geifernde AfD-Politiker. Über den damaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, der Özil ins offene Messer laufen ließ.\n\nAber Grindel hatte ja schon 2004 im Bundestag gesagt: „Multikulti ist in Wahrheit Kuddelmuddel.“ 2019 musste er zurücktreten – nicht wegen eines Fotos, sondern wegen einer Luxusuhr und nicht angegebenen Nebeneinnahmen.\n\nWas man halt so macht als echter Deutscher?\n\n„In den Augen von Grindel und seinen Unterstützern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Migrant, wenn wir verlieren,\" schrieb Özil zu seinem Rücktritt 2018. Da ist was dran.\n\n* * *\n\n### **Die besten Steudel-Kolumnen als Buch**\n\n _Meine Kolumnen gibt es jetzt auch als Buch – Titel:**Wäre, wäre, Fahrradkette - Die besten Fußball-Kolumnen von Alex Steudel seit 2020**. 257 Seiten, 15,99 Euro: _Hier bestellen!_Wer fürs gleiche Geld portokostenfrei ein signiertes Exemplar haben möchte: Einfach Mail an_ _post@alexsteudel.de_ _schreiben._",
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