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"description": "Ein Survivalguide für Content Creator und Online-Pilger.",
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"publishedAt": "2026-07-02T05:00:08.000Z",
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"Hate Speech",
"Die fröhliche Wissenschaft",
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"Hier geht's zur Kaffeekasse",
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"textContent": "Du bist online aktiv und fragst dich, wie du besser mit negativen Kommentaren im Netz umgehst? Der beste Rat dafür kommt ausgerechnet von einem Mann, der das Wort „ _Internet_ “ nie gehört hat.\n\n## Negative Kommentare auf Social Media sind unausweichlich\n\nBei meinem vierten Youtube-Video erhalte ich zum ersten Mal einen Kommentar. Der Mann heißt Reinhard, scheint um die 70 Jahre alt zu sein. Ich springe zum Kommentar und lese:\n\n„ _Wenden Sie sich doch einem anderen Hobby zu._ “\n\nAutsch.\n\nDas ist kein Hate Speech. Der liebe Reinhard beleidigt oder bedroht mich nicht. Aber weißt du, was er tut?\n\nEr trifft einen Nerv.\n\n### Was ein mieser Kommentar in uns auslöst\n\nIch beginne zu zittern – vor Wut. Ich will Reinhard an die Gurgel springen, doch ich sehe ihn nirgends. Nur seinen blöden Kommentar.\n\nDas schockiert mich. Nicht Reinhard, sondern wie stark ich seinen Kommentar spüre.\n\nDas ist das Tückische an Kommentaren. Sie landen in deinem Kopf, bevor du weißt, dass sie dir schaden.\n\nDeshalb hoffe ich, dass ich dich erreich, bevor dir das Gleiche passiert. Denn wo Reinhard herkommt, da gibt es noch ganz andere Kollegen.\n\nWas wir dafür brauchen? Tipps – die liefer ich dir gleich. Aber zuerst: Eine neue Philosophie. Und die kommt von einem Mensch, der die Wörter „ _Social Media_ “ und „ _Internet_ “ zu Lebzeiten nie gehört hat.\n\n## Nietzsche: Die Philosophie der Hate-Kommentare\n\nIn §3 des ersten Buches von „Die fröhliche Wissenschaft“ schreibt Friedrich Nietzsche über die „ _gemeine_ “ und die „ _edle_ “ Natur des Menschen.\n\nDie **gemeine Natur** (im Sinne von gewöhnlich, nicht fies) behält „ _ihren Vortheil unverrückt im Auge_ \". Sie denkt rational, aber auch eigennützig (_BWLer denken jetzt an den „_ Homo oeconomicus_“_).\n\nDie **edle** Natur folgt „ _der Leidenschaft_ \" – sie strebt z.B. nach Selbstverwirklichung, handelt dabei aber auch affektiver, also weniger rational.\n\nEs ist unerheblich, zu welcher Natur du gehörst. In §3 geht es Nietzsche vor allem um das Verständnis der beiden Naturen füreinander:\n\nDenn das fehlt – völlig.\n\nDir gefällt der Artikel? Spendier mir doch 'nen Kaffee.\nHier kannst du das:\n\n\n Hier geht's zur Kaffeekasse\n \n\n### Warum Menschen einander nicht verstehen\n\nDie edle und die gemeine Natur nehmen die Welt durch ihre individuelle Brille wahr. Sie haben Vorstellungen davon, wie etwas zu sein oder wie sich jemand zu verhalten hat.\n\nHast du schon mal jemanden gefragt, warum er etwas tut, und die Person hat dir geantwortet, „ _weil man das so macht_ “? Point made. Case closed.\n\n> Die Persönlichkeit eines Menschen formt seine Wahrnehmung und so seine Realität.\n\nDie meisten Menschen besitzen zwei Augen – das bedeutet aber nicht, dass sie die Welt mit _denselben_ Augen sehen.\n\nDeshalb verstehen wir einander manchmal überhaupt nicht. Wir erklären uns das Verhalten anderer wie durch eine verfärbte Brille.\n\n> Unsere Annahmen sind ein Spiegel unseres eigenen Denkens.\n\nNietzsche beschreibt damit ein psychologisches Konzept, das du unbedingt kennen musst, wenn du im Netz aktiv bist.\n\n## Was Projektion ist – und was sie mit Hate-Kommentaren zu tun hat\n\nIn der Psychologie spricht man von **Projektion** , wenn wir anderen Menschen Eigenschaften zuschreiben, die wir versteckt in uns tragen, manchmal sogar an uns selbst nicht mögen.\n\nEin Mensch, der sich unehrlich verhält, misstraut anderen, da er sich unterbewusst selbst nicht über den Weg traut. Martin Wehrle schreibt dazu in „ _Den Netten beißen die Hunde_ “:\n\n> „ _Wie ein Maler nur Farben verwenden kann, die seine eigene Palette enthält, so finden die meisten Menschen für das Handeln anderer nur Erklärungen, die ihrem eigenen Wertesystem entsprechen_ “ – Martin Wehrle\n\nGenau das ist es, was Nietzsche in §3 beschreibt. Der Gemeine unterstellt dem Edlen Motive, die seiner eigenen Natur entsprechen (_und umgekehrt_), ist deshalb aber niemals vollständig dazu in der Lage, die andere Person zu verstehen.\n\n> **Unsere Urteile verraten manchmal mehr über uns als über diejenigen, die wir verurteilen.**\n\nVielleicht ist Projektion sogar in Teilen für den Generationenkonflikt verantwortlich – aber das ist ein anderes Thema. Wie hilft uns dieses Wissen nun im Umgang mit Hass online?\n\nHate gab es schon immer: „Die sieben Todsünden“ von Hieronymus Bosch\n\n### Wie Projektionen helfen, negative Kommentare einzuordnen\n\nÜbertragen auf den Hater, Ragebaiter oder Troll, bedeutet Projektion:\n\n> **Negative Kommentare sagen mehr über den, der sie schreibt, als über deine Arbeit.**\n\nOder, wie es ein User auf gutefrage.net so schön zusammenfässt: „ _Was der Hans über den Fritz sagt, sagt mehr über den Hans als über den Fritz._ “\n\nDer Hass, den andere Menschen gegen dich richten, ist manchmal also nicht mehr als Selbsthass und Frustration über das eigene Leben.\n\n> **Hate-Kommentare sind eine Selbstdiagnose.**\n\nSie funktionieren wie ein Spiegel, den sich jemand ungewollt vor die eigene Nase hält. Aber lass uns noch eine wichtige Unterscheidung treffen:\n\nKurzer Einschub: Wenn dich dieses Denken anspricht, verschicke ich jede Woche mehr davon in meinem Newsletter. Hier meldest du dich an. Jetzt zurück zu Reinhard.\n\nWerde Teil des Newsletters\n\n## Der Unterschied zwischen Hate und konstruktiver Kritik\n\nQuelle: Simpsons Fandom\n\nKonstruktive Kritik weist dich auf Schwachstellen hin, um dich aufzuwerten. Ihr zuzuhören, hilft uns langfristig weiter.\n\nDer Hater macht das Gleiche, um dich abzuwerten. Dem Hater geht es nicht um gute Argumente. Er will verletzen, abwerten und beleidigen. Er will dich runterziehen, damit du dich so fühlst wie er.\n\nDeshalb sage ich dir jetzt etwas, was ich gerne von jemandem gehört hätte, als ich meine ersten Beiträge veröffentlichte:\n\n> **Der Hass online kritisiert weder dich noch deine Arbeit. Er attackiert lediglich das, was er nicht versteht. Er hasst das, was er an sich selbst hasst.**\n\nDer Fakt, dass du zum Ziel eines Haters wirst, bedeutet vielleicht bloß, dass du etwas tust, das über das „ _Gewöhnliche_ “ (das „ _Gemeine_ “) hinausgeht. Das verachtet der Hater, denn es übersteigt seinen Horizont.\n\nUnd mal ehrlich:\n\n> **Es wäre verdammt schade, wenn du dir deinen Traum von jemandem zerstören lässt, der mit sich selbst nicht im Reinen ist.**\n\n## 5 Tipps im Umgang mit Hate-Kommentaren\n\nJetzt folgt keine Anleitung. Ich erzähl dir einfach, was mir hilft, in der Hoffnung, dass es auch _dir_ hilft.\n\n### 1. Atme durch.\n\nJa, ernsthaft. Das ist kein WuHu-BuHu-Bullshit, nein, du fokussierst dich auf etwas, das real ist: dein Atem.\n\nDu liest einen Kommentar mit deiner gedanklichen Stimme. Der Hater landet in deinem Kopf, bevor du überhaupt weißt, dass er dir schaden will.\n\nDas führt oft zu einer körperlichen Reaktion (_wie mein wütendes Zittern_). Mir hat es deshalb geholfen, dieser physischen Reaktion auf Ebene meines Körpers zu begegnen.\n\nAbstand nehmen, tief durchatmen, wiederholen, bis der Puls sinkt.\n\n### 2. Treib Sport.\n\nWenn du gar nicht mehr klar denken kannst, reg dich körperlich ab. Schwing dich auf's Rad, mach ein paar Liegestützen, prügel auf einen Boxsack oder ein Kissen ein (_bitte nicht auf den Hater, selbst wenn du die Chance dazu hast_).\n\nSelbes Prinzip wie beim Durchatmen – nur intensiver. Ich habs heute erst wieder ausprobiert. Aufgeregt, ins Studio gegangen, dann sah die Welt schon anders aus.\n\n### 3. Sprich darüber.\n\nDir Hilfe zu suchen, ist nicht schwach. Wenn dir jemand sagt: „ _Ist doch bloß ein Kommentar_ “, dann kennt er sich mit der Situation nicht aus.\n\nJemanden anzurufen ist keine Schwäche, sonderm Coping (Problembewältigung). Reden hilft, Dampf abzulassen. Es tut verdammt gut, sich gemeinsam über jemanden aufzuregen.\n\n_Vorsicht: Die Person, der du davon erzählst, könnte genauso wütend werden wie du. Empfiehl ihr danach also diesen Artikel (hehe)._\n\n### 4. Reagiere auf den Kommentar, wenn du es willst.\n\nAutomatisch auf „ _Blockieren_ “ drücken, muss nicht immer die beste Lösung sein. Wenn dich jemand in ein schlechtes Licht rückt oder etwas sagt, das klar gegen deine Haltung geht, **_steh für dich ein_**.\n\nKippt ein Kommentar zur Beleidigung oder Drohung, darfst du dich dagegen juristisch wehren.\n\nDabei geht es um nichts geringeres als Selbstwirksamkeit, also das Gefühl, dass wir nicht das Opfer sind, sondern uns behaupten können.\n\nBeim gewöhnlichen Youtube-Troll oder _Ragebaiter_ vergeudest du mit langen Antworten jedoch oft deine Energie und vor allem die Zeit, die du für deine Arbeit nutzen könntest.\n\nViele Plattformen (z.B. Youtube unter „Einstellungen“ – „Community-Moderation“ – „Nutzerverwaltung“) bieten Community-Funktionen, durch die du Personen für deinen Kanal stumm schaltest.\n\nDas Beste daran: Der Hater kriegt nichts davon mit. Er kann weiter kommentieren und seine Zeit verschwenden, aber niemand sieht es.\n\n### 5. Besiege den Hate durch Weitermachen.\n\nWenn dir jemand sagt, dass er deinen Beitrag scheiße findet, schreib direkt den nächsten. Wenn er dir sagt, du siehst im Video hässlich aus, stell dich noch näher an die Kamera.\n\nZeig der Person, dass sie keinerlei Kontrolle über dich besitzt. Damit tust du genau das, wovor sie sich selbst fürchtet:\n\nDu stehst zu dir und deiner Leidenschaft. Und dazu ist der Hater nicht in der Lage, sonst würde er seine Zeit mit etwas Sinnvollem verbringen.\n\n## Deine Reaktion auf Kritik ist der Grund, warum du weitermachen musst\n\nAls ich damals so stark auf Reinhards Youtubekommentar reagiert hatte, fragte ich mich lange, ob ich mich für eine Onlinepräsenz eigne. Bin ich vielleicht zu sensibel? Bringe ich nicht die richtige Persönlichkeit dafür mit?\n\nDoch Paul Millerd hat mich in „ _The Pathless Path_ “ davon überzeugt, dass eine emotionale Reaktion auf Kritik keine Schwäche ist.\n\nDer Fakt, dass du dir Kritik zu Herzen nimmst, vielleicht sogar mehr als dir gut tut, ist exakt der Grund, warum du deine Arbeit mit anderen Menschen teilen solltest.\n\nDeine Reaktion bedeutet, dass dir das, was du tust, am Herzen liegt, dass dir _andere_ am Herzen liegen. Du sorgst dich darum, was deine Arbeit in ihnen auslöst.\n\nDas ist keine Schwäche:\n\n> **Das macht dich zu genau der Person, die anderen überhaupt erst helfen _kann_.**\n\nIch glaube schon lange daran, dass das, was wir oft als Schwäche bezeichnen, manchmal Stärke ist.\n\nAlso bleib dran. Ich steh hinter dir.\n\n****Auch auf deinem Weg wird es Reinhards geben.****\nUnd Tage, an denen du am liebsten aufhören würdest.\n\nIn meinem Newsletter schreibe ich für alle, die an ihrem Weg festhalten wollen.\nDer einfachste Schritt dafür? Den Button klicken.\n\nJetzt anmelden\n\nPS: Dir gefällt meine Arbeit? Ein Kaffee hält mich wach beim Schreiben:\n\n\n\n",
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